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Politik

Kritik an der eigenen Führung

Es rumort in Russlands politischer Klasse. Warum der neue Abrüstungsvertrag, den die Präsidenten Putin und Bush unterzeichnen wollen, nur auf wenig Gegenliebe stößt, erläutert DW-Korrespondent Christian Trippe.

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Erstschlagskapazität, Vorwarnzeit, multiple Sprengköpfe, Verifikation, Dislozierung. Wer erinnert sich noch an diese Schreckensvokabeln, diese Begriffe aus den 70er und 80er Jahren, die das Tauziehen um die nukleare Abrüstung zwischen den Supermächten USA und UdSSR benannten? "Start I und II" hießen die Vertragswerke. Sie waren viele hundert Seiten dick und bestimmten zwei Jahrzehnte lang das Gespräch über internationale Sicherheitspolitik. Und nun? Ein dünnes Papierchen wollen Wladimir Putin und George W. Bush unterschreiben diesen Freitag in Moskau, gerade mal drei Seiten, in denen es nur heißt: Ja, wir reduzieren unsere atomaren Sprengköpfe, jeder um gut zwei Drittel. Kein Wort zum Thema Überprüfbarkeit, rechtlich nicht bindend das Ganze. Am liebsten hätten es die Amerikaner bei einer politischen Absichtserklärung belassen und gar keinen Vertrag aufgesetzt.

Und da setzt die Kritik vieler Russen an: Generäle, Politiker, Wissenschaftler sprechen vom Ausverkauf, sie beklagen, dass die USA zugleich einen nationalen Raketenabwehrschirm aufbauen und ihre übrigen Arsenale auf Vordermann bringen wollen. Russland aber kann da nicht mehr mithalten. Es wird also keinen neuen Rüstungswettlauf zwischen Moskau und Washington geben. Das dürftige neue Abkommen zeigt eben auch, wie unwichtig den USA die Sache im Prinzip ist, dass Russland eben nicht mehr als ebenbürtig angesehen wird. Das verletzt viele national gesinnte Russen. Ihre Enttäuschung entlädt sich in Kritik an der eigenen Führung: Putin habe sich zu sehr auf den Westen eingelassen, es sei ein Fehler gewesen, nach dem 11. September in die US-geführte Anti-Terror-Allianz einzutreten. Und so wird in Moskau nicht gerade von Fanfarenstössen begleitet, was noch vor ein paar Jahren als Sensation gefeiert worden wäre: die Abrüstung von mehreren tausend Atomwaffen.