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Wirtschaft

Krim-Krise erschüttert Wirtschaft

Für die Ukraine könnte die Krise um die Halbinsel Krim zum Staatsbankrott führen. Internationale Märkte und europäische Gasimporte sind davon jedoch weniger beeinflusst, glauben Analysten.

Die unruhige politische Lage auf der Krim scheint die internationalen Märkte weniger dramatisch zu beeinflussen als zunächst befürchtet: Nach starken Einbrüchen am Montag stabilisierte sich die Lage wieder. Für die Ukraine allerdings zeichnet sich ein Staatsbankrott ab, sollten internationale Geldgeber nicht helfend eingreifen.

Dramatische Einbrüche, dann Stabilisierung

Rainer Lindner, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Foto: ITAR-TASS / Alexandra Mudrats

Rainer Lindner, Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

Am Montag war der russische Aktienindex RTS um zwölf Prozent nach unten gerauscht, auf den niedrigsten Wert in den letzten sechs Jahren. Auch andere große Börsen gerieten in einen Abwärtstrend: Der Dow Jones sank um ein Prozent, der Leitindex der Eurozone EuroStoxx 50 um 2,25 Prozent. Auch der Deutsche Leitindex DAX reagierte deutlich und fiel um dreieinhalb Prozent.

Bereits am Dienstag entspannten sich die Märkte etwas: Dax und EuroStoxx50 verdoppelten ihre Kursgewinne auf jeweils etwa zwei Prozent. Auch die Talfahrt des russischen Rubel ging vorerst nicht weiter, nachdem die russische Zentralbank den Leitzins von 5,5 auf sieben Prozent angehoben hatte.

EU vorerst nicht in Gefahr

Vorerst sehen Analysten die Weltwirtschaft daher noch nicht in Gefahr. "Die Europäische Union bezieht ein Fünftel ihrer Gasimporte aus Russland", so der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, im DW-Interview. "Wenn die Ukraine nun als Transitland ausfiele, könnte nur ungefähr die Hälfte über andere Pipelines umgeleitet werden."

Ein Versorgungsrisiko für die EU hält Krämer zwar für möglich, aber nicht für wahrscheinlich: Privatwirtschaftliche Verträge habe Russland in der Vergangenheit immer peinlich genau eingehalten, da die russische Wirtschaft auf den Gasexport angewiesen sei. Andererseits verhindere diese Abhängigkeit der Europäer vom russischen Gas auch eine militärische Einmischung in den Konflikt: "Der Westen hat angedroht, Russland vom G8-Gipfel auszuschließen, aber er wird nicht militärisch einsteigen - das hat er ja auch in der Vergangenheit nicht gemacht."

Gaslieferung. Foto: dpa

Rund ein Drittel der deutschen Gasimporte kommen aus Russland durch die Ukraine

Deutsche Unternehmer unruhig

Deutschland importiert ein Drittel seines Gasbedarfes aus Russland. Dies könne, so Krämer, mit einer Umschichtung auf nordamerikanische Gasquellen kompensiert werden. Anders sieht es für deutsche Firmen aus, die Niederlassungen in der Ukraine haben: "Wir haben rund 500 deutsche Unternehmen im Land", sagt der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner, zur DW.

Dazu zählen zum Beispiel der Sportartikelhersteller Adidas und die Metro-Gruppe aus Düsseldorf. Rund 6000 deutsche Firmen sind in Russland aktiv. "Die machen sich natürlich Sorgen um die Zukunft." Nach Russland ist Deutschland der wichtigste Handelspartner der Ukraine.

Angeschlagene Binnenwirtschaft

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Foto: Commerzbank

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

Für die Ukraine ist die Lage deshalb auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht dramatisch. Seit Jahrzehnten ist die ukrainische Außenhandelsbilanz im Ungleichgewicht: Hohen Preisen für Gaseinfuhren aus Russland stehen niedrige Weltmarktpreise für ukrainische Exportgüter wie Getreide und Stahl gegenüber.

"Die EU war und ist ein Modernisierungspartner für die Ukraine", so Lindner. "Man hatte im vergangenen Jahr sogar ein Freihandelsabkommen unterzeichnen wollen - dazu ist es aber noch nicht gekommen." Ein Dauerkonflikt der EU mit Russland könne sich zudem negativ auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im osteuropäischen Raum auswirken, so der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. So verteuert die gegenwärtige Abwertung des Rubels deutsche Exporte nach Russland.

Die Ratingagentur Standard and Poor's sieht die Ukraine knapp vor dem Staatsbankrott. Neben angeschlagenen Sozialsystemen hat das Land kaum noch Reserven, um innere und außenwirtschaftliche Schulden zu begleichen und ist dringend auf externe Hilfe angewiesen: Der neue ukrainische Finanzminister Juri Kolobow hat den Unterstützungsbedarf für diesen und das kommende Jahr auf 25 Milliarden Euro beziffert. "Hier braucht es dringend frisches Geld, das nicht unmittelbar an schnelle Reformen gekoppelt ist", so Lindner. "Ohne finanzielle Unterstützung aus dem Westen wird die Ukraine kurzfristig bankrott sein."

Ein Team des Internationalen Währungsfonds (IWF) untersucht derzeit die Finanzlage der Ukraine. Allerdings ist der IWF verpflichtet, mögliche Kredite mit Reformauflagen zu verknüpfen.

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