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Vor dem 12. Spieltag

Kriselnde Bayern empfangen Leverkusen

Die Tabellenführung verloren, in der Champions League nur Zweiter - es läuft nicht beim FC Bayern. Der Ton wird rauer und auch Trainer Carlo Ancelotti gerät vor dem 12. Spieltag der Bundesliga langsam in den Fokus.

Beim Rekordmeister herrscht eine Stimmung zwischen Ratlosigkeit und Gereiztheit. Die Haut der Verantwortlichen des FC Bayern München ist nach dem Verlust der Tabellenführung und den beiden Auswärtsniederlagen bei Borussia Dortmund (0:1) und dem FK Rostow (2:3) spürbar dünner geworden. Der Begriff "Krise" macht die Runde, ausgerechnet jetzt, wo am Samstagabend mit Bayer 04 Leverkusen der nächste unangenehme Gegner nach München kommt (18:30 Uhr MEZ). "Ich bin richtig enttäuscht von dem Ergebnis und von unserem Auftritt. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür", sagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti nach dem schwachen Spiel in der Champions League in Rostow. "Wir müssen sofort an unserer Einstellung arbeiten. Ich muss jetzt gar nicht viel reden, denn jeder steht in der Verantwortung in diesem Moment."

Stattdessen redete sein Kapitän Philipp Lahm, und das, was er sagte, konnte man zwischen den Zeilen sogar als leichte Kritik am Trainer verstehen: "Aktuell sind wir ein bisschen sorglos. Wir wissen nicht, dass der Gegner auch Tore machen kann und dass Fehler bestraft werden. Wir machen zu viele. Das gilt es zu analysieren, und das müssen wir so schnell wie möglich abstellen", sagte ein sichtlich saurer Lahm und erteilte der Krisen-Diskussion auch gleich eine Absage, wenn auch nur eine schwache: "Krise ist zu viel gesagt", so Lahm.

Rummenigge watscht Boateng ab

Dennoch läuft es bei den Bayern deutlich sichtbar nicht mehr so rund wie noch unter Pep Guardiola. Gerüchteweise ist dessen Nachfolger Ancelotti dort zu lasch, wo Pedant Guardiola fast schon zu detailversessen war. In dieser Woche drangen Stimmen aus dem Umfeld des FC Bayern nach außen, die den Spielern fehlende Fitness zur Last legten. Lässt Ancelotti zu nachlässig trainieren? Ist seine Politik der langen Leine der Grund für die schwachen Leistungen der Mannschaft? Brauchen die Spieler klare Ansagen wie von Guardiola, um den Fokus über 90 Minuten halten zu können?

Fußball Champions League FK Rostow - FC Bayern München (picture-alliance/dpa/A. Vilf)

Jerome Boateng stand gegen Rostow nicht immer sicher

Offene Kritik an Ancelotti gibt es von Vereinsseite bislang noch nicht. "Ich habe gar nichts gesagt. Das ist die Aufgabe des Trainers", sagte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge nach der Pleite in Rostow, die gleichzeitig ein Verpassen des Gruppensieges in der Vorrunde der Champions League bedeutete. "Es nutzt nichts, da heute groß Zirkus zu machen. Die Mannschaft weiß, dass sie es nicht gut gemacht hat. Wir müssen es in den nächsten Spielen und speziell am Samstag gegen Leverkusen besser machen. Man kann nur hoffen, dass das der Fall ist."

Stattdessen knöpfte sich Rummenigge seine Abwehr vor und pickte besonders Jerome Boateng als Schuldigen heraus. Er kritisierte dessen Lebensstil und professionelle Einstellung: "Ich glaube, dass Jerome wieder ein bisschen zur Ruhe kommen muss. Seit dem letzten Sommer ist mir das ein bisschen zu viel", sagte Rummenigge und empfahl. "Es wäre im Sinne von ihm und vom ganzen Klub, wenn er da ein bisschen wieder back to earth runterkommt." Harte Worte des Chefs, die ein wenig an Uli Hoeneß erinnern, der in der Vergangenheit oft das Wort ergriff, wenn es nicht lief und beispielsweise den jungen Bastian Schweinsteiger wegen dessen wechselnden Haarfarben öffentlich kritisierte. Diese Rolle als vereinsinterner Mahner wird Hoeneß nach seiner Wiederwahl als Präsident am Freitagabend wohl umgehend wieder einnehmen.

Leverkusen nur Mittelmaß, Hoffen auf Chicharito

Doch Krise hin oder her - sportlich sind die Rollen zwischen Bayern und Bayer klar verteilt. Der FC Bayern geht als Favorit in die Partie. Denn auch Gegner Bayer Leverkusen spielt bislang keine brillante Saison. Zu wenig konstant agiert die Werkself, die in der Bundesliga von elf Spielen schon fünf verloren hat und dabei erst zweimal ohne Gegentor blieb. Das schnelle und extrem auf frühe Ballgewinne ausgerichtete Spiel von Trainer Roger Schmidt wird dabei zwar phasenweise immer wieder sehr gut umgesetzt, hat aber - mit Ausnahme des 2:0-Erfolgs gegen Borussia Dortmund - nie über 90 Minuten funktioniert.

Fußball Bundesliga 28. Spieltag Bayer Leverkusen gegen VfL Wolfsburg (Getty Images/Bongarts/M. Volkmann)

Wann trifft er wieder? Chicharito hat fünf Saisontore auf dem Konto, doch der letzt Erfolg ist lange her

Für ein Erfolgserlebnis aus Leverkusener Sicht soll in München endlich wieder Javier "Chicharito" Hernandez sorgen. Der mexikanische Torjäger hat derzeit Ladehemmung und wartet seit 676 Pflichtspiel-Minuten auf einen Treffer.

Dass es bei Bayer hinten nicht immer klappt und vorne Chicharitos Tore fehlen, macht sich auch in der Tabelle bemerkbar: Die Werkself stellt als Neunter mit fünf Siegen, einem Remis und fünf Niederlagen bei 18:18 Toren derzeit absolutes Mittelmaß dar. Verliert Bayer gegen den FC Bayern, droht sogar der Absturz in die untere Tabellenhälfte. 

Leipzig marschiert 

Die Tabellenführung werden die Bayern auch mit einem Sieg nicht zurückerobern: Bereits am Freitagabend unterlag der SC Freiburg dem Tabellenführer RB Leipzig mit 1:4 (1:3). RB behält damit die Spitzenposition. Am Sonntag schließen die Partien FC Schalke gegen Darmstadt 98 (15:30 Uhr) und Hertha BSC gegen FSV Mainz (17:30 Uhr) den 12. Spieltag ab.

Alle Partien der Fußball-Bundesliga können Sie im DW-Liveticker und via Twitter bei dw_sport mitverfolgen.

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