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Nahost

Krisenstab wertet Geisel-Video aus

Hoffnung und Sorge gleichermaßen hat das neue Video der beiden im Irak entführten Ingenieure Bräunlich und Nitzschke ausgelöst. Zwar lässt das Band hoffen, dass die Geiseln noch leben, aber sie wirken sehr erschöpft.

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René Bräunlich (links) und Thomas Nitzschke in dem neuen Video

"Diesmal kann man sehen, dass sie Angst haben", sagte die Mutter von René Bräunlich. Dabei sei sie sehr erleichtert, dass die beiden Geiseln noch am Leben seien. Nach dem verzweifelten Hilferuf der beiden im Irak entführten Deutschen René Bräunlich und Thomas Nitzschke sucht die Bundesregierung weiter intensiv nach einer Lösung des Geiseldramas. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes will an diesem Montagmorgen (10.4.2006) das am Sonntag aufgetauchte Video der beiden Männer aus Sachsen ausgewertet und entsprechende Schlussfolgerungen gezogen haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag versichert, dass "wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das Leben der Geiseln zu retten und die Geiseln wieder frei in Deutschland zu haben."

"Wir halten es nicht mehr länger aus"

Die mittlerweile vierte Video-Botschaft der vor gut zweieinhalb Monaten entführten Ingenieure war auf einer islamistischen Internetseite verbreitet worden. Dort sagte Nitzschke in einer etwa zehn Sekunden dauernden Botschaft: "Wir sind jetzt seit über 60 Tagen hier gefangen. Wir sind am Ende unserer Nerven. Bitte helfen Sie uns. Wir halten es nicht mehr länger aus. Bitte helfen Sie uns." Die Aufnahme stammt offenbar vom 28. März und war am Sonntag von der Nachrichtenagentur AP entdeckt worden.

"Letztes Ultimatum"

Dem Auswärtigen Amt liegt nach ZDF-Informationen ein längeres Video vor als jenes, das im Internet zu sehen ist. Die Entführer drohen darin in einem "letzten Ultimatum", die beiden Deutschen zu töten. Die Forderung der Geiselnehmer: Alle irakischen Gefangenen der US-Streitkräfte sollen frei gelassen werden. Außerdem soll Berlin die Zusammenarbeit mit den US- und den irakischen Behörden einstellen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte dies am Abend nicht bestätigen. Sie sagte nur, das Video werde derzeit ausgewertet. Das 24 Sekunden lange Video zeigt Bräunlich (32) und Nitzschke (28) vor einer schwarzen Schrifttafel auf der in Arabischer Schrift steht: "Im Namen Gottes des Barmherzigen Bataillon der Unterstützer des Tawhid und der Sunna." Die Geiseln tragen einen Vollbart.

Zuletzt hatte es am 13. Februar ein Lebenszeichen der beiden Ingenieure gegeben. In einem Video hatten die Entführer damals mit der Ermordung ihrer Geiseln gedroht. Es war von einer "letzten Warnung" die Rede. Zuvor hatten die Geiselnehmer in einem zweiten Video am 31. Januar ein 72-stündiges Ultimatum gestellt. Sie forderten die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak und die Einstellung jeglicher Zusammenarbeit der Bundesregierung mit den irakischen Behörden. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes hatte damals keinen Kontakt zu den Entführern.

Appelle an die Geiselnehmer

Schicksal der Geiseln Rene Bräunlich und Thomas Nitzschke im Irak unklar - Polizisten am Fabrikstor

Hier in Baidschi wurden die beiden Deutschen entführt

Bräunlich und Nitzschke sollten sich für die sächsischen Firma Cryotec nur wenige Tage im Irak aufhalten, um eine Industrieanlage zu übergeben. Neben den Müttern der beiden Entführten hatten Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der EU-Außenbeauftragte Javier Solana sowie der ehemalige irakische Fußball-Nationaltrainer Bernd Stange Appelle an die Entführer gerichtet, in denen sie die Freilassung der beiden Männer forderten.

Die Leipziger waren am 24. Januar in der nordirakischen Region um die Stadt Baidschi von Bewaffneten entführt worden. Angehörige, Freunde und Kollegen wollen an diesem Montag in der Leipziger Nikolaikirche bei einem Friedensgebet mit besonderem Nachdruck für die Freilassung der beiden einsetzen. Danach ist die 21. Mahnwache geplant. (chr)

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