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Wirtschaft

Kriegspläne mit Konsequenzen

Ein Militärschlag gegen den Irak hätte nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Folgen: Der seit Jahresbeginn schon deutlich gestiegene Ölpreis würde noch weiter anziehen.

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Die USA drohen dem Irak - und prompt steigt der Ölpreis

Die Vereinigten Staaten arbeiten trotz der jüngsten Äußerungen von Außenminister Colin Powell weiter an Plänen zum Sturz des irakischen Machthabers Saddam Hussein. Dass das Kriegsszenario auch wirtschaftliche Auswirkungen hat, wird in diesen Tagen deutlich. Als US-Vizepräsident Richard Cheney in der vergangenen Woche einen Schlag gegen Bagdad als nötig bezeichnete, kam die Reaktion der Märkte sofort. Die Ölpreise, die in diesem Jahr bereits fast 50 Prozent zugelegt hatten, zogen weiter an. Denn der Irak ist weltweit ein wichtiger Ölproduzent. Auch die Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC) will angesichts eines möglichen kriegerischen Konflikts in ihrem Mitgliedsland Irak reagieren: Auf ihrer nächsten Konferenz am 19. September in Japan wird sie voraussichtlich ihre Förderquote erhöhen.

Irakisches Öl auf dem Weg in die Türkei

Hunderte türkischer Lkw warten an der Grenze zu Irak, um dort Öl zu laden. Mehr als 80.000 Barrel werden täglich von Irak in die Türkei geschmuggelt - den UN-Sanktionen zum Trotz

Auch wenn man für Öl mehr zahlen muss, knapp wird es nach Meinung von Experten zunächst nicht. Zwar gehört der Irak nach Saudi-Arabien zur Gruppe der zweitwichtigsten Öllieferanten. Doch Saudi-Arabien hat bereits angekündigt, die fehlende Menge auszugleichen, wenn der Irak ausfällt. "Rein mengenmässig ist das kein Problem", sagte Klaus Matthies, Rohstoffexperte des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA), im Gespräch mit DW-WORLD. Gut zwei Millionen Barrel – ein Barrel hat 159 Liter – exportiert der Irak täglich, vor allem in die USA. Die OPEC insgesamt produziert bis zu 28 Millionen Barrel am Tag, weltweit werden 75 Millionen Barrel gefördert. Zudem haben fast alle Industrienationen Ölreserven für rund 90 Tage angelegt.

Der Ölpreis steigt

Doch auch wenn die Versorgung gesichert ist: "Der Preis würde zu Beginn eines Konflikts trotzdem erst mal nach oben gehen", sagt Matthies vom HWWA. Nach den Drohungen Cheneys war der Preis pro Barrel Rohöl in den vergangenen Tagen zeitweise auf über 30 US-Dollar gestiegen. Das Fass Nordseeöl wird derzeit mit 27 Dollar gehandelt. Für diesen hohen Preis gibt es keinen anderen Grund als die Sorge vor einem Krieg, sagte Hans-Joachim Ziesing vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung gegenüber DW-TV.

Irakisches Öl auf dem Weg in die Türkei

Irakisches Öl auf dem Weg in die Türkei

Wie lange der Ölpreis oben bleibt, ist jedoch ungewiss. Experten rechnen mit einem ähnlichen Effekt wie während des Golfkrieges: Anfang 1991 war der Preis pro Barrel auf über 40 Dollar angestiegen. Nach den ersten US-amerikanischen Bomben auf den Irak ging er schnell um ein Viertel zurück und sank schließlich auf 22 Dollar. "Ob der Preis diesmal hoch bleiben würde, hängt vom Verlauf eines Konflikts im Irak ab", sagt der Ölexperte vom HWWA. Wenn nach einer Bombardierung Bagdads klar sei, dass die Auseinandersetzung bald ein Ende finde, ist laut Matthies wieder mit sinkenden Ölpreisen zu rechnen. Es komme aber auch darauf an, ob die Förderanlagen im Irak getroffen werden. Oder ob andere OPEC-Länder wie der Iran aus Solidarität mit dem Bruderstaat ihre Förderung stoppen: "Es gibt eine Menge Fragezeichen beim Verlauf eines Konflikts im Irak."

Große Ölreserven im Irak

Wichtiger als die aktuelle Ölförderung des Iraks ist allerdings die zukünftige Rolle des Landes am Rohstoffmarkt. Mit schätzungsweise 112 Milliarden Barrel verfügt der Irak über rund zehn Prozent der weltweiten Ölvorräte. In manchen Ölfirmen heißt es sogar, es wäre mehr als das Doppelte, wenn man nur einmal Forschungen mit modernen Bohrmethoden durchführen könne. Die Nummer eins Saudi-Arabien besitzt schätzungsweise rund 260 Milliarden Barrel Reserven. Sollten US-Präsident George W. Bush und seine Mitstreiter tatsächlich Saddam Hussein stürzen und ihn durch eine pro-amerikanische Regierung ersetzen, hätte das Einfluss auf das Machtgefüge am Rohstoffmarkt. Die USA würden indirekt nicht nur das Land mit den zweitmeisten Ölvorräten kontrollieren, sondern langfristig auch die Ölpreise.

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