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Deutschlehrer-Info

Kritik am Unwort des Jahres

Mit der Wahl zum „Unwort des Jahres“ soll ein sensiblerer Umgang mit der deutschen Sprache gefördert werden. Für 2012 fiel die Entscheidung der Jury nun auf „Opfer-Abo“ – eine Wahl, die auch auf Kritik stößt.

Erfunden hat es der bekannte Moderator und Meteorologe Jörg Kachelmann: das Wort „Opfer-Abo“, das jetzt zum Unwort des Jahres 2012 gewählt wurde. Im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen, von denen er 2011 vor Gericht freigesprochen wurde, sagte Kachelmann dem deutschen Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Oktober 2012: „Das ist das Opfer-Abo, das Frauen haben. Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden.“

Die Jury der sprachkritischen Aktion „Unwort des Jahres“ wertete das Wort als Verstoß gegen die Menschenwürde der tatsächlichen Opfer und sagte: „Das Wort ‚Opfer-Abo' stellt Frauen pauschal und in inakzeptabler Weise unter den Verdacht, sexuelle Gewalt zu erfinden.“ Zugleich betonte die Jury aber, dass sie sich mit dieser Wahl kein Urteil über den konkreten Fall Kachelmann erlauben will.

Während Vertreterinnen der Frauenbewegung wie Alice Schwarzer die Entscheidung begrüßten, hielten viele Kommentatoren deutscher Tageszeitungen das Wort für die falsche Wahl. Im Gegensatz zu den zweit- und drittplatzierten Wörtern „Pleite-Griechen“ und „Lebensleistungsrente“ – einer Bezeichnung für eine minimale Zusatzrente für diejenigen Rentner, die lange gearbeitet haben und nun von Altersarmut bedroht sind – ist „Opfer-Abo“ kaum verbreitet. Die Kritiker bemängeln, dass die Jury ein Wort, das bislang nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist, aus der Vergessenheit hole. Sie bewirke dadurch, dass „Opfer-Abo“ allgemein bekannt würde und sich so erst in der Öffentlichkeit etablieren könne.