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Kultur

Krisen, Katastrophen und Klischees

Kriegerische Auseinandersetzungen, Hungersnöte und Aids-Kranke. Für viele Menschen in Deutschland sind das die Bilder, die sie mit Afrika verbinden. Sind die Medien schuld am Negativ-Image Afrikas?

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Das Afrikabild in Deutschland ist katastrophal. Da werden Klischees unbedacht geäußert und geschrieben. Kritik wie diese war auf dem Medienkongress des "All Afrika Forum", der am Wochenende (8. bis 9.2.2003) in Köln stattfand, häufig zu hören. Das alltägliche Leben der Menschen in den 53 afrikanischen Ländern jenseits von Konflikten und Tod können viele Deutsche sich überhaupt nicht vorstellen. Wie beeinflussen die Medien die Wahrnehmung von Afrikanerinnen und Afrikanern in Deutschland? Diese und viele weitere Fragen wurden auf dem Medienkongress diskutiert.

Zu wenig afrikanische Stimmen in den Medien

Einseitig, verzerrt und pessimistisch. So empfinden viele der Tagungsteilnehmer die Afrika-Berichterstattung in den deutschen Medien. Dass viele afrikanische Länder von wirtschaftlichen, politischen und humanitären Krisen betroffen sind, steht außer Frage. Viele Menschen in Deutschland wissen aber sehr wenig über Afrika, meint der Germanist Yomb May. Diese Wissenslücken seien zumindest teilweise auf die Afrika-Berichterstattung in den Medien zurückzuführen, die sich vorwiegend auf Katastrophen konzentriere.

Das negative Image Afrikas übertrage sich dann auch auf die in Deutschland lebenden Afrikanerinnen und Afrikaner, so Yomb May. Sie selber würden in den deutschen Medien viel zu selten zu Wort kommen. Der Geisteswissenschaftler Yomb May bringt es auf den Punkt: "Solange es nur eine Perspektive gibt, nur einen einzigen Standpunkt, von dem aus das Geschehen in Afrika geschildert wird, lässt sich nicht vermeiden, dass solche Klischees bewusst oder unbewusst weiter vermittelt werden."

Wurzeln in der Geschichte

Sicher sind die Medien nicht an allem Schuld. Das heute vorherrschende Bild von Afrika und den Afrikanern wurde bereits in der Epoche der Aufklärung entscheidend geprägt, erklärt Yomb May. Schon der Philosoph Immanuel Kant schrieb über die Afrikaner, sie seien wie Kinder – unfähig sich selbst zu führen. Diese Aussage liegt über 200 Jahre zurück. Aber die Darstellung von Afrikanern in den heutigen Medien scheint sich häufig nicht sehr weit davon zu entfernen, meint Amina Krüger von der Organisation Medien und Bildung interkulturell: "Sowohl in Unterhaltungsprogrammen als auch im Nachrichtenbereich sind Menschen afrikanischer Herkunft wenig vertreten sind. Und wenn, dann sehr oft immer noch in der Opferrolle, als Kriminelle, oder als Leute, die exotisch wirken sollen."

Es wird Zeit, dass Menschen afrikanischer Herkunft, die in Deutschland leben und in den verschiedensten Berufen arbeiten, stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft gerückt werden, fordert Amina Krüger. Sie müssen als Nachbarn wahrgenommen werden und nicht als Fremde, oder Kriminelle. Und dazu könnten die Medien einen entscheidenden Beitrag leisten.