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Bücher

Kriminalliteratur aus der Türkei

Die Türkei ist Schwerpunktland der Frankfurter Buchmesse. Und auch wenn man das Land selten zuerst mit Kriminalliteratur in Verbindung bringt. Es gibt sie - Krimis aus der Türkei.

Panorama-Anblick Istanbul (Foto: dpa)

Auch hier gibt es Verbrechen. Und Geschichten darüber

Erster Tag. Es summte unerträglich. Immer wieder schlug meine Hand zu, doch sie zielte schlecht. Ohr, Nase, Mund, unerbittlich griff sie alles an. Ich drehte mich weg, drehte mich wieder zurück. Keine Chance. Mörderisch. Endlich schlug ich die Augen auf und ortete die verdammte Fliege. Dick und schwarz saß sie auf der weißen Decke. Es war der 11. August 1983, mein Geburtstag.

So beginnt "Happy Birthday, Türke", einer der deutsch-türkischen Kriminalroman schlechthin. Mit seinem gebrochenen Helden Kayankaya setzte Autor Jakob Arjouni Maßstäbe, die bis heute nicht wieder erreicht wurden. Gerade durch die Verwendung eines türkisch-stämmigen Helden konnte er Erzählmuster der amerikanischen Literatur glaubwürdig ins Deutsche übertragen.

Zwei Kulturen

Erfolgreich sind deutsch-türkische Kriminalgeschichten noch immer. So zum Beispiel die der in Istanbul und Berlin lebenden Autorin Esmahan Aykol und ihrer Heldin Kati Hirschel. Die Figur Kati Hirschel erfreut sich großer Beliebtheit. Sie ist eine deutsche Buchhändlerin in einer Istanbuler Buchhandlung, die es schafft, zwei Kulturen gegeneinander zu spiegeln und somit auf eine unterhaltsame Art und Weise einem selbst den Spiegel vorzuhalten .


Türkische Krimi-Klassiker


Krimi, so besagt ein lange und weit verbreiteter Irrglaube, spielte zwischen Istanbul und Erzurum nur in Form von Übersetzungen eine Rolle. Tatsächliche gibt es in der türkischen Literatur auf der Basis von Übertragungen aus dem Englischen seit den 1920er Jahren eigene Genre-Erzählansätze. "Ich denke, der Beginn, sich selbst auch so zu verstehen, würde ich mit Ümit Deniz setzen, der 1922 geboren wurde, 1975 gestorben ist – und der den ersten Seriendetektiv der türkischen Kriminalliteratur geschaffen hat", sagt die Autorin und Journalistin Christina Bacher.

"Der bekannteste Kriminalschriftsteller im eigentlichen Sinne ist für mich Cecil Oker, der mit seiner Reihe um Remzi Ünal im Unionsverlag wirklich auch eine große Zielgruppe erreicht und der auch sehr bekannt ist darum, weil er sich auf Podien setzt, zur Buchmesse kommt, der in Deutschland sehr präsent ist – und mit dem man wunderbar diskutieren kann“, erklärt Bacher.

Geheimtipp mit Obduktion

Remzi Ünal ist ein vom Dienst suspendierter, mehr schlecht als recht durchs Leben mäandernder Ex-Pilot, mit dem Cecil Oker das Erzählprinzip des einsamen Ermittlers so klug wie sympathisch auf die Metropole Istanbul überträgt. Genau da lebt und schreibt die Autorin, die Christina Bacher als Geheimtipp nennt: Perihan Magden, hierzulande noch kaum bekannt, in der Türkei berühmt-berüchtigt für ihre spitze Feder, die sich auch in die hohe Politik immer wieder unerschrocken einmischt.


Sie habe einen grandiosen Roman vorgelegt: „Zwei Mädchen.“ sagt Christina Bacher. Zunächst erwecke er den Anschein, es ginge um Pubertät. Doch in erster Linie, erklärt sie, ginge es um Liebe und Hass, und um eine mehrtägige Liaison zweier Frauen, mit recht skrupellosen Szenen und genauen Beschreibungen einer Obduktion eines jungen Mannes.

Krimi und Nobelpreis

Pamuk-Plakat (Foto: AP)

Nobelpreisträger Orhan Pamuk - auch Krimiautor

Eine typische türkische Kriminalliteratur gibt es nicht, sagt Christina Bacher: "Also für mich ist der populärste Krimischriftsteller der Türkei Orhan Pamuk." Auch wenn er eigentlich nicht als Krimischriftsteller gehandelt wird, sondern als Nobelpreisträger, Schriftsteller und Autor, der aufgrund seiner politischen Äußerungen verfolgt wird. "Rot ist mein Name", so heißt der Kriminalroman, in dem es um einen Mord geht, und demnach im Grunde genommen ein Thriller sei. Und insofern sei Orhan Pamuk der bekannteste aller Krimischriftsteller der Türkei.

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