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Fokus Osteuropa

Kriegsverbrechen: Urteil gegen Belagerer von Sarajewo

Dragomir Milosevic, Ex-General der Armee der Republika Srspska, ist wegen Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in Sarajewo zwischen 1994 und Kriegsende zu 33 Jahren Haft verurteilt worden.

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General Milosevic befahl Terror-Taktik gegen Zivilisten (12.12.2007)

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) hat den ehemaligen Befehlshaber der Armee der Republika Srpska, Dragomir Milosevic, schuldig gesprochen. Er habe Kriegsverbrechen an Zivilisten in den letzten 15 Monaten der Belagerung von Sarajewo im Bosnien-Krieg 1992 bis 1995 verübt.

Terror-Taktik fortgesetzt

Im August 1994 hatte Milosevic von seinem Vorgänger Stanislav Galic den Oberbefehl über das "Sarajewo Romanija Korps" übernommen. Milosevic setzte die von Galic praktizierte Terror-Taktik – den Einsatz von Artillerie und Scharfschützen auch gegenüber Zivilisten – fort und verstärkte diesen durch die Einführung einer modifizierten Fliegerbombe. Diese Projektile waren ungenau, richteten großräumige Verwüstungen an und bedrohten vornehmlich Zivilisten.

Nach Einschätzung des vorsitzenden Richters Patrick Robinson genehmigte Milosevic Granatenbeschuss und Scharfschützeneinsätze in der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Bei diesen Angriffen wurden Hunderte Männer, Frauen und Kinder getötet sowie Tausende Einwohner von Sarajewo verletzt. In diesem Zusammenhang zitierte Richter Robinson ein Zeugin: "Es gab keinen sicheren Ort in Sarajewo. Man konnte überall und zu jeder Zeit getötet werden." Die Angriffe auf Sarajewo standen dem Tribunal zufolge nicht in Verbindung mit militärischen Aktionen. Sie zielten vielmehr darauf ab, die Zivilbevölkerung in ständiger Angst zu halten.

Gezielte Angriffe auf Zivilbevölkerung

Das schlimmste Verbrechen war laut Urteilsbegründung die Bombardierung des Marktes Markale am 28. August 1995, bei der 34 Personen getötet und 78 verletzt wurden. "Der Strafgerichtshof ist davon überzeugt, dass die schwere Granate, die auf den Markt fiel, von der Stellung des Sarajewoer Romanija Korps abgeschossen wurde", sagte Richter Robinson. Damit wies er zugleich die Behauptung der Verteidigung zurück, dass dieses Projektil von der Armee von Bosnien-Herzegowina abgeschossen worden sei.

Mit dem Urteil gegen General Dragomir Milosevic ist der zweite Prozess wegen Kriegsverbrechen gegen Zivilisten in Sarajewo beendet. Milosevics Vorgänger Galic war zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Dzevad Sabljakovic, DW-Bosnisch

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