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Aktuell Europa

Kriegsgedenken über die Grenzen hinweg

Mit Kerzen und Mahnwachen haben Russland und andere Ex-Sowjetrepubliken an den deutschen Überfall vor 75 Jahren erinnert. Deutschland und Russland vereinbarten ein neues gemeinsames Projekt.

Putin legt rote Nelken nieder, neben ihm eine Ehrenformation des Militärs ( Foto: Reuters)

Totengedenken an der Kremlmauer

Im russischen Parlament in Moskau gedachten die Abgeordneten schweigend der sowjetischen Opfer. Junge Russen in historischen Uniformen hielten Wache am zentralen Denkmal für den Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird.

Viele Russen hatten zur Stunde des Überfalls um 03.00 Uhr morgens (MESZ) eine Kerze angezündet und ins Fenster gestellt. Präsident Wladimir Putin legte am Grabmal des unbekannten Soldaten in Moskau einen Kranz nieder.

Putin sieht Nato-Bedrohung

Vor den Parlamentsabgeordneten in Moskau warf er der Nato "aggressives Verhalten" in der Nähe der Grenze vor. Russland müsse deshalb seine Kampfbereitschaft ausbauen, kündigte er an. Die Nato will im kommenden Jahr 4000 Soldaten in den drei baltischen Staaten und Polen stationieren. Sie reagiert damit auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014. Unter diesen Bedingungen sei Russland verpflichtet, "der Stärkung der Kampfbereitschaft unseres Landes besondere Aufmerksamkeit zu schenken", so Putin.

Sowjetunion brachte die größten Opfer

In Erinnerung an den 22. Juni 1941 schrieb

Bundespräsident Joachim Gauck einen Beitrag für Zeitungen in Russland.

Darin führt er aus: "Kein Land hat im Zweiten Weltkrieg so große Opfer gebracht wie die Sowjetunion: Fast 27 Millionen Menschen verloren ihr Leben". Zugleich nutzte der Bundespräsident den Jahrestag zur Mahnung. "Frieden ist nicht selbstverständlich", schrieb er.

(Foto: Getty)

Viele Russen hatten bereits in der Nacht Kerzen aufgestellt wie hier am Ufer der Moskwa

Schicksale von Gefangenen klären

Zur weiteren

Bewältigung des erlittenen Kriegsleids

vereinbarten Russlands Außenminister Sergej Lawrow und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier ein neues gemeinsames Projekt, mit dem die Schicksale von Kriegsgefangenen geklärt werden sollen. Dafür sollen Informationen über Kriegsgefangene digitalisiert und in Datenbanken zusammengeführt werden. Deutschland übernimmt die Finanzierung.

Während des zweiten Weltkriegs kamen nach offiziellen Angaben insgesamt mehr als 8,8 Millionen Soldaten in Gefangenschaft - mehr als 5,7 Millionen Angehörige der Roten Armee und mehr als 3,1 Millionen der deutschen Wehrmacht. In deutscher Gefangenschaft starben mehr als drei Millionen Sowjetsoldaten. Die Zahl der Deutschen, die in sowjetischer Haft starben, wird auf mindestens 1,1 Millionen geschätzt.

Menschen legen Blumen an Särgen nieder (Foto: Getty)

Blumen für sowjetische Soldaten in der Ukraine, deren sterbliche Überreste erst in diesem Jahr gefunden worden waren

Verwüstungen in Ukraine und Weißrussland

Auch in den früheren Sowjetrepubliken Ukraine und Weißrussland, die damals auch von der Wehrmacht überrannt wurden, gedachten Bürger der Millionen Opfer. In Kiew erinnerte Präsident Petro Poroschenko daran, dass die Ukraine Opfer des Nationalsozialismus wie des Stalinismus gewesen sei. "An jenem traurigen Tag vor 75 Jahren kam der Krieg über unser Land, dem keine Familie entgehen konnte, der ungezählte Opfer, Ruinen und Verwüstung hinterließ", sagte er. Nirgendwo in der Sowjetunion sind während des Kriegs mehr Menschen getötet worden und waren die Zerstörungen schlimmer als in den beiden westlichen Republiken Ukraine und Weißrussland.

Soldaten an einem Fluss lassen Kranz zu Wasser (Foto: Reuters)

Auch in Brest in Weißrussland wurde gefallener Sowjetsoldaten gedacht

Zeremonie im Treptower Park

In Berlin gab es auf Initiative der russischen Botschaft sowie anderer Botschaften der Nachfolgestaaten der Sowjetunion eine Kranzniederlegung am Ehrenmal im Treptower Park. Auch Vertreter des deutschen Auswärtigen Amtes, von politischen Parteien und Organisationen nahmen an dem Gedenken zu Ehren gefallener Sowjetsoldaten teil. Die im Mai 1949 fertiggestellte Anlage wurde im Auftrag der sowjetischen Truppen errichtet. Mehr als 7.000 der in der Schlacht um Berlin gefallenen Soldaten sind hier bestattet.

uh/stu (dpa, epd)

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