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Deutschland

Krieg und Krisen auf dem Stundenplan

An Deutschlands einziger "Akademie für Krisenmanagement" wird der Ernstfall geprobt. Wer bei Katastrophen, Krisen und Kriegen hilft, sollte nicht nur wissen, was er selbst zu tun hat.

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Helfer sollten sich ergänzen - nicht gegenseitig behindern

"Die Erhöhung der Deiche an kritischen Stellen dauert an. Die Insel Steinhaus ist überflutet. Circa 200 Personen wurden bereits evakuiert." - Eine Stadt ist überschwemmt, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und andere Hilfskräfte sind gefordert. Im Versammlungsraum sitzen sie bei einer Tasse Kaffee und diskutieren gelassen, was denn jetzt zu tun sei. Gelassen - weil das Szenario nur erfunden ist: Eine "Übungskatastrophe" an der "Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz", mit der Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Soldaten auf den Ernstfall vorbereitet werden sollen.

An der Wand vor ihnen: Schilder, die die einzelnen Mannschaften darstellen. Daneben eine Landkarte, mit einem Videobeamer an die Wand gestrahlt. Mit einem Mausklick können die Leiter sehen, wo sich Wohnungen, Krankenhäuser und andere schützenswerte Punkte befinden.

Was ist bei den Kollegen los?

Bereits seit Jahren werden hier Führungskräfte verschiedener Organisationen gemeinsam auf den Ernstfall vorbereitet, denn wenn dieser eintritt, muss alles reibungslos funktionieren.

Einer von ihnen ist Rainer Blumenrath. Er arbeitet bei der Feuerwehr und besucht an der Akademie mehrere Kurse zur "Technischen Einsatzleitung". Wichtig für ihn ist vor allem das Treffen und der Austausch mit Kollegen aus anderen Bundesländern, um von denen zu erfahren: "Wie macht ihr das, wir machen es so, ist das richtig?"

Alleine geht's nicht mehr

Die Akademie liegt in Ahrweiler nahe Bonn, auf einem ehemaligen Bundeswehrstützpunkt. Heute sind die riesigen Garagen zu Übungsräumen umfunktioniert worden, in denen jährlich über 400 Seminare angeboten werden. Hier wird jeder fortgebildet, der im Falle einer Krise professionelle Hilfe für die Bevölkerung zu organisieren hat, etwa Feuerwehrleute, Soldaten, aber auch Mitarbeiter von Behörden, die zum Beispiel für Strom und Trinkwasser sorgen müssen. Grund: Zivil- und Katastrophenschutz seien heute nicht mehr klar voneinander zu trennen, wie Dietrich Läpke, Leiter der Akademie, berichtet - da komme es vor allem auf die Koordination an.

In Deutschland sind die beiden Bereiche eigentlich auf Bund und Länder verteilt: Während der Bund den Bürger im Kriegsfall schützen soll, müssen sich die Länder etwa um Naturkatastrophen kümmern. Allerdings haben erst jüngt die Flutkatastrophen an der Elbe gezeigt, dass solche Einsätze nur noch selten alleine bewältigt werden können. Dann bedarf es gemeinsamer Anstrengungen von Bund und Ländern oder von Ländern untereinander, die gut organisiert werden wollen.

Katastrophen stören sich nicht an Grenzen

Bei solchen Katastrophen müssen Militär und Hilfsorganisationen im Ernstfall auf engstem Raum zusammenarbeiten. Daher müsse jeder über die Arbeitsweise der anderen Bescheid wissen, hebt Frank Jörres, Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes hervor. Er bietet Seminare an, die die Teilnehmer auf die Zusammenarbeit von zivilen und militärischen Organisationen im Ausland vorbereitet.

Unterrichtsinhalte sind etwa die Arbeit der Vereinten Nationen, ihrer Sonderorganisationen und Programme. Darüber hinaus lernen die Kursteilnehmer, wie Hilfsorganisationen, wie zum Beispiel das internationale Komitee des Roten Kreuzes sein schwieriges Mandat erfüllt, oder wie die Europäische Kommission solche Bemühungen finanziert.

Dietrich Läpke ist überzeugt: Der Zivil- und Katastrophenschutz wird sich weiter verändern und künftig noch internationaler werden. Hier erwarte die Akademie noch viel Arbeit, denn Naturkastrophen lassen sich selten von nationalstaatlichen Grenzen aufhalten.

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