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Wirtschaft

Krise auf dem Kutter

Krabbenpulen ist mühselig. Das weiß auch die Industrie, die das zarte Fleisch längst verzehrfertig in den Supermarktregalen anbietet. Erfreulich für den Feinschmecker, bedrohlich für die deutschen Nordseekrabbenfischer.

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Niederländische Fischer haben die deutschen ausgebootet

Wenn Knut Bussmann von den schleswig-holsteinischen Krabbenfischern spricht, klingt er besorgt. Denn die gefangenen Mengen der 90 Kutter können kaum noch mit denen der holländischen Fischer konkurrieren. "Die großen holländischen Betriebe können mit 24-Meter-Kuttern rausfahren - zum Vergleich haben wir an der schleswig-holsteinischen Westküste Schiffe mit 15 bis 20 Metern", erklärt Bussmann, der die Krabbenfischer in der Landesvereinigung für Schleswig-Holstein vertritt. "Die holländischen 24-Meter-Schiffe können natürlich auch bei schlechteren Wetterverhältnissen rausfahren und fischen, und die können durch ihre hohe PS-Leistung und die größeren Netze mehr fangen, als wir das können." Die riesigen Fang-Mengen ruinieren die Preise, die die deutschen Fischer bekommen.

Niederlande in der Pul-Position

Die Holländer sind auch in der Vermarktung die Größten: Über 85 Prozent des Marktes für den Krabbenhandel teilen die holländischen Firmen "Heiploeg" und "Klaas Puul" unter sich auf. Nur zwei von einst mehr als zehn Krabbenhändlern an der deutschen Westküste vermarkten die Krebstierchen noch selbstständig. Der Rest wurde von den Giganten übernommen, die nun praktisch die Preise diktieren.

Durch globales Pulen konnten die Holländer ihre Gewinnspanne kräftig erweitern. Sie lassen die Krabben in Marokko schälen. Mehrmals die Woche fährt etwa ein Laster von "Klaas Puul" von Holland nach Tanger in Nordmarokko. Unter strengsten hygienischen Bedingungen pulen dort 2000 Frauen täglich bis zu 45 Tonnen Krabben. Circa 20 Tonnen Fleisch bringt der "Puul"-Laster dann wieder mit, wenn er Richtung Niederlande zurückfährt. Billiger, sauberer und effizienter als in Marokko können die Krabbenpanzer nirgends entfernt werden, sagt Bussmann."Und dann kommt auch noch die Frage der Entlohnung dazu. Die ist in Marokko und zurzeit auch noch in Polen ganz einfach günstiger."

Die Konkurrenz schält mit

Auch die Fischereigenossenschaft Neuharlingersiel schickt ihren Fang auf Reisen. Und zwar über die Konkurrenz aus Holland. Die übernimmt das Schälen und den Transport. "Das funktioniert eigentlich sehr gut", sagt Martin Bengen, Geschäftsführer der Genossenschaft. "In zwei, drei Tagen ist die Ladung gekühlt in Marokko und zwei, drei Tage später ist sie wieder in Holland, beziehungsweise hier bei uns in Deutschland."

Krabbenpulmaschine

Keine echte Alternative zur Handarbeit: Krabbenpulmaschinen

Doch es geht auch ohne Handarbeit: Dank der jahrelang vom niederländischen Ingenieur Ilja van Woensel ausgetüftelten Krabbenpulmaschine lassen sich die Panzertiere direkt an der Nordseeküste schälen. Um unabhängiger von den Holländern zu werden, haben sich viele deutsche Fischer in den 1990er Jahren diese Machinen angeschafft. Sogar einen EU-Zuschuss gab es und die Landesregierung Schleswig-Holstein plante "Pulzentren" wie in Neuharlingersiel.

Pulmaschinen sind nicht sorgfältig genug

Doch inzwischen ist die Euphorie verpufft. Die zarten Tierchen zerbrachen oft und zur Nachlese mussten doch wieder Handarbeiter eingesetzt werden. Martin Bengen sagt: "Es ließ sich einfach kaufmännisch nicht rechnen und somit haben wir es eingestellt." Fast sieht es so aus, als führe kein Weg an den Holländern und der Fingerfertigkeit der Marokkanerinnen vorbei. Denn während sich die lange Reise der "Puul"- und "Heiploeg"-Krabben nicht erschmecken lässt, fragt es sich, ob die zerbrechlichen Leckerbissen jemals effizient mit einer Maschine entschält werden können.

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