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Politik

Kriege hatten auch 2009 Konjunktur

Mehr als 30 kriegerische Auseinandersetzungen erkennen Konfliktforscher im Rückblick auf das Jahr 2009. Es sind zwar weniger als im Vorjahr, zum Jubeln besteht aber kein Anlass.

Pakistanische Soldaten im Einsatz gegen Taliban (Archiv-Foto: AP)

Pakistanische Soldaten im Einsatz gegen Taliban (Archivbild)

Kriege gibt es, seitdem es Menschen gibt - daran erinnerte der diesjährige Friedensnobelpreisträger, der US-amerikanische Präsident Barack Obama, als er den Preis in Oslo entgegennahm. Heutzutage werden Kriege zwischen Staaten immer seltener. Dagegen sind es immer häufiger innerstaatliche, ethnische oder separatistische Konflikte, die gerade Zivilisten leiden lassen, wie auch Obama betonte: "In den Kriegen von heute sterben mehr Zivilisten als Soldaten. Künftige Konflikte werden gesät, Volkswirtschaften geschwächt, Zivilgesellschaften zerbrechen." Es gebe immer mehr Flüchtlinge und Kinder, die in Angst und Schrecken leben.

Kriegs- und Konfliktforscher legen Berichte vor

Weltkarte mit Markierung der Länder, die von Kriegen oder Konflikten betroffen sind (Grafik: Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung)

Konfliktkarte des HIIK: Je dunkler die Einfärbung, desto gewalttätiger die Krise.

Diese Feststellung deckt sich mit der politischen Forschung zu gewaltsamen Konflikten und Kriegen. Sowohl das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) als auch die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) an der Universität Hamburg zählen zwar für das Jahr 2009 weniger Kriege als im Vorjahr. Beide Institute sehen aber trotzdem keinen Grund zur Entwarnung. Schließlich beobachten etwa die Heidelberger Forscher weltweit insgesamt 365 Krisen. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass viele dieser Krisen schnell zu einem Krieg eskalieren könnten. Lotta Mayer vom HIIK relativiert deshalb auch den Rückgang von 2009: "Die derzeitigen hochgewaltsamen Auseinandersetzungen sind zumeist in regionale Konfliktsysteme eingebunden, in denen die Konflikte sich gegenseitig anheizen. Daher ist die Deeskalation einzelner Konflikte möglicherweise nur von vorübergehender Dauer."

Auf der Weltkarte der Kriegs- und Konfliktgebiete finden sich 2009 wie in den Vorjahren die meisten Markierungen im Nahen Osten, Asien und in Afrika südlich der Sahara. In Europa und Amerika gibt es wenige, in Australien, Neuseeland, Ozeanien keine hochgewaltsamen Konflikte. Die genauen Opferzahlen sind selten bekannt.

Viele zivile Opfer in Afghanistan und Pakistan

Schauplätze kriegerischer Gewalt waren auch im Jahr 2009 die Nachbarstaaten Afghanistan und Pakistan. Bei den Kämpfen zwischen der afghanischen Regierung, unterstützt durch die ISAF, den radikal-islamischen Taliban und anderen radikalen Bewegungen starben nach Angaben der Vereinten Nationen schon in den ersten acht Monaten des Jahres 1500 Zivilisten. Im Nachbarland Pakistan sollen bei den Kämpfen zwischen Regierung, Taliban und anderen Gruppen mehr als 10.000 Menschen getötet worden sein, davon gehen die Forscher der Arbeitsgemeinschaft für Kriegsfolgenforschung aus.

Gaza-Krieg und Bürgerkriegsende in Sri Lanka

Die Region Nahost wurde 2009 geprägt durch den Krieg der israelischen Armee gegen die Hamas im Gazastreifen. Dabei starben in nur drei Wochen offenbar mehr als 1400 Palästinenser und 13 Israelis.

Rettungskräfte mit bei der israelischen Militäroperation verletzten Kind im Gazastreifen (Archiv-Foto: AP)

Rettungskräfte mit einem bei der israelischen Militäroperation im Gazastreifen verletzten Kind

Sehr schwere Kämpfe gab es in Sri Lanka, wo die Regierung die tamilischen Separatisten nach 25 Jahren Bürgerkrieg mit massiver Militärgewalt besiegte. Etwa 130.000 Tamilen wurden vertrieben. Die Heidelberger Konfliktforscher werten auch den Konflikt im Nordjemen, wo sich schiitische Rebellen und Regierungstruppen bekämpfen, als Krieg. Darüber hinaus gab es weiterhin gewaltsame Konflikte auf den Philippinen, in Birma (Myanmar), in einzelnen Regionen Indiens und in Thailand.

Afrika - viele grenzüberschreitende Konflikte

Trotz Entspannung in Burundi und im Niger ist der afrikanische Kontinent südlich der Sahara immer noch stark von kriegerischen Konflikten geprägt: Eine besonders gewaltsame Region erstreckt sich von Nigeria an der Westküste über den Sudan und die Demokratische Republik Kongo bis hin nach Somalia, wo islamistische Gruppen gegen die Übergangsregierung kämpfen. In Afrika wurden auch 2009 Kriege und Konflikte oft über Landesgrenzen hinweg ausgetragen: Die ugandischen Rebellen etwa trugen ihren Krieg in die demokratische Republik Kongo, den Südsudan und die Zentralafrikanische Republik. Die Regierungen im Tschad und im Sudan unterstützten jeweils die Rebellen im anderen Land.

Nord- und Südamerika

Neben dem anhaltenden Konflikt in Kolumbien zwischen Regierung, Paramilitärs und der Rebellenorganisation FARC ist in Peru die Gewalt im Kampf mit der Organisation "Leuchtender Pfad" nach zehn Jahren wieder aufgeflammt.

In Mexiko leiden viele Menschen unter dem aggressiven Krieg der Drogenkartelle. Aufgrund dieser Auseinandersetzungen starben mehr Menschen als in den meisten Kriegen, wie die Arbeitsgemeinschaft für Kriegsursachenforschung feststellte.

Europa - vergleichsweise friedlich

In Europa gilt die Lage nach dem Abzug der russischen Truppen aus Georgien als entschärft. Allerdings bleibt der Kaukasus die Region mit den meisten Spannungen. Besonders verschlechtert hat sich die Situation in den russischen Kaukasus-Republiken Tschetschenien und Inguschetien. Auch 2009 sollen dort mehrere hundert Menschen durch Konflikte zwischen Regierung und Unabhängigkeitsbewegungen getötet worden sein.

Fazit: Forscher und Friedensnobelpreisträger



US-Präsident Barack Obama bei der Nobelpreisverleihung im norwegischen Oslo (Foto: AP)

Verpflichtung: der Friedens-Nobelpreis für US-Präsident Obama

Das übereinstimmende Fazit der Kriegs- und Konflikt-Forscher lautet: Auch wenn manche Konflikte im Jahr 2009 nicht mehr als Krieg eingestuft wurden, stehen dem zahlreiche Krisen gegenüber, die jederzeit zum Krieg eskalieren können. Der diesjährige Friedensnobelpreisträger Barack Obama will für den Frieden kämpfen, sagte er in Oslo, rief aber dazu auf, sich eines klarzumachen: "Wir müssen zunächst eine harte Wahrheit anerkennen: Wir werden gewaltsame Konflikte nicht auslöschen, solange wir leben." Eines aber forderte Obama in Oslo und versprach auch, es selber zu tun: Den Kampf gegen Kriege und für Frieden niemals aufzugeben.

Autorin: Andrea Grunau
Redaktion: Dеnnis Stutе / Martin Schrader

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