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Koreanische Halbinsel

Kriegsängste in Südkorea

Nordkorea provoziert vor dem Treffen von US-Präsident Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping mit einem Raketentest. Südkorea befürchtet bereits einen Erstschlag der USA gegen den gefährlichen Nachbarn.

Am frühen Mittwochmorgen feuerte das nordkoreanische Militär erneut eine Mittelstreckenrakete in das Meer zwischen der koreanischen Halbinsel und Japan. Nordkorea zeigt sich offensichtlich unbeeindruckt von der sich seit Monaten verschärfenden Rhetorik aus Washington. Mitte März hatte US-Außenminister Tillerson auf Staatsbesuch in Südkorea erklärt, dass die "Politik der strategischen Geduld" von Amtsvorgänger Obama vorbei sei. Alle Optionen lägen auf dem Tisch. Auch ein militärischer Erstschlag sei nicht ausgeschlossen. 

Auch Trumps Ankündigung in einem Interview mit der "Financial Times", dass die USA das Nordkorea-Problem alleine lösen würden, wenn China nicht kooperiere, scheint Pjöngjang nicht zu beunruhigen. Möglicherweise ist der Raketenstart auch eine Botschaft an Xi Jinping, der am Donnerstag in Florida mit Trump zusammentrifft, in dem Sinne: Was auch immer ihr besprecht, Nordkorea lässt sich von seinem Kurs nicht abbringen.

Südkorea zwischen den Fronten

Südkorea und Japan reagierten auf den Raketentest in gewohnter Weise. Südkorea rief seinen nationalen Sicherheitsrat zusammen und versetzte seine Armee in höchste Alarmbereitschaft. Japan verurteilte den Raketenstart scharf. Aus dem amerikanischen Außenministerium hieß es: "Nordkorea hat erneut eine Mittelstreckenrakete gestartet. Die Vereinigten Staaten haben bereits ausführlich zu Nordkorea Stellung genommen und dem nichts hinzuzufügen."

Nordkorea Raketentest (picture-alliance/dpa/KCNA)

Seit Monaten verstößt Nordkorea mit immer neuen Raketentests gegen UN-Sanktionen

Die Äußerungen aus dem Weißen Haus unter Trump schüren in Südkorea die Angst vor einer militärischen Auseinandersetzung. Manche interpretieren sie als Zeichen dafür, dass der US-Präsident keine andere Möglichkeit mehr sieht, Nordkorea zum Einlenken zu bewegen als durch militärische Gewalt. "In Südkorea gibt es viele Menschen, die fürchten, dass Präsident Trump einen Erstschlag gegen Nordkorea riskieren könnte", so Song Young Chae, Politologe an der Sangmyung Universität in Seoul. Ein Erstschlag aber, der nicht alle Waffensysteme in Nordkorea neutralisiere, würde höchstwahrscheinlich einen Angriff auf Südkorea nach sich ziehen. "Das ist besorgniserregend."

Infografik Chronologie des nordkoreanischen Raketenprogramms DEU

Militärexperten verweisen auf die geographischen Gegebenheiten Nordkoreas mit seinen vielen Bergen, die hervorragende Möglichkeiten bieten, um Raketen und andere Waffen zu verstecken und zu schützen. Außerdem hat Nordkorea eine Armee von rund einer Million Soldaten und gut gefüllte Lager mit chemischen und biologischen Waffen. Nordkoreanische Artillerie steht unmittelbar an der Grenze nur 50 Kilometer von Seoul entfernt. Einer Studie des US-Think-Tanks Stratfor vom Januar 2017 zufolge würde ein Erstschlag die teilweise Zerstörung der Zehn-Millionen-Einwohner-Stadt nach sich ziehen. 

Südkorea Rex Tillerson in Korea - an der Grenze (picture alliance/dpa/L. Jin-Man/AP POOL)

US-Außenminister Tillerson im März auf Staatsbesuch in Südkorea

Fatale Folgen eines Erstschlags 

Der Menschenrechtsaktivist Robert Park warnt deswegen unermüdlich vor einem Erstschlag gegen Nordkorea. "Seoul würde geopfert werden." Und weiter: "Ohne Frage wäre es vor allem die Zivilbevölkerung, die unter einem solchen Angriff zu leiden hätte. Die südkoreanische Regierung muss sich deshalb felsenfest und unmissverständlich gegen diese unverantwortlichen und kontraproduktiven Pläne stellen."

Andere sehen die Lage nicht ganz so ernst wie Robert Park. Zwar sei die Lage angespannt wie lange nicht mehr, aber mittelfristig glauben viele Südkoreaner, dass sich eine moderatere Linie durchsetzen wird. "Südkoreaner haben eine hohe Toleranz, wenn es um die Rhetorik aus dem Norden geht. Und das hat dem Süden bisher sehr geholfen", sagt Sokeel Park, Direktor der NGO "Research and Strategy fort he Liberty in North Korea". "Neu ist nun, dass die USA eine ähnliche Rhetorik verfolgen. Aber ich kann in Seoul noch keine Hamsterkäufe beobachten."

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