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Aktuell Afrika

Krise nach Putsch in Mali spitzt sich zu

Rund eineinhalb Wochen nach dem Putsch in Mali spitzt sich die Lage in dem Land weiter zu. Islamisten hissen ihre Fahne im eroberten Timbuktu. Die ECOWAS-Staaten beraten über Sanktionen.

Die Staats- und Regierungschefs der Länder der Westafrikanischen Wirtschafsgemeinschaft ECOWAS kamen nach der Vereidigung des neuen Präsidenten des Senegals, Macky Sall, in Dakar zu einem Gipfeltreffen über die Krise in Mali zusammen.

Ultimatum der ECOWAS

Ende vergangener Woche hatten die ECOWAS-Länder den Putschisten in Mali ein Ultimatum gestellt: Wenn sie die verfassungsmäßige Ordnung in ihrem Land nicht innerhalb von 72 Stunden wiederherstellten, müssten sie mit scharfen Sanktionen rechnen. Putschistenführer Amadou Sanogo erklärte daraufhin am Sonntag, die Verfassung sei wieder in Kraft gesetzt und alle staatlichen Institutionen für wiederhergestellt. Außerdem versprach er, die Macht an eine Zivilregierung abzugeben und Neuwahlen zu organisieren - ohne dafür allerdings einen Zeitpunkt zu nennen.

Meuternde Soldaten unter Führung Sanogos hatten am 22. März die Regierung von Präsident Amadou Toumani Touré gestürzt und die Macht an sich gerissen. Die Putschisten warfen Touré unter anderem Versagen bei der Bekämpfung der Tuareg-Rebellen im Nordosten Malis vor. Die Nomaden kämpfen seit Jahren für die Unabhängigkeit ihrer Region Azawad.

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Mali: Rebellen nehmen Timbuktu ein

Am Sonntag gelang den Rebellen ein spektakulärer Erfolg: Die Einnahme von Timbuktu am Südrand der Sahara. Die Stadt gehört seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im 15. und 16. Jahrhundert war Timbuktu ein Zentrum des Karawanen-Handels durch die Sahara und der Wissenschaften.

Timbuktu war die letzte Stadt im Nordosten Malis, die noch von der Armee gehalten worden war. Für die Eroberung der 50.000-Einwohner-Stadt scheinen die Tuareag-Rebellen der "Bewegung für die Befreiung des Azawad" (MNLA) sich mit den Kämpfern der Islamisten-Organisation "Ansar Dine" verbündet zu haben. Aus malischen Militärkreisen hieß es, die Islamisten seien in die historische Wüstenstadt gefahren und hätten dort ihre Flagge gehisst. Die "Ansar Dine"-Gruppe ist für ihre Nähe zum Terrornetzwerk Al-Kaida bekannt. Sie gehört zu "Al-Kaida im Maghreb", einem Zusammenschluss von Islamisten, der schon seit einigen Jahren in der Sahelzone operiert.

Reisewarnungen aus Europa

Angesichts des ausufernden Konfliktes haben Deutschland und mehrere andere europäische Länder ihre Bürger aufgerufen, Mali sofort zu verlassen oder geplante Reisen zu vermeiden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen in Mali und eine schnellstmögliche Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung. "Der Putsch von Angehörigen der Armee und die kriegerischen Handlungen durch Tuareg- und islamistische Gruppen untergraben nicht nur jegliche legitime staatliche Autorität, sondern sind eine Bedrohung für die Stabilität der gesamten Sahel-Region in Westafrika", erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Westerwelle unterstütze im Namen der Bundesregierung die Bemühungen der ECOWAS, die Situation notfalls auch durch scharfe Sanktionen zu lösen.

wl/fab (afp,dpa,epd,dapd)

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