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Wirtschaft

Krise mit Verspätung

Es ist Sommer in Deutschland und die Baubranche hat Arbeit. Noch. Zwar sieht es in den nächsten Monaten nicht schlecht aus. Doch langfristig ist der Ausblick trüb. Die Branche befürchtet weitere Krisenjahre.

Baggerschaufel (Foto: Bilderbox)

Die Baubranche befürchtet einen erneuten Umsatzeinbruch

Wenn gehämmert, gebohrt und gebaggert wird, dann heißt das für Thomas Hußmann: für seinen kleinen Baubetrieb in Bonn gibt es wieder Aufträge. Die wirtschaftliche Flaute im Krisenjahr 2009 hat der Unternehmer voll mitbekommen. Er musste Kurzarbeit anmelden. Der harte und lange Winter in Deutschland hat die Arbeit dann noch zusätzlich hinausgezögert. "Ich habe mich im April entschieden, dass zwei Leute trotz neuer Auftragseingänge wieder gehen mussten", sagt Hußmann. Das seien Auswirkungen der Finanzkrise. Hinzu gekommen sei, dass einige Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlten: "Das war auch im letzten Jahr völlig extrem und wirkt sich auch dieses Jahr noch aus."

Trüber Ausblick ins nächste Jahr

Bauarbeiter auf einer Baustelle in Bonn (Foto: DW)

Maurerarbeiten sind gefragt - aber wie sieht es im Herbst aus?

Seit ein, zwei Monaten laufe der Betrieb wieder etwas besser, sagt Hußmann. Aber positiv schaut der Bonner Unternehmer nicht in die Zukunft. Auch nicht der Zentralverband des Baugewerbes (ZDB). Die aktuelle Situation, so die Sprecherin des Verbandes, Ilona Klein, könne zwar als positiv bezeichnet werden. Vor allem die Aufträge aus dem staatlichen Konjunkturprogramm würden noch abgearbeitet. Das verbessere die Lage kurzfristig, räumt Klein ein. Schon im kommenden Jahr aber fehlten der Branche die Gelder aus den auslaufenden Staatshilfen: "Da gibt es nur wenige Projekte, die wahrscheinlich 2011 noch abgearbeitet werden", sagt Klein. "Der Wirtschaftsbau wird sich nicht so stabilisieren, dass er dies ausgleichen könnte, und auch der Wohnungsbau wird eher auf dem Niveau verharren, so dass wir unterm Strich davon ausgehen, dass die Krise die Bauwirtschaft 2012 einholt."

Und das würde sich dann wieder auf die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe auswirken. Derzeit sind es rund 700.000 Menschen, die in Deutschland in der Branche tätig sind. Da hat sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum etwas verändert. Ilona Klein: "Wenn wir deutliche Umsatzverluste für die gesamte Branche bekommen, dann wird sich das auch auf die Beschäftigtenzahl niederschlagen."

Eine kurze Verschnaufpause

Ein symbolisches Konjunkturpaket ist geschnürt und wird von einem jungen Mann auf der Schulter getragen (Foto: dpa)

Konjunkturpakete haben die Krise abgefedert

Es ist wohl nur eine kurze Verschnaufpause, die das Baugewerbe in diesem Jahr einlegt. Dank der Konjunkturpakete und öffentlicher Bautätigkeit schafft es die Branche also 2010, den starken Einbruch bei den Aufträgen aus der Wirtschaft abzufedern. Doch vom Konjunkturprogramm profitieren mehr die großen als die kleinen Firmen.

Das bestätigt auch Bauunternehmer Hußmann: "Wir haben jetzt einen Auftrag bekommen an einem Gymnasium, da spielt das Konjunkturpaket eine Rolle", sagt Hußmann. Aber sein Unternehmen sei minimal daran beteiligt, da es um Fassaden-Renovierungen und nicht um Maurerarbeiten gehe.

Der Wettbewerb wird härter

Die Unternehmen stehen darüber hinaus unter einem ungeheuren Wettbewerbsdruck. Immer mehr Firmen aus dem ländlichen Raum drängen in die Städte. Mit Angeboten weit unter Durchschnittspreis kämpfen sie um jeden Auftrag. So sieht es im Kleinen aus.

Im Großen weht noch ein schärferer Wind – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. EU-Länder wie Polen schicken sich an, Bauarbeiter aus Asien – und hier verstärkt aus China - ins Land zu holen. Diese sollen in Polen Autobahnen bauen. Die Staaten erhoffen sich Einsparungen - und günstige Finanzierungen durch China. Ein Alarmzeichen für hiesige Beschäftigte. Mit der EU-Freizügigkeit 2011 könnten polnische Arbeiter ihrerseits nach Deutschland drängen. Zwar gibt es einen Mindestlohn - aber der Druck auf die Tariflöhne würde dann steigen.

Autorin: Monika Lohmüller

Redaktion: Andreas Becker