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Fokus Südosteuropa

Kritik an Uni-Abschlüssen in Mazedonien

Mazedonien hat Probleme in der Hochschulbildung. Die Qualität der wissenschaftlichen Arbeit sei ungenügend, sagen Kritiker. Schuld daran seien unter anderem getürkte Abschlüsse. Der Bildungsminister will nun eingreifen.

Studenten vor Kyril und Methodious Uni in Skopje (Foto: DW)

Studentenmassen stürmen die Unis wie diese in Skopje

Abgeschriebene Doktor- und Magisterarbeiten, bereits veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten, gekaufte und leicht erlangte Studienabschlüsse aus Nachbarländern wie Kosovo, Bulgarien oder auch Russland: Mit diesem Problem sei die mazedonische Wissenschaftswelt konfrontiert, so Kritiker. Die daraus resultierenden Konsequenzen für die Wissenschaft und Arbeitswelt seien verheerend.

Geschenkte Titel?

Mann in der Bibliothek (Foto: Imagesource)

Im Schnelldurchgang zum Titel

Nun will der Bildungsminister eingreifen. "Ich war unangenehm überrascht, als ich einige Doktorarbeiten gelesen habe, die das gleiche Thema enthielten. Und dann habe ich entdeckt, dass einige Doktorarbeiten auch im Ausland mit den gleichen Themen erschienen und offenbar abgeschrieben waren", sagt Minister Nikola Todorov. Als Gegenmaßnahmen sollen strengere Kriterien für Doktoranden eingeführt werden.

Besonders besorgniserregend sei, dass Uni-Dozenten und Professoren unqualifiziert seien. "Das stellt das gesamte System in Frage", sagte Bildungsminister Nikola Todorov der Deutschen Welle. In Mazedonien herrscht ein wahrer Ansturm auf die Universitäten, aber auch inflationär viele Unis sowohl staatliche als auch private wurden eröffnet. Bei zwei Millionen Einwohnern gibt es 70.000 Studenten an 70 Hochschulen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch einen Beschluss der Regierung, zahlreiche staatliche Universitäten zu eröffnen. Dadurch stieg auch die Nachfrage nach qualifizierten Lehrkräften. "Der Lehrkräftebedarf hat zu einer wahren Flut von Doktorarbeiten geführt. Daher ist anzunehmen, dass die Grundregeln für die Promotion übergangen wurden", erläutert Blagoja Samakoski, Rektor der neugegründeten Informatikhochschule in Ohrid.

Strengere Kriterien

Doktorhut (Foto: dpa)

Demnächst höhere Anforderungen für Doktorwürde

"Ich fordere, dass die Magister- und Doktorabschlüsse überprüft werden. Dann wird sich zeigen, wie katastrophal die Lage ist, wie schlecht sie bearbeitet, wie fragwürdig die darin enthaltenen angeblichen neuen Erkenntnisse sind, für die der Doktortitel schließlich verliehen wird", empört sich Dane Taleski, ein Mazedonier, der in Ungarn an einer Budapester Universität promoviert. Die staatlichen und privaten Universitäten würden nur noch darauf achten, möglichst viele Studenten zu bekommen - und dabei die Wissenschaft völlig vernachlässigen, meint Taleski.

Seit fast einem Jahr hat es in Mazedonien keine Approbation mehr gegeben, die Voraussetzung für eine Lehrbefähigung. Bis September vergangenen Jahres noch konnte jeder Doktorand das Thema seiner Doktorarbeit einreichen und innerhalb von einem bis drei Jahren seinen Titel bekommen. Nun seien die Kriterien strenger, behauptet Minister Todorov. Den neuen Richtlinien zufolge müssen Doktoranden künftig ein dreijähriges Doktorantenstudium absolvieren und ihre mündliche Prüfung, in der sie ihre Doktorarbeit verteidigen, vor einer Kommission von Professoren ablegen, die mindestens drei bis fünf Veröffentlichungen oder Artikel in internationalen wissenschaftlichen Ausgaben nachweisen können.

Autoren: Aleksandar Comovski / Mirjana Dikic

Redaktion: Julia Kuckelkorn