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Afrika

Kriegsverbrechen trotz Waffenstillstand im Südsudan

Gut einen Monat nach dem Waffenstillstand melden internationale Organisationen weiter schwere Menschenrechtsverletzungen im Südsudan. Die Opfer sind meist Zivilisten und sogar Patienten in Krankenhäusern.

Die

Waffenruhe

zwischen den Bürgerkriegsparteien im Südsudan gilt nur auf dem Papier. Menschenrechtler und internationale Helfer beklagen schwere Übergriffe auch gegen Zivilisten in afrikanischen Land. So berichtet die Hilfsorganisation

Ärzte ohne Grenzen

(Médecins Sans Frontières - MSF) von Überfällen auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen.

"Wer Krankenhäuser zerstört, muss in der Lage sein, sich die Konsequenzen auszumalen", sagte Heather Pagano, Sprecherin des MSF-Regionalbüros für Ost- und Zentralafrika der Deutschen Welle. "Jeder weiß, was ein Krankenhaus ist. Diese Krankenhäuser bedeuten den Unterschied zwischen Leben und Tod für hunderttausende Menschen, die nun ohne medizinische Versorgung sind."

Südsudan: verwüstete Krankenhäuser und erschossene Patienten Foto: Michael Goldfarb/MSF

Dieser Container diente als Teil des MSF-Krankenhauses in Leer

Vergangenen Samstag fanden MSF-Mitarbeiter mehr als ein Dutzend Leichen in einem ihrer Krankenhäuser im Nordosten des Landes. Augenzeugen berichteten, dass Bewaffnete zuvor das Lehrkrankenhaus in Malakal, der Hauptstadt der Provinz Upper Nile State, überfallen und Menschen in ihren Krankenbetten erschossen hätten, wenn sie ihnen keine Wertsachen aushändigen konnten. Die Mitarbeiter brachten die am schlimmsten Verletzten auf das Gelände der Mission der Vereinten Nationen im Südsudan.

Verbrechen von beiden Seiten

Systematisch zerstört haben Bewaffnete auch das MSF-Krankenhaus in Leer in der benachbarten Provinz Unity, nachdem es schon Mitte Januar wegen der großen Unsicherheit geschlossen worden war. "240 Angestellte des Krankenhauses verstecken sich nun mit der Bevölkerung in den Wäldern", sagte Pagano. "Ihre Patienten haben sie mitgenommen." Deren Versorgung sei unter den extremen Bedingungen nicht mehr sichergestellt.

Karte Südsudan Unity Upper Nile Deutsch

Die umkämpften Provinzen Upper Nile State und Unity im Nordosten des Südsudan

Mitte Dezember waren schwere Kämpfe zwischen verfeindeten Gruppen innerhalb der südsudanesischen Regierungspartei SPLM ausgebrochen. Vertreter zweier Delegationen um Präsident Salva Kiir und dessen Rivalen und Ex-Stellvertreter Riek Machar hatten schließlich am 23.01.2014 einen Waffenstillstand unterzeichnet. Allerdings hatte es von Beginn an

Zweifel

gegeben, ob die beiden Konfliktparteien die Vereinbarung tatsächlich umsetzen können und wollen.

Wie brüchig die im Januar geschlossene Waffenruhe ist, belegt nun auch eine Untersuchung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). Zweieinhalb Wochen lang bereisten Mitarbeiter die Provinzen Unity und Upper Nile State. Ihr Fazit: Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, willkürliche Hinrichtungen und die Plünderung von Privateigentum seien dort auch im Februar die Regel gewesen. Hinter diesen Verbrechen stünden Regierungssoldaten genauso wie Kämpfer der Gruppen, die der Regierung im Dezember den Kampf angesagt hatten. Die Hinrichtungen haben laut HRW oft einen ethnischen Hintergrund: Präsident Salva Kiir stammt aus der Volksgruppe der Dinka, während Riek Machar zu den Nuer gehört.

Besserung nicht in Sicht

"Beide Seiten müssen ihre Truppen daran hindern, die Bevölkerung zu missbrauchen", sagte Daniel Bekele, der Leiter der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch, "und sie müssen sie zur Rechenschaft ziehen." Bekele zufolge stehen die Chancen auf eine baldige Verbesserung der Lage schlecht. "Der Konflikt im Südsudan ist noch lange nicht vorbei", sagte er. "Sogar auf UN-Gelände sind die Menschen nicht sicher."

Ob MSF das Krankenhaus in Leer wieder aufbauen werde, ist derzeit nicht sicher. Das Personal der Organisation arbeite grundsätzlich ohne besonderen Schutz. Deshalb sei man auf den Respekt aller Konfliktparteien angewiesen, sagte Heather Pagano. Eine Zusicherung der bewaffneten Gruppen habe MSF aber nicht bekommen. "Wir sagen den Menschen, dass wir da sind, um allen medizinische Hilfe anzubieten - wer immer sie am nötigsten hat", so Pagano.

Seit 25 Jahren bestand das Krankenhaus in Leer bereits. 2013 wurden dort täglich Operationen durchgeführt, Zehntausende ließen sich beraten, 2100 Kinder wurden wegen Unterernährung behandelt. Nun müsse man wieder bei Null anfangen, hieß es bei MSF.

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