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Nahost

Kritik an neuer Hinrichtung

Ungeachtet internationaler Appelle sind die beiden zum Tode verurteilten Gefolgsleute von Ex-Diktator Saddam Hussein hingerichtet worden. Erneut gibt es Kritik am Vorgehen.

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Der frühere Vorsitzende des Revolutionsgerichts Awad Hamed al Bandar (links) und Ex-Geheimdienstchef Barzan Ibrahim

Gut zwei Wochen nach der Hinrichtung des ehemaligen irakischen Machthabers Saddam Hussein sind zwei seiner Mitangeklagten gehängt worden, wie Staatsanwalt Munkith al Farun mitteilte. Saddams Halbbruder und Ex-Geheimdienstchef Barzan Ibrahim sowie der frühere Vorsitzende des Revolutionsgerichts, Awad Hamed al Bandar, seien am frühem Montagmorgen (15.1.2007) hingerichtet worden.

Grausige Details der Hinrichtung

Dabei wurde Barsan bei seiner Hinrichtung der Kopf abgerissen. Offenbar war das Seil zu lang und damit die Fallhöhe sowie die Krafteinwirkung auf den Körper zu groß. Dabei müsse wohl Gott seine Finger im Spiel gehabt haben, meint der Oberstaatsanwalt, der vor Gericht die Todesstrafe für den Ex-Diktator, seinen Halbbruder und den früheren Richter gefordert hatte. Der irakische Parlamentarier Wael Abdul Latif versteigt sich gar zu der Theorie, Al-Tikriti habe dies "durch die Taten, die er begangen hat, selbst bewirkt", sei somit also selbst schuld an dieser unbeabsichtigten Enthauptung.

Verzögerter Vollzug des Todesurteils

Barzan Ibrahim und Awad Hamed al Bandar waren gemeinsam mit Saddam Hussein wegen eines Massakers an Schiiten in den 1980er-Jahren zum Tode verurteilt worden. Die beiden Männer sollten zunächst gemeinsam mit Saddam Hussein am 30. Dezember hingerichtet werden. Doch entschied sich die irakische Regierung, zunächst nur das Todesurteil gegen den früheren Präsidenten zu vollstrecken.

Die Leichname der beiden Vertrauten Saddam Husseins befanden sich zunächst offenbar in Gewahrsam der irakischen Polizei. Diese habe die Angehörigen gebeten, die Toten für ihre Bestattung abzuholen, sagte ein Mitglied der Familie von Saddam Husseins Halbbruder, dem Ex-Geheimdienstchef Barsan el Tikriti.

Strenge Geheimhaltung vor der Hinrichtung

Ein hochrangiger Regierungsmitarbeiter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Ministerpräsident Nuri al-Maliki habe nach der Kritik an den Umständen von Saddams Hinrichtung den Informationsfluss besser kontrollieren wollen. Deshalb hätten die Behörden die Exekution am Montag zunächst nicht bestätigt. Ein Video von Saddams Tötung hatte internationale Kritik und einen Aufruhr unter der sunnitischen Minderheit im Irak ausgelöst. In dem Film war zu sehen, wie der sunnitische Ex-Präsident noch auf dem Schafott von Schiiten beschimpft wurde.

Exekution trotz internationaler Kritik

Russland hat die Hinrichtung der beiden Gefolgsleute des irakischen Diktators Saddam Husseins kritisiert. Die Vollstreckung der Strafe helfe ebenso wenig wie die Hinrichtung Saddams die Lage im Irak zu stabilisieren, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Michail Kamynin, am Montag in Moskau. Nur ein Dialog unter Beteiligung aller politischer und ethnischer Gruppen könne zu einer Normalisierung führen. Daran müssten auch Syrien und der Iran beteiligt werden, sagte Kamynin.

Auxh EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat die Hinrichtung scharf kritisiert. "Wir sind der Ansicht, dass ein Mensch nicht das Recht hat, das Leben eines anderen Menschen zu beenden", sagte Barroso am Montag nach der Vollstreckung des Todesurteils. Gleichzeitig er, die von Italien ins Gespräch gebrachte Ächtung der Todesstrafe durch die Vereinten Nationen (UN) zu unterstützen. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi hatte kurz nach der Hinrichtung Saddams am 30. Dezember ein weltweites Moratorium für die Todesstrafe gefordert.

Die USA erklärten, bei der Vollstreckung der Todesurteile handle es sich um eine rein inner-irakische Angelegenheit. "Es war ein irakisches Gerichtsverfahren. Es war eine irakische Entscheidung und es war eine irakische Hinrichtung", sagte US-Botschafter Zalmay Khalilzad. Die Verurteilten saßen während ihres Verfahrens vor einem irakischen Sondertribunal in US-Haft und waren von US-Soldaten zum Hinrichtungsort gebracht worden.

In Bagdad traf indes eine erste Einheit der zusätzlichen US-Truppen ein, die US-Präsident George W. Bush als Teil seiner Kurskorrektur versprochen hat. Sie sollen den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, der vor allem die Hauptstadt im Griff hat. (al)

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