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Wirtschaft

Krim-Referendum: Finanzmärkte äußerst nervös

Nach dem Krim-Referendum sind dramatische Reaktionen an den Märkten bislang ausgeblieben. Der Eurokurs gibt nur leicht nach, die Ölpreise legen leicht zu. Aber die Nervosität bleibt groß.

Das Referendum auf der Krim und seine Folgen werden Börsianern zufolge das Geschehen an den Finanzmärkten bis auf Weiteres bestimmen. "Anleger machen sich Gedanken darüber, wie sich mögliche Sanktionen gegen Russland auf einzelne Länder oder Unternehmen auswirken werden", sagte NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. "Deutschland und Österreich stehen dabei im Fokus. Sie sind wegen ihrer starken wirtschaftlichen Beziehungen die Brückenländer der EU nach Osteuropa."

Westliche Staaten stufen das Referendum über eine Loslösung der Krim von der Ukraine als illegal ein. Sie drohen Russland mit Strafen, sollte sich das Land die Halbinsel einverleiben. Diese Spannungen sorgen seit einiger Zeit für Nervosität an den Börsen. In der vergangenen Woche büßte der Deutsche Aktienindex Dax rund drei Prozent ein. An den US-Börsen kam es zum stärksten Kursrückgang seit sieben Wochen.

Vorläufig nur Einreise-Beschränkungen?

Aktienexperte Basse betonte, die EU müsse mit Sanktionen ein deutliches Signal an Russland senden. "Das wird dem einen oder anderen Unternehmen wehtun." Helaba-Analystin Claudia Windt rechnet dagegen eher mit symbolischen Maßnahmen wie Einreise-Beschränkungen. "Daraus muss nicht unbedingt eine Negativspirale aus immer neuen Sanktionen und Gegensanktionen resultieren", betonte sie. "Womöglich gibt sich Russland mit dem Referendum zufrieden, der Westen verurteilt das Ganze und kann schon bald wieder zum Tagesgeschäft übergehen."

Hans-Werner Sinn (Foto: dapd)

Warnt vor Abhängigkeit: Hans-Werner Sinn

Derweil nutzt der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, die Krim-Krise dazu, eine Breitseite gegen die deutsche Energiewende abzufeuern. Die Energiewende mitsamt dem Ausstieg aus der Atomenergie werde die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas weiter erhöhen. "Wenn wir wie geplant unsere noch laufenden Atomkraftwerke abschalten und voll auf den Wind- und Sonnenstrom setzen, wird sich die Abhängigkeit von Russland weiter erhöhen - und die Versorgungssicherheit verringern", schreibt Sinn in einem Gastbeitrag für die "Wirtschaftswoche".

Vier Jahrzehnte Energiepartnerschaft

Eon Johannes Teyssen Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns Eon (Foto: dpa)

Kann die Warnungen nicht mehr hören: Johannes Teyssen

Indes: Diese Argumentation kann der Vorstandschef des Energie-Versorgers Eon, Johannes Teyssen, nach eigenen Angaben "nicht mehr hören". Die russischen Gaslieferungen für den Westen seien kein Problem - auch nicht vor dem Hintergrund der Krim-Krise und möglicher Sanktionen. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" sagte Teyssen: "Dieses ewige Gerede von der Abhängigkeit kann ich auch nicht mehr hören." Europa und Russland hätten über vier Jahrzehnte eine Energiepartnerschaft aufgebaut, "und es gab in dieser Zeit keinen einzigen Tag, an dem Gas als strategische Waffe gegen den Westen eingesetzt wurde."

Krim-Krise hin oder her - gerade im deutsch-russischen Öl- und Gasgeschäft zeichnet sich eine neuer Deal ab. Der angeschlagene Energiekonzern RWE will seine Öl- und Gasfördertochter Dea an eine Investorengruppe unter der Führung eines russischen Milliardärs verkaufen. Der in Luxemburg ansässige Investmentfonds LetterOne wolle inklusive Schulden 5,1 Milliarden Euro für das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg hinblättern, teilte RWE am Sonntag mit. An dem Fonds ist der russische Milliardär Michail Fridman beteiligt.

Damit dürfte die Transaktion vor dem Hintergrund der Krim-Krise auch von der Politik genau unter die Lupe genommen werden. RWE hat die Bundesregierung informiert, erwartet aber nach eigenen Angaben von dort keine Ablehnung des geplanten Deals, der noch im Laufe des Jahres abgeschlossen werden soll. "Wir haben die Bundesregierung im Rahmen des für eine Transaktion dieser Größe Üblichen unterrichtet und haben keine Anzeichen, dass die Bundesregierung einen Einspruch erheben will", so ein RWE-Sprecher.

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