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Kultur

Kritik an TV-Dokumentation über begleiteten Selbstmord

Die TV-Dokumentation über den Freitod eines schwer kranken 59-jährigen ehemaligen Universitätsprofessors löst Diskussionen aus: Verwerfliche Inszenierung oder notwendige Aufklärung?

Ein Pfleger massiert die Hand einer alten Frau (ap)

Der Ruf nach einem Verbot geschäftsmäßiger Sterbehilfe wird lauter

Am Mittwochabend war im britischen Fernsehen der Selbstmord eines schwerkranken Patienten zu sehen. Der 59-jährige ehemalige Universitätsprofessor Craig Ewert litt an einer unheilbaren Nerven- und Muskelkrankheit. Sein Körper war durch die Krankheit fast vollständig gelähmt. Er konnte nicht mehr eigenständig atmen und musste künstlich ernährt werden.

Selbstmord vor laufender Kamera

Die letzten Monate seines Lebens hatte er mit Hilfe umfangreicher medizinischer Apparatur in einer Klinik der Sterbehilfeorganisation Dignitas in Zürich verbracht.

Craig Ewert, 59, ehemaliger Universitätsprofessor (ap)

Craig Ewert, 59

Ende September 2006 nahm Craig Ewert mit Hilfe seiner Frau vor laufender Kamera einen tödlichen Medikamenten–Cocktail und stellte anschließend mit den Zähnen das Beatmungsgerät ab. Die im britischen Privatsender Sky Real Lives ausgestrahlte Dokumentation des Oscar-Preisträgers John Zaritsky hat europaweit eine kontroverse Diskussion ausgelöst.

Europaweite Debattten

Während der britische Premierminister Gordon Brown die Medien aufrief, sensibel mit dem Thema umzugehen, verteidigte der Sender die Ausstrahlung. Das Thema "Freitod" bei unheilbaren Krankheiten gehe immer Menschen an. Die Dokumentation gebe einen "informativen, gut verständlichen und lehrreichen Einblick in die Entscheidung, die manche Menschen treffen müssen", so eine Sprecherin von Sky Real Lives.

Ein Sterbender im Hospiz Haus Zuversicht in Bethel bei Bielefeld (dpa)

"Verwerfliche und voyeuristische Inszenierung"

In Deutschland kritisierte die Hospizstiftung den Film als eine "verwerfliche und voyeuristische Inszenierung". Die Dokumentation nutze den Suizid einer schwerstkranken Person aus. Zudem handele es sich um eine gefährliche Werbung für den Verein "Dignitas", so die Kritik der Deutschen Hospizstiftung, die sich in ihrer Satzung strikt gegen jede Form des "assoziierten Suizids und der aktiven Sterbehilfe" ausspricht. Geschäftsführer Eugen Brysch: "Jeder Mensch hat ein Recht auf Sterben. Aber es gibt kein Recht auf Tötung." Mit Hilfe von begleitenden Ärzten und wirksamen Medikamenten, so Brysch weiter, wäre ein sanfterer Tod des 59-Jährigen möglich gewesen.

Ruf nach gesetzlicher Regelung

Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion (www.wobo.de)

Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Deutlich war auch die Kritik des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach. Er forderte, die Geschäfte mit Selbsttötungen zu verbieten. Gegen derartige Organisationen müsse rechtlich vorgegangen werden. Der CDU-Politiker kritisierte außerdem, dass es Vereinen wie "Dignitas" um Profit gehe. Eine Dokumentation über den Freitod eines Schwerkranken sei Befriedigung von Voyeurismus und Werbung für eine sehr umstrittene Organisation. Zaritskys Film suggeriere zudem, dass humanes Sterben nicht anders möglich sei. "Die Angst der Menschen vor einem qualvollen Tod wird ausgenutzt", sagte Bosbach in einem Interview.

Kritik der Bundesärztekammer

Unterstützung bekam Wolfgang Bosbach von Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe. Sterbehilfe dürfe nicht als "ideale Handlungsanleitung zum Freitod inszeniert werden. Dadurch verliere der Sterbende seine Würde. Anstatt dem Menschen durch Zuwendung und medizinische Linderung seiner Schmerzen zu helfen, werde die Selbsttötung als der vermeintlich leichtere Weg dargestellt.

"Nicht wiederbeleben"

Eine ganz andere Reaktion zeigte die 79 Jahre alte Neuseeländerin Paula Westoby. Sie ließ sich die Worte "Nicht wiederbeleben" auf die Brust tätowieren, weil sie keinesfalls als Kranke "vor sich hin vegetieren wolle."

Audio und Video zum Thema