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Fokus Osteuropa

Kritik an neuem Regierungschef Tschetscheniens

Der neue Premier Ramsan Kadyrow soll Einheiten kontrollieren, die für viele Menschenrechtsverstöße verantwortlich sind. DW-RADIO sprach mit Swetlana Gannuschkina, der Leiterin des Komitees "Bürgerbeteiligung".

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Swetlana Gannuschkina will ihre Arbeit in Tschetschenien fortsetzen

Zum neuen Regierungschef Tschetscheniens wurde Ramsan Kadyrow ernannt. Einen entsprechenden Erlass unterzeichnete der tschetschenische Präsident Alu Alchanow, nachdem die Kandidatur Kadyrows von der Volksversammlung der Republik gebilligt wurde. Der vorherige Premier Sergej Abramow war vor drei Monaten bei einem Verkehrsunfall verunglückt und Ende Februar von seinem Amt zurückgetreten. Die Kandidatur seines Nachfolgers Ramsan Kadyrow wurde von der Präsidentenadministration in Moskau bestätigt.

Ramsan Kadyrow ist der Sohn des ehemaligen tschetschenischen Präsidenten Achmad Kadyrow, der bei einem Anschlag im Mai 2004 getötet wurde. Die Ernennung des neuen Premiers unterstützten viele offizielle Vertreter. Aber Menschenrechtler sind schockiert, so auch Swetlana Gannuschkina vom Komitee "Bürgerbeteiligung".

DW-RADIO/Russisch: Was erwartet Tschetschenien nach der Ernennung Ramsan Kadyrows zum Regierungschef?

Swetlana Gannuschkina: Nichts Gutes. Das ist ein junger Mann, der ohne eine Vorstellung von Wissenschaft Akademiker wurde. Er hat keine Vorstellung davon, was wirklich Heroismus ist, und er wurde zum Helden Russlands erklärt. Er hat gar keine Vorstellung davon, was Verwaltung ist. Er verfügt weder über eine spezielle Ausbildung noch über Erfahrungen in diesem Bereich. Er kennt nur das uneingeschränkte Recht, Willkür auszuüben. Jetzt wird er Regierungschef der Republik. Leider vergessen wir wieder in Russland zunehmend, so wie es einst in der Sowjetunion war, was Professionalität in der Verwaltung ist. Dass Kadyrow nun Premier wird, ist ungeheuerlich.

Sie hatten sich positiv über die Arbeit des derzeitigen Präsidenten Tschetscheniens geäußert. Wird das Tandem Alchanow-Kadyrow funktionieren?

Ich denke, Alchanow wollte für sein Volk etwas Gutes schaffen. Ich fürchte, dass er zum Schluss gekommen ist, dass er nichts machen kann, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich nicht zu widersetzen, und abzuwarten, bis Kadyrow das Präsidentenalter erreicht. Das ist einfach lächerlich.

Hat also die Strategie des Kreml funktioniert, auf die Tschetschenisierung des Konflikts zu setzen, der zu einer inneren Angelegenheit der Republik werden soll?

Natürlich hat sie in Tschetschenien funktioniert, unabhängig von der jetzigen Ernennung Kadyrows. Das ist in Wirklichkeit ein Konflikt, der auf viele Jahre, möglicherweise Jahrzehnte angelegt ist. Es ist nicht nur ein Konflikt zwischen der russischen und tschetschenischen Staatsmacht, es ist auch ein innerer Konflikt in Tschetschenien. Wahrscheinlich hat man darauf auch gesetzt. Natürlich wird sich dieser Konflikt jetzt noch verstärken, weil von Kadyrow uneingeschränkte Macht als Verwaltungsmethode gesehen wird, er kennt keine anderen Verwaltungsmethoden. Er baut bestimmte Beziehungen zwischen ihm nahestehenden Personen auf.

Werden Sie ihre Arbeit in Tschetschenien fortsetzen können?

In Tschetschenien sind wir vorerst noch tätig. Ich denke, dass Alchanow bislang begriffen hat, was wir für Tschetschenen, für die Einwohner Tschetscheniens leisten, dass dies eine nützliche humanitäre Arbeit ist.

Das Gespräch führte Viacheslav Yurin
DW-RADIO/Russisch, 4.3.2006, Fokus Ost-Südost

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