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Fokus Osteuropa

Kritik an Kasachstans AKW-Plänen

Auch nach dem Unglück im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hält die kasachische Regierung an ihrem Plan für ein neues AKW fest. Doch Umfragen zufolge lehnen es 60 Prozent der Kasachen ab.

Ein Kernkraftwerk mit Kühlturm im Sonnenlicht (Foto: AP)

Bis 2020 will Kasachstan ein AKW errichten

Bis zum Jahr 2020 soll in Aktau am Ufer des Kaspischen Meeres ein neues Atomkraftwerk entstehen. Die kasachische Regierung hat sich für den russischen Atomkonzern Rosatom als Bauunternehmer entschieden, der einen Reaktor vom Typ 'VBER-300' liefern soll. Ein entsprechendes Abkommen hatten Rosatom sowie das kasachische Industrieministerium Ende März dieses Jahres in Astana unterzeichnet.

Straßenansicht der kasachischen Stadt Aktau (Foto: DW)

Aktau - zu Sowjetzeiten eine "geschlossene Stadt"

In Aktau war von 1973 bis 1999 bereits ein Atomkraftwerk zur Stromproduktion und Meerwasserentsalzung in Betrieb. Die Stadt entstand Ende der 1950er Jahre ursprünglich unter den Namen Schewtschenko. Sie war wegen ihrer Bedeutung für die Nuklearindustrie in der Sowjetzeit eine "geschlossene Stadt".

Gegner und Befürworter des Projekts

Das geplante AKW hat aber in Kasachstan viele Gegner. Umfragen zufolge wird es von mehr als der Hälfte der Kasachen abgelehnt. "Das Institut für politische Lösungen kommt auf 60 Prozent, so auch die Stiftung Strategia", teilte Pawel Koktyschew von der Grünen-Partei "Ruchanijat" mit. Die Grünen-Partei ist zwar vom kasachischen Staat zugelassen, jedoch nicht im Parlament vertreten. Grünen-Aktivist Serikschan Mambetalin betont, seine Partei lehne die Atomkraft grundsätzlich ab und fordere ein Referendum über das geplante AKW in Kasachstan.

Auch der Leiter des Umweltschutzverbandes "Tabigat", Mels Eleusisow, kritisiert den Plan, das AKW direkt am Kaspischen Meer zu bauen, in einer Region, wo viel Öl gefördert wird. Aus seiner Sicht würde sich aufgrund der räumlichen Nähe zwischen Erdölförderung und Atomstrom-Produktion das Risiko für Umweltkatastrophen erhöhen. Eleusisow vermutet, dass sich die kasachische Führung aus politischen Motiven für den Bau eines Atomkraftwerks entschieden habe. Lobbyisten sei es gelungen, Interessen von Rosatom durchzusetzen.

Ölpumpstation im kasachischen Aktau (Foto: RIA Novosti)

Erdölindustrie in Aktau

Die Befürworter der Atomkraft in Kasachstan betonen hingegen, Atomkraftwerke würden im Gegensatz zu anderen Kraftwerken mehr und billigeren Strom produzieren. Serik Koschachmetow vom kasachischen Institut für Hochtechnologien meint, dass sein Land das AKW brauche. "Es ist für Kasachstan eine Entwicklungsfrage", unterstrich er. Koschachmetow zufolge wäre es unklug, einfach zu ignorieren, dass weltweit mehr als 15 Prozent des Stroms durch Atomkraft erzeugt werde. "In diesem Kontext muss die Antwort der Kasachen Ja lauten", so der Wissenschaftler.

Erinnerungen an Tschernobyl

Unter den Atomkraft-Gegnern in Kasachstan sind auch viele der so genannten Liquidatoren der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Sie wollen nicht, dass sich in ihrer Heimat irgendwann möglicherweise ein Atomunfall ereignet. Sie verweisen auf eine traurige Bilanz: von 32.000 Kasachen, die damals als Liquidatoren an der Beseitigung der Folgen der Havarie in Tschernobyl beteiligt waren, leben heute nur noch 6797. Viele sind an Krebserkrankungen gestorben. Behandelt werden können die Kranken meist nicht, da es in Kasachstan an entsprechenden Fachärzten mangelt. Behandlungen im Ausland können sich die kasachischen Tschernobyl-Opfer nicht leisten, da sie meist ein Leben unter der Armutsgrenze führen.


Autoren: Sarina Kosybajewa / Markian Ostaptschuk

Redaktion: Bernd Johann



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