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Kriegspropaganda hinterfragt

Während des Irak-Kriegs 2003 leitete Peter Philipp ein DW-Team, das rund um die Uhr arabische Medien auswertete.

Peter Philipp leitete 2003 das Monitor-Team - Foto: DW

Peter Philipp leitete 2003 das Monitor-Team

Der Angriff der Vereinigten Staaten auf den Irak Saddam Husseins im März 2003 kam nicht überraschend. Im Gegenteil: Er kündigte sich über Monate hinweg immer deutlicher an. Und je intensiver Politiker weltweit darüber stritten, ob ein solcher Krieg gerechtfertigt sei, desto mehr verstärkten die Militärs der betroffenen Länder ihre Vorbereitungen auf den Waffengang. Aber nicht nur sie: Auch die Medien verfielen in Hektik - wie sie nämlich am sinnvollsten und effektivsten über die zu erwartenden militärischen Auseinandersetzungen berichten könnten.

Ist ein Reporter vor Ort tatsächlich näher dran?

US-Reporter Peter Arnett berichtete live aus Bagdad - Foto: AP Photo/NBC

US-Reporter Peter Arnett berichtete auch 2003 live aus Bagdad

Eine der wichtigsten Fragen dabei war: Wen sollten wir wann und für wie lange wohin schicken, um zuverlässige und kontinuierliche Berichterstattung zu gewährleisten? Beim letzten Angriff der Amerikaner auf Bagdad während des Kuwait-Krieges 1991 waren Korrespondenten von dort ausgewiesen worden. Mit der Ausnahme des US-Journalisten Peter Arnett, der allerdings kaum mehr berichten konnte, als was er vom Dach des Hotel Rachid aus sah. Diesmal hatten die USA ihr Pressezentrum schon lange vor dem ersten Angriff im katarischen Doha aufgeschlagen - in der Region zwar, aber im wahrsten Sinne des Wortes "weit weg vom Schuss". Aber militärische Kommuniqués einer der kriegführenden Seiten verbreiten? Das versprach wenig hilfreich zu sein. Die Erklärungen aus Doha konnte man ohnehin im amerikanischen TV auch in Deutschland verfolgen.

Außerdem blieb natürlich unklar, in welchem Maße andere Länder der Region von dem Krieg betroffen sein würden. Nicht nur Israel - das beim vorherigen Irak-Krieg von dort mit Raketen beschossen worden war - sondern auch die arabischen Nachbarstaaten und der Iran. Es würde wenig Sinn machen, überall dort auf unbestimmte Zeit Korrespondenten zu stationieren, die am Ende wenig mehr würden berichten können, als was dort in den staatlichen Medien verkündet wird.

Medien aller Seiten auf dem Schirm

In der Deutschen Welle verfielen wir deswegen auf eine ausgefallene Idee: Hinter dicken Stahltüren - die freilich nur der besseren Akustik dienen und nicht militärische Geheimnisse schützen sollten - schlossen die Techniker über ein Dutzend Fernseher an, auf denen die unterschiedlichsten nationalen und internationalen Satellitenprogramme der Region zu sehen waren und mitgeschnitten werden konnten. Die Hoffnung, hier sensationelle Einblicke in das wahre Geschehen vor Ort zu gewinnen, hielt sich zugegebenermaßen in Grenzen, aber dennoch: Wir würden ein umfassendes Bild der im Nahen und Mittleren Osten veröffentlichten Berichte sehen, auswerten und sofort weiterverwerten können.

AP-Reporter Chris Tomlinson bei der US-Armee in der irakischen Wüste - Foto: AP Photo/John Moore

Objektive Berichterstattung kaum möglich: "Eingebetteter Journalist" (r.) beim Essen mit US-Soldaten

Dass dies nur die zweitbeste Lösung sein konnte, war allen klar. Aber gerade ich musste mich in diesen Tagen immer wieder an die Zeiten erinnern, in denen ich als Nahost-Korrespondent in Kriegssituationen geraten war, von dort aber nicht, nur bruchstückweise oder viel zu spät berichten konnte: Bei der türkischen Invasion in Nordzypern 1974 zum Beispiel hatten die Griechen jede Kommunikation mit dem Ausland unterbunden - ich konnte zwar viel sehen, aber nichts senden. Für die Heimatredaktion galt ich überdies als "vermisst". Ähnliche Beispiele gab es immer wieder - im Libanon-Krieg und zahllosen anderen Krisen in der Region.

Information sollte schnell sein und zuverlässig. Der Kompromiss hieß oft: Gegend und Hintergründe gut kennen, im Ernstfall aber nicht vor Ort sein, sondern an einem zuverlässigen Telefon.

Intensive Berichterstattung

This image from television shows a man Iraqi TV says is President Saddam Hussein, second left, greeting supporters in Baghdad Friday, April 4, 2003. (AP Photo/Iraqi TV via APTN)

Drei Tage vor dem Fall Bagdads zeigte das irakische Staatsfernsehen den Diktator ganz volksnah

Ähnlich war es im Monitor-Studio der DW während des Irak-Kriegs: Arabische Kollegen werteten die Aufnahmen aus und gaben kurze Nachrichten heraus oder belieferten die DW-Programme mit mitgeschnittenen Statements, zum Beispiel von Politikern, Augenzeugen oder Experten. Wieder andere erstellten zusammenfassende Berichte für diese Programme.

Immerhin: Ohne dabei zu sein, wurden wir unter anderem Zeugen des Angriffs auf das irakische Fernsehen, erlebten abenteuerliche Auftritte Saddams und auch die Beteuerung des irakischen Informationsministers, die Amerikaner seien noch weit entfernt - während im Hintergrund US-Panzer durch das Bild fuhren.

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