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Nahost

Kriegsverlagerung an die Nordfront

Der Krieg im Irak hat sich nach der Einnahme von Bagdad an die Nordfront verlagert. Die Stadt Kirkuk ergab sich am Donnerstag kampflos; Mosul und Saddams Heimatort Tikrit müssen noch erobert werden.

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Kurdische Kämpfer nahmen, unterstützt von US-Streitkräften, laut einem Bericht des britischen TV-Senders BBC am 22. Kriegstag (10.4.2003) die nordirakische Stadt Kirkuk ein. Die Stadt hat etwa eine halbe Million Einwohner. Damit sind in der nördlichen Landeshälfte nur noch die Ölstadt Mosul und die Geburtsstadt des gestürzten Machthabers Saddam Hussein, Tikrit, als größere Zentren in den Händen Saddam-treuer Kämpfer.

Eine Reporterin des amerikanischen CNN-Fernsehens berichtete, dass erstmals an der Nordfront auch ein größerer US-Panzerverband aktiv sei. In den vergangenen Tagen waren zahlreiche US-Panzer aus Deutschland mit Transportmaschinen in den Nordirak geflogen worden.

Deutsche Botschaft geplündert

Saddam Hussein vom Sockel gestürzt

Sturz einer Saddam-Statue in Bagdad (9.4.2003)

In Bagdad begann sich einen Tag nach der Eroberung der irakischen Hauptstadt die Lage nur langsam zu normalisieren. Ein CNN-Reporter berichtete am Donnerstag, dass fast alle Geschäfte immer noch geschlossen seien. Aus Angst vor Plünderern blieben viele Menschen in ihren Häusern. Laut CNN gibt es aber nur noch wenige Anzeichen von Plünderungen. Erste Gruppen von Einwohnern, die in den vergangenen Wochen aus der Stadt geflüchtet waren, kehrten zurück.

Opfer von Plünderern wurden am Donnerstag die deutsche Botschaft und das französische Kulturzentrum in Bagdad. Dies berichtete ein AFP-Korrespondent aus der irakischen Hauptstadt.

CNN meldete auch noch vereinzelte Schießereien in der Hauptstadt. So seien besonders die Brücken noch nicht sicher. BBC meldete, ein US-Militärkonvoi sei von Heckschützen mit Maschinengewehrfeuer und Granaten unter Beschuss genommen worden. Ein US-Soldat soll getötet worden sein.

Keine Spur von Saddam

Von Saddam und seinem engsten Führungskreis fehlt weiter jede Spur. Der Vorsitzende der von Washington unterstützten Oppositionsgruppe Irakischer Nationalkongress, Ahmed Chalabi, vermutet ihn in der Stadt Bakuba bei Bagdad. Andere Spekulationen gehen davon aus, dass er - wenn er noch lebt - in seine Heimatstadt Tikrit im Norden des Iraks oder in das Nachbarland Syrien geflüchtet sein könnte.

Helfer in Bagdad

Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) haben ihre Arbeit in Bagdad wieder aufgenommen. "Sie machen dies in beschränktem Maße, soweit es die Sicherheitslage zulässt", sagte IKRK-Sprecher Florian Westphal am Donnerstag in Genf. Nach dem Beschuss eines IKRK-Konvois am Dienstagabend (8.4.2003) hatte die Organisation sich außer Stande gesehen, weiter ihrer Arbeit in den Krankenhäusern und zur Wasserversorgung nachzugehen.

Westphal sagte, seit dem Morgen seien wieder mehrere IKRK-Teams unterwegs. Nach wie vor sei die Wasserversorgung in Bagdad und vor allem in den mit Bombenopfern überfüllten Krankenhäusern kritisch, erklärten Vertreter verschiedener Hilfsorganisationen. Derzeit werde versucht, Wassertanks aufzufüllen und die Wasseraufbereitung in Gang zu bringen. Im Süden bei Basra gelänge es derzeit wieder, die Wassertanks zu füllen, sagte Westphal.

Das IKRK ist die einzige Organisation, die mit sechs ausländischen Vertretern seit Beginn des Krieges im Irak ist. Balthasar Staehelin, Beauftragter des IKRK für den Nahen Osten, spricht von einer "verzweifelten Situation" für viele Menschen in Bagdad. Er warnte in einem Zeitungsinterview vor allem vor dem Niedergang der öffentlichen Ordnung und vor Plünderungen. "Das rührt an den Lebensnerv der Bevölkerung", so der IKRK-Vertreter. (mas)

Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.

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