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Aktuell Europa

Krim-Tataren streben nach Autonomie

Viele Tataren auf der Krim wehren sich gegen die Annexion der Halbinsel durch Russland. Sie beanspruchen eine Autonomie ihres Gebietes. Das könnte zu neuen Spannungen mit der prorussischen Bevölkerungsmehrheit führen.

Mehr als 200 Vertreter der rund 300.000 Krim-Tataren haben in der Stadt Bachtschyssaraj auf der Krim über eine Resolution zur Schaffung einer Autonomie beraten. Der Vorsitzende der wichtigsten Tataren-Versammlung, Refat Tschubarow, forderte die Delegierten bei der Tagung auf, einen politischen und rechtlichen Prozess in Gang zu setzen, dessen Ziel die Schaffung einer ethnischen und territorialen Autonomie der Krimtataren in ihrer historischen Heimat sein müsse. Die Abgeordnetenversammlung will auch darüber entscheiden, ob die Tataren ein Referendum über ihre Zukunft abhalten sollen.

"Im Leben einer jeden Nation kommt der Moment, wo sie Entscheidungen treffen muss, die ihre Zukunft bestimmen", sagte Refat Tschubarow. "Wir sind zwar weniger als die ethnischen Russen oder Ukrainer", so der Tataren-Führer. "Aber das ist unser Land. Wir haben keinen anderen Platz außerhalb der Krim." Auch der tatarische Großmufti Rawil Gainutdin erklärte, die Tataren hätten ebenso wie die Russen auf der Krim "das Recht, über ihre Zukunft zu entscheiden".

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Viele Tataren verlassen Krim (25.03.2014)

Offen blieb zunächst, ob das angestrebte autonome Gebiet der Krim-Tataren Teil Russlands oder der Ukraine sein soll. Sollte es zu einem Votum für eine Autonomie kommen, könnte dies zu neuen Spannungen mit der russischen Mehrheit auf der Krim kommen. Das muslimisch geprägte Turkvolk stellt knapp 15 Prozent der rund zwei Millionen Bewohner der Halbinsel.

Tschubarow äußerte die Befürchtung, dass die Krim-Tataren ohne die Schaffung einer Autonomie gezwungen sein könnten, einen russischen Ausweis zu beantragen, wenn sie Schwierigkeiten vermeiden wollten.

Doch nicht alle Tataren wollen sich gegen die Zugehörigkeit zu Russland wehren. Einige Delegierte sagten bei der Versammlung, man müsse akzeptieren, dass die Sache verloren und die Krim jetzt russisch sei. "Wenn wir die Mehrheit wären, könnten wir darüber nachdenken, etwas zu unternehmen. Wir sind aber nicht in der Mehrheit und müssen die Realität einfach akzeptieren, wie sie ist", sagte der Delegierte Alexander Alijew.

Gespanntes Verhältnis zu Moskau

Die meisten Krim-Tataren hatten vor zwei Wochen das von der prorussischen Regionalführung organisierte Referendum über die Loslösung der Schwarzmeerhalbinsel von der Ukraine boykottiert. Sie hegen ein tiefes Misstrauen gegenüber Moskau, seit Diktator Josef Stalin im Jahr 1944 ihre Massendeportation nach Zentralasien veranlasste. Die Hälfte der Betroffenen starb noch auf dem Weg dorthin. Erst Ende der 1980er Jahre durften die Tataren auf die Krim zurückkehren. Die Rückkehrer stehen seitdem loyal zur Ukraine.

Wegen der Eingliederung der Krim in russisches Staatsgebiet haben einige Tataren ihre Heimat nun wieder verlassen. Die polnische Presseagentur PAP meldete am Freitag, dass einer Gruppe von 32 asylsuchenden Krim-Tataren ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht eingeräumt worden sei. Diese seien nach eigenen Angaben von der prorussischen Regionalregierung der Krim bedroht worden.

kis/kle (rtr, afp, dpa)

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