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Amerika

Kriegspräsident Obama unterm Zuckerhut

Schlechtes Timing für die erste Lateinamerika-Reise von Barack Obama: In Libyen sprachen die Marschflugkörper, in Rio redete der US-Präsident über die Freiheit der Völker. Seine angekündigte 'historische' Rede fiel aus.

US-Präsident Obama mit Ehefrau Michelle und Töchtern Malia und Sasha auf einem Abstecher zur weltberühmten Christus-Statue in Rio de Janeiro am 20.03.2011 (Foto: AP)

Familie Obama auf Rios Zuckerhut

Eine historische Rede hatte es werden sollen, gleichsam eine südamerikanische Version jener "Kairoer Rede" vom Juni 2009. Am Ende fiel Barack Obamas erste Brasilien-Reise ein paar Nummern kleiner aus. Der zweitägige Trip des US-Präsidenten litt unter den sich überschlagenden Ereignissen in Libyen, das ursprünglich geplante Besuchs-Programm wurde eingedampft. Dabei sollte Obamas erste Aufwartung bei der aufstrebenden Wirtschaftsmacht nichts Geringerem dienen, als das Verhältnis der USA zu Lateinamerika neu zu definieren. Stattdessen erlebten die Brasilianer einen US-Präsidenten, der erstmals in seiner Amtszeit eine militärische Intervention anordnen musste und wegen des Vorwurfs zögerlichen Verhaltens und unklarer Kriegsziele von der heimischen Opposition zerrissen wird.

Abgespecktes Programm

Brasiliens Präsidentin Dilma Rouseff begrüßt US-Präsident Barack Obama am 19. März 2011 (Foto: dapd)

Auch das Treffen mit Brasiliens Präsidentin Rousseff (r.) wurde vom Krieg in Libyen überschattet

Bereits während des Vier-Augen-Gesprächs mit Brasiliens neuer Präsidentin Dilma Rousseff zum Auftakt des Besuchs am Samstag (19.03.2011) musste sich Obama mit der Krise in Nordafrika beschäftigen. So soll er während der Begegnung den Einsatzbefehl für die US-Streitkräfte gegen die Truppen von Muammar al-Gaddafi gegeben haben. Zudem wurde seine Teilnahme an brasilianisch-amerikanischen Wirtschaftsverhandlungen in der Hauptstadt Brasilia verkürzt, da der Präsident eine Ansprache an seine Mitbürger in den USA aufzeichnete.

Auch das Besuchsprogramm am Sonntag in Rio de Janeiro fiel kürzer aus als ursprünglich geplant. Der für den Vormittag geplante Abstecher zu der weltberühmten Christus-Statue wurde auf den späten Abend verschoben; der Ausflug in das Armenviertel "Favela Cidade de Deus" wurde zu einem 30-minütigen Blitzbesuch. Ein geplanter öffentlicher Auftritt im Zentrum von Rio, bei dem Obama eine zuvor als "historisch" angekündigte Rede an die Völker Lateinamerikas halten wollte, wurde abgesagt.

US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede im Stadttheater von Rio de Janeiro am 20.03.2011 (Foto: AP)

Kurze Grußadresse statt historischer Rede: Obama im Stadttheater von Rio

Von Lateinamerika lernen

Stattdessen richtete der Präsident eine kurze, 15-minütige Grußadresse an 800 geladene Gäste in Rios Stadttheater. Darin pries Obama Brasiliens Weg zur Demokratie als Modell auch für Länder in der arabischen Welt. Brasilien habe gezeigt, dass eine Diktatur eine gedeihende Demokratie werden könne. "Brasilien - ein Land, das zeigt, wie ein auf der Straße begonnener Ruf nach Veränderung eine Stadt, ein Land, eine Welt verändert", sagte Obama im "Theatro Municipal". Alle Menschen strebten nach Freiheit, Selbstbestimmung und einem Leben frei von Diskriminierung. Dies seien universelle Rechte, die es überall zu unterstützen gelte. "Heute sehen wir einen Kampf für diese Rechte im Nahen Osten und in Nordafrika. Wir haben eine Revolution in Tunesien gesehen, geboren aus der Sehnsucht nach grundlegender menschlicher Würde." Auch in Libyen seien die Menschen mutig gegen ein Regime aufgestanden, das entschlossen sei, brutal gegen eigene Bürger vorzugehen. "Überall in der Region haben wir junge Menschen gesehen, die aufstehen – eine neue Generation, die das Recht einfordert, ihre eigene Zukunft selbst zu bestimmen", sagte Obama. Die USA und Brasilien wüssten, "dass die Zukunft der Arabischen Welt nur von deren Völkern bestimmt werden wird".

Wird 'Historische' Rede in Santiago nachgeholt?

US-Präsident Barack Obama bei seiner Rede im Stadttheater von Rio de Janeiro am 20.03.2011 (Foto: AP)

Obama empfahl in seiner Rede Brasilien als Vorbild für Arabien

Einer von Obamas stärksten Kritikern, Venezuelas linker Staatschef Hugo Chávez, bezeichnete unterdessen den Militäreinsatz in Libyen als "imperialistische Aggression". "Das ist eine wahllose Bombardierung. Mein Gott! Wer gibt diesen Ländern das Recht dazu?" Weder Frankreich noch die USA, noch jemand anderes habe das Recht, auf irgendjemanden Bomben zu werfen, sagte Chávez in seiner wöchentlichen Rundfunksendung "Aló presidente".

An diesem Montag fliegt Obama auf seiner fünftägigen Lateinamerika-Reise weiter nach Chile. Chilenische Zeitungen berichteten unterdessen, dass die eigentlich für Rio erwartete Grundsatzrede am Dienstag in Santiago nachgeholt werden soll, der zweiten Station von Obamas fünftägiger Lateinamerika-Reise. Diese geht am Mittwoch mit einem Besuch im mittelamerikanischen El Salvador zu Ende.

Autor: Sven Töniges (mit dpa, kna)

Redaktion: Mirjam Gehrke