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Europa

Krisengipfel guckt Fußball - irgendwie

Der Europa-Gipfel in Brüssel hatte noch gar nicht begonnen, da war schon längst klar, welches Thema neben Eurobonds und Fiskalunion heute auf jeden Fall auf der Tagesordnung stehen würde: Fußball.

Ein riesiger Pulk von Journalisten. Die Mittagssonne brennt, das Gedränge ist groß – jeder möchte hier den besten Blick auf das Geschehen erhaschen. Im Minutentakt fahren schwere Limousinen vor. Nach und nach treten die Staats- und Regierungschefs Europas vor die Kameras.

Als der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy an der Reihe ist, kommt eine spanische Journalistin auf die an diesem Tag alles entscheidende Frage zu sprechen: Wie wird das Halbfinal-Spiel Italien gegen Deutschland bei der UEFA Euro 2012 ausgehen?

Photo: Marcus Brandt dpa (Please refer to chapters 7 and 8 of http://dpaq.de/Ziovh for UEFA Euro 2012 Terms & Conditions)

Wie beim Sieg über Griechenland im Stadion wird sich Angela Merkel im Sitzungssaal in Brüssel nicht freuen können - oder doch?

Da muss Rajoy sogar kurz lächeln. Einen Sieger für das Spiel könne er nicht nennen. "Alles ist offen", sagt der spanische Ministerpräsident bestimmt und wendet sich ab.

Im Pressecenter des Europäischen Ratsgebäudes: Unter dem ordentlichen Sakko und dem weißen Hemd blitzt bei einem italienischen Journalisten ein blaues Fußballtrikot durch. Sehnsüchtig blickt der Italiener auf die riesigen Bildschirme, die das Geschehen des Gipfels dokumentieren. Große Politik wird hier gezeigt – ja! Aber großer Fußball?

Würstchen und Senf für das Finale

Auf dem Bild: Frau mit Deutschlandtrikot im Atrium des Europäischen Rats, Brüssel (Foto: DW/P.Barth)

Zur Not auf dem Computerbildschirm: Fußballgucken im Gipfelstress

Die Europameisterschaft darf offiziell nur ein Nebenschauplatz bleiben. Schließlich geht es bei dem Gipfel um einen Fahrplan, Europa aus der Krise zu verhelfen. Der Bundeskanzlerin Angela Merkel bliebe bei der Themendichte nur wenig Zeit, das Deutschland-Spiel am Abend zu verfolgen, hieß es noch am Vortag des EU-Gipfels aus Kreisen der Regierung.

Unter den Gipfel-Teilnehmern ist die deutsche Kanzlerin als Fußball-Fan bekannt. So sehr, dass der polnische Ministerpräsident Donald Tusk Merkels Fußball-Liebe vor Journalisten sogar zu einem Witz zusammengefasst haben soll: Wenn Angela Merkel vor lauter Aufregung über den aktuellen Spielstand den Besprechungsraum verlässt, wäre das die ideale Gelegenheit, um schnell über Eurobonds abzustimmen. Die lehnt die Kanzlerin bekanntlich ebenso ab wie italienische Tore.

Wenn man den Gerüchten aus dem Ratsgebäude Glauben schenkt, wird Merkel jedoch gar keinen Grund haben, den Sitzungssaal für ein wenig Fußballeuphorie verlassen zu müssen. Ein Techniker soll bereits dagewesen sein, um ein Fernsehkabel direkt in den Sitzungssaal des Europäischen Rats zu verlegen. Für alle Fälle hält der finnische Ministerpräsident, der direkt neben Fußballfan Merkel sitzt, seinen Tablet-Computer zum Empfang bereit. Beim gemeinsamen Fußball-Abendessen mit den Staats- und Regierungschefs soll es dann Würstchen und Senf geben. Den italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti interessiert das alles nicht so sehr, er ist angeblich privat kein leidenschaftlicher Fußballanhänger.