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Wirtschaft

Kritik an deutschen Aufsichtsräten

Die Aufsichtsräte großer Konzerne sind wichtige Gremien, weil sie die gesunde Entwicklung der Unternehmen kontrollieren sollen. Einer Studie zufolge sitzen in vielen dieser Räte dieselben Männer - ein Anlass für Kritik.

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Bestbezahlter Aufsichtsrat Deutschlands: Ex-VW-Chef Ferdinand Piech

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat untersucht, wer die 45 einflussreichsten Männer in den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen sind. Sie analysierte dazu die Zusammensetzung der Aufsichtsräte der 30 Firmen, die im deutschen Aktienindex DAX verzeichnet sind. Die DSW ist der führende deutsche Verband für Privatanleger und vertritt auf etwa 1000 Hauptversammlungen pro Jahr die Interessen von etwa 25.000 Aktionären gegenüber den Vorständen der Unternehmen.

Schneider an der Spitze

Die Spitzenposition mit sieben Aufsichtsratsposten hält der ehemalige Bayer-Vorstand Manfred Schneider. In den Aufsichtsräten von Linde und Bayer führt er den Vorsitz. Außerdem sitzt Schneider bei fünf weiteren DAX-Unternehmen in dem wichtigen Kontrollgremium - unter anderem bei der Allianz und bei DaimlerChrysler. Nur knapp dahinter liegt Karl-Hermann Baumann, der dem Siemens-Aufsichtsrat vorsitzt. In fünf weiteren ist er Mitglied.

Die Geschäftsführerin der DSW, Jella Benner-Heinacher, weist darauf hin, dass Schneider und Baumann zusammen mit Ulrich Hartmann in den Aufsichtsräten von immerhin 15 der 30 DAX-Gesellschaften sitzen. Bei fünf der Unternehmen stellten sie den Vorsitzenden. In den restlichen zehn seien sie zumindest in den wichtigen Ausschüssen vertreten. "22 der größten deutschen Aktiengesellschaften werden von den ersten zehn der Rangliste mitkontrolliert", so Benner-Heinacher.

Männer-Domäne

An dieser enormen Häufung von Aufsichtsrats-Mandaten hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz allerdings nichts zu kritisieren. Der Einfluss dieser Top-Manager sei zwar groß, verteile sich aber in den Aufsichtsräten jeweils auf mehrere Mitglieder. Interessanterweise ergab die Studie auch, dass die Aufsichtsräte fast ausschließlich in der Hand von Männern sind. Die einzigen beiden Frauen auf der Liste landeten weit abgeschlagen auf Platz 28 und 35. Sie sitzen in nur zwei beziehungsweise drei Kontrollgremien.

Auch in anderer Hinsicht könnte die Zusammensetzung der Aufsichtsräte vielfältiger sein, meint DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker. Er wünscht sich mehr Manager in den Aufsichtsräten, die nicht aus den Firmen selbst kommen. Außenstehende haben laut Hocker einen besseren Blick für die Stärken und Schwächen der Firma.

Wenig international

Außerdem gibt es zu viele Deutsche in den Aufsichtsräten, meint Hocker. "Wir wünschten uns mehrere internationale Kandidaten, gerade bei Unternehmen, die global tätig sind. Wir wünschen uns natürlich auch internationale Vertretung nicht nur auf der Kapitalseite, sondern auch auf der Arbeitnehmer-Seite."

Und noch etwas finden die Aktionärsvertreter problematisch: Den direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat. Das geschieht häufig, zum Beispiel im Fall von Manfred Schneider - dem Manager mit den meisten Aufsichtsratsposten. Er war früher Vorstandschef der Bayer AG, heute leitet er den Aufsichtsrat. Dabei besteht die Gefahr, dass neue Vorstandsvorsitzende Fehler ihrer Vorgänger schwierig korrigieren können, weil diese nun die Fäden im Aufsichtsrat ziehen.

Spitzen-Honorare

Die Studie der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz beschäftigt sich auch mit dem Geld, das die Aufsichtsräte für ihre Tätigkeit bekommen. Oft sind dies hohe Summen. Das findet Hauptgeschäftsführer Hocker grundsätzlich in Ordnung. Die Tagessätze für Aufsichtsräte orientierten sich oftmals an denen von Wirtschaftsanwälten oder Unternehmensberatern. Diese verdienen bis zu 10.000 Euro am Tag. Beispielsweise bekommt Volkswagen-Aufsichtsrat Ferdinand Piëch rund 305.000 Euro im Jahr. In Zeiten, in denen viele Firmen immer geringere oder gar keine Dividenden mehr auszahlen, empört das natürlich viele Aktionäre.

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