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Welt

Kritik an Gabun und Äquatorial-Guinea

Am 21. Januar 2012 war Anpfiff für die 28. Afrikameisterschaft: Drei Wochen lang kämpfen 16 afrikanische Teams um den Titel. Die Gastgeberländer allerdings stehen für ihre Missachtung von Menschenrechten in der Kritik.

Bemalte Gabunische Fußballfans bei einem Qualifizierungsspiel für die Afrikameisterschaften (Foto: AP)

Gabunische Fußballfans beim Qualifizierungsspiel für die Afrikameisterschaften

Olympische Spiele im Deutschen Reich 1936, Fußball-Weltmeisterschaft während der argentinischen Militärdiktatur im Jahr 1978, Olympische Sommerspiele in China 2008 - die Liste der Länder ist lang, in denen sportliche Großereignisse stattfanden, obwohl Menschenrechte mit Füßen getreten wurden. 1978 in Argentinien etwa befand sich eine der schlimmsten Folterstätten Lateinamerikas nur wenige Kilometer entfernt vom Ort des Endspiels. In China wurden Demonstrationen während der Olympischen Spiele systematisch unterdrückt.

Nun also Gabun und Äquatorial-Guinea, zwei Länder im Herzen Afrikas, die ebenfalls für ihre autokratischen Regime und ihre Nicht-Achtung von Menschenrechten berüchtigt sind. In Äquatorial-Guinea etwa, einem kleinen Land mit geschätzt 700.000 Einwohnern, regiert Staatschef Teodoro Obiang Nguema seit 1979 mit eiserner Hand. 2009 ließ er sich nach einem umstrittenen Wahlsieg erneut zum Präsidenten ausrufen - angeblich hatte er 95 Prozent der Stimmen erreicht.

Marise Castro, Länderbeauftragte Äquatorial-Guineas bei Amnesty International in London, zeichnet ein düsteres Bild von Obiang Nguemas Herrschaft: "Die Situation der Menschenrechte in Äquatorial-Guinea ist sehr schwierig. Es gab immer schon Unterdrückung, Verhaftung von Oppositionellen, Folter, Haft ohne Prozess, und zwar von Oppositionellen und angeblichen Oppositionellen und deren Familien, unfaire Prozesse, Todesstrafe, die Unterdrückung der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit und natürlich der Pressefreiheit."

Reiches Land, arme Bevölkerung

Teodoro Obiang Nguema (Foto: AP)

Staatschef Teodoro Obiang Nguema regiert Äquatorial-Guinea seit 1979 mit eiserner Hand

Doch selbst, wer nicht vom Regime verfolgt wird, lebt im reichen Äquatorial-Guinea - dem drittgrößten Eröl-Produzenten südlich der Sahara - mehr schlecht als recht. Denn der Präsident und seine Clique geben das Geld aus den Erdöl-Einnahmen lieber für schicke Wohnungen, Luxusautos oder andere Annehmlichkeiten aus als für Menschenrechte wie die auf Bildung und Gesundheit, wie Florent Geel, Afrika-Direktor der Menschenrechtsorganisation FIDH in Paris erläutert. "Dass es der Bevölkerung so schlecht geht, ist vor dem Hintergrund der finanziellen Möglichkeiten dieses kleinen afrikanischen Emirats völlig surrealistisch", sagt er.

Die Situation in Gabun, dem Nachbarland, schätzt Geel indes etwas positiver ein. Das mit 1,5 Millionen Einwohnern ebenfalls eher kleine Land wird seit 2009 von Ali Bongo regiert, dem Sohn und Quasi-"Thronfolger" des verstorbenen Omar Bongo. Vater Bongo hatte knapp 42 Jahre autoritär über das Land gleich neben Kamerun geherrscht. Wer nicht seiner Meinung war, wurde bestochen oder bekämpft. Für Geel der Grund, warum die Zivilgesellschaft bis heute wenig Einfluss hat: "Oppositionelle oder Menschenrechtsorganisationen, die der Verführung eines Regierungspostens nicht erlagen, wurden unterdrückt." Eine echte Zivilgesellschaft entwickele sich daher erst seit wenigen Jahren.

Empörung über die Vergabe der Meisterschaft

Präsidentschaftswahlen 2009 in Gabun (Foto: AP)

Präsidentschaftswahlen 2009 in Gabun

Einer der Kämpfer für die Zivilgesellschaft in Gabun ist Marc Ona. Er engagiert sich seit Jahren für mehr Transparenz bei den Einnahmen aus der Rohstoff-Produktion. Die Millionen-Ausgaben seines Landes für den Bau und Ausbau von Stadien für den Afrika-Cup empören ihn. Schließlich gingen sie auf Kosten der notleidenden Bevölkerung. Für Marc Ona steht fest, dass die Fußball-Meisterschaft deshalb und wegen diverser Menschenrechtsverletzungen nicht in Gabun hätte stattfinden dürfen.

Gerade in dieser Woche zeige sich bei Studentenprotesten wieder, dass sein Land wenig demokratisch sei: "Während sie hier die Meisterschaft willkommen heißen, protestieren Studenten, und ihre Demonstrationen werden von der Polizei niedergeschlagen. Die Universität ist abgeriegelt, weil die Studenten bessere Studienbedingungen und die Zahlung ihrer staatlichen Stipendien fordern, die seit sechs Monaten aussteht." Stattdessen habe der gabunische Staat hunderte Millionen Euro ausgegeben für die Organisation des Cups. "Und das, obwohl es zum Beispiel in vielen Vierteln der Hauptstadt nicht einmal genug Wasser gibt", schimpft Ona. In der Stadt würden bei militärischen Ausschreitungen Menschen verhaftet oder getötet. "Sollte gute Regierungsführung nicht eines der Kriterien sein für die Vergabe eines internationalen Wettkampfes?", fragt er.

Brief an die Veranstalter - bislang ohne Reaktion

Ali Bongo (Foto: AP)

Unter Ali Bongo werden weiterhin Menschenrechte verletzt

Bereits im Mai 2011 hatten Ona und andere Mitkämpfer aus der Zivilgesellschaft ihrem Unmut Luft gemacht und an die Organisatoren des Afrika-Cups geschrieben, an die FIFA und den afrikanischen Fußballverband CAF. Sie wollten sie auf die Missstände im Land aufmerksam machen und appellierten: Die Verbände sollten ihre Entscheidung für die Austragung der Meisterschaft in Gabun und Äquatorial-Guinea noch einmal überdenken. Am Samstag startet trotz dieses Appells nun der Wettkampf. Eine Reaktion auf ihren Brief aber haben Ona und seine Mitstreiter bis dato nicht bekommen - weder von der FIFA noch von der CAF.

Autorin: Dirke Köpp
Redaktion: Lina Hoffmann