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Politik

Kritik in Deutschland an Papst Benedikt XVI. wächst

Nach der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamon formiert sich in der katholischen Kirche in Deutschland Widerstand gegen Papst Benedikt XVI. Führende Kirchenmänner kritisieren die Haltung des Papstes.

Der Druck wächst: Papst Benedikt XVI. (Quelle: dpa)

Der Druck wächst: Der deutsche Papst Benedikt XVI.

Die kritischen Stimmen zur Entscheidung des Vatikans im Fall des Traditionalistenbischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson mehren sich. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann verlangt eine klare Entschuldigung des Vatikan. Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., Williamson zu rehabilitieren, sei eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocaust, sagte der frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz am Montag (02.02.2009), der Papst müsse klarstellen, dass die Leugnung des Holocaust kein Kavaliersdelikt sei.

Kardinal Lehmann verlangt eine Entschuldigung (Quelle: dpa)

Kardinal Lehmann verlangt eine Entschuldigung

Auch der Hamburger Erzbischof Werner Thissen ging auf Distanz zum Vatikan. "Einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, ist immer eine schlechte Entscheidung", sagte er. Es sei schlampig gearbeitet worden, nun sei der Schaden groß. "Es hätte geklärt werden müssen, was die Meinung Williamsons ist. Es hätte auf jeden Fall besser recherchiert werden müssen."

Williamson bestreitet Existenz von Gaskammern

Der britische Bischof Richard Williamson löste die aktuelle Debatte aus (Archivfoto, Quelle: dpa)

Der britische Bischof Richard Williamson löste die aktuelle Debatte aus

Williamson, der der erzkonservativen Piusbruderschaft angehört, hatte in einem Interview die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis bestritten. Auch die Existenz von Gaskammern in den Vernichtungslagern leugnete er. Der Vatikan erfuhr nach Angaben des zuständigen Kurienkardinals erst nach der Aufhebung der Exkommunikation von diesen Äußerungen.

Der frühere Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Hans Maier, äußerte Zweifel, ob Benedikt zu den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils steht. "Da gehen Worte und Taten auseinander", sagte Maier. Er betonte, der Papst habe die Einheit der Kirche über alles gestellt. Dieser Preis sei "viel zu hoch" gewesen. Der Papst habe mit der Wiedereinführung der alten, tridentinischen Messform und der Aufhebung der Exkommunizierung von vier Bischöfen der Piusbruderschaft zentrale Forderungen der konservativen Gruppierung erfüllt. Es könne sich das Gefühl einstellen, dies sei "ein Plan mit mehreren Stufen".

"Wohlüberlegte Strategie"?

Für den Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann waren die Rücknahme der Exkommunizierung von vier traditionalistischen Bischöfen und die Ernennung des erzkonservativen österreichischen Priesters Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz "kein Versehen", sondern Teil einer "wohlüberlegten Strategie".

Nach Einschätzung des Theologen Hans Küng ist Papst Benedikt von der Welt außerhalb des Vatikans weitgehend abgeschottet. "Er merkt gar nicht, wie seine Aktionen in der Welt ankommen", sagte Küng im Deutschlandradio Kultur. "Er müsste das Schiff der katholischen Kirche, das nach rechts abgedriftet ist, als Kapitän wieder in die Mitte lenken."

Zentralrat fordert Klarstellung des Papstes

Der Zentralrat der Juden verlangte eine Klarstellung des Papstes. "Wir sind der Auffassung, dass der Papst konkretisieren muss, was er gesagt hat", sagte Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer. Die Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons stelle alle Erklärungen in Frage, "die die Verbindungen zur jüdischen Gemeinschaft verbessert haben". Man stehe jetzt "im Prinzip vor einem Scherbenhaufen". Auch die Teilnahme an der "Woche der Brüderlichkeit" in Hamburg sei nun fraglich geworden.

Der vor wenigen Tagen vom Papst teilweise rehabilitierte Bischof Bernard Tissier de Mallerais kündigte inzwischen an, die Traditionalisten wollten ihre Positionen nicht ändern, "sondern Rom bekehren". Die Bischöfe wollten "den Vatikan in ihre Richtung führen".

Der Leiter der konservativen Piusbruderschaft, Bernard Fellay, wies derweil den Vorwurf des Antisemitismus zurück. Der französischen Zeitschrift "Famille Chrétienne" sagte er: "Wir weisen jede Billigung dessen zurück, was unter Hitler geschah." In einem Brief an den Papst hatte Fellay um Verzeihung für die Leugnung des Holocaust durch Williamson gebeten: "Die Äußerungen von Herrn Williamson spiegeln in keiner Weise die Überzeugungen unserer Priesterbruderschaft wider." (kle)

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