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Fokus Osteuropa

Kritik an UN-Studie zu Tschernobyl

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) haben in Wien einen Bericht über die Folgen der Tschernobyl-Katastrophe vorgestellt. Wird das wahre Ausmaß der Havarie vertuscht?

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AKW Tschernobyl nach der Katastrophe im Jahr 1986

An der Studie beteiligten sich Vertreter der ukrainischen, russischen und belarussischen Behörden. In dem 600 Seiten starken Bericht kommen die Experten der WHO und der IAEA zum Ergebnis, dass die Katastrophe in Tschernobyl keine deutlich erkennbaren negativen Folgen für die Bevölkerung habe, die in der Gegend um das Kernkraftwerk lebe. Mit wenigen Ausnahmen sei es den Experten nicht gelungen, großflächige radioaktive Verseuchungen zu finden, die das Leben der Menschen gefährden würden.

Opfer radioaktiver Strahlung

Die Verfasser des Berichts betonen aber, dass in der Zeit zwischen 1986 und 1987 fast 200.000 Menschen, die in der Zone gearbeitet hätten, massiver radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen seien. Insgesamt habe die Katastrophe nach Angaben der WHO etwa 4.000 Menschen das Leben gekostet. Fast genauso viele Menschen in der Region, vor allem Kinder, seien an Schilddrüsenkrebs erkrankt, aber laut dem Bericht wurden 99 Prozent geheilt.

Armut und Psyche

Abschließend kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis, dass die in der ehemaligen Sowjetunion verbreitete Armut und die auf entsprechende Lebensbedingungen zurückzuführenden psychischen Erkrankungen für die Bevölkerung eine viel größere Gefahr darstellten als die radioaktive Strahlung. Die Mythen und die falschen Vorstellungen über die Strahlung führten unter der Bevölkerung zu einem lähmenden Fatalismus.

Kritik seitens der IPPNW

Mit dem Ergebnis der Studie ist die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) nicht einverstanden. Die Ergebnisse der Studie führten bei der IPPNW zu Empörung. Mitarbeiter dieser Organisation kritisierten die Verfasser der Studie und bezeichneten diese fast schon als Fälschung. Die Autoren würden die wahren Ausmaße der Tragödie bewusst vertuschen. Nach Ansicht der Organisation ist verdächtig, dass das Ergebnis der WHO-Studie von der IAEA geprüft wurde. Bekanntlich trete diese Organisation für die friedliche Nutzung der Atomenergie ein.

Gleb Gavrik
DW-RADIO/Russisch, 5.9.2005, Fokus Ost-Südost