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Politik

Krieg in Zeiten des Internets

Bilden Medien Kriege und Konflikt nur ab? Oder können sie auch zu deren Lösung beitragen? Das ist das Thema des zweiten "Deutsche Welle Global Media Forums" in Bonn.

Fernsehteams begleiten UN-Waffeninspekteure im Irak (Archivfoto: AP)

Die Medien immer mit dabei

Unter dem Thema "Konfliktprävention im Multimedia-Zeitalter" steht das zweite "Deutsche Welle Global Media Forum" vom 3. bis zum 5. Juni 2009 in Bonn. Rund 900 Medienvertreter aus aller Welt sowie Akteure aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft werden an diesen Tagen in 55 Workshops debattieren, unter ihnen etwa die Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Monika Hauser, oder Thomas Rid, US-Experte für Sicherheitspolitik. "Es gilt auszuloten, welche Möglichkeiten Medien im Multimedia-Zeitalter haben, um Konflikten vorzubeugen anstatt sie lediglich darzustellen", erklärte Deutsche-Welle-Intendant Erik Bettermann.

Logo Deutsche Welle Global Media Forum (Quelle: DW)

"Krieg 2.0: Soldaten und Terroristen als Kriegsberichterstatter" ist das Thema von US-Autor Thomas Rid. Seine These: "Noch in den 1990er Jahren", so Rid in seinem Buch "Krieg 2.0", "hatten Journalisten ein Monopol auf die Kriegsberichterstattung." Heute werden Informationen über Konflikte in Wort und Bild auch durch unzählige Weblogs oder Videoplattformen verbreitet, auch durch Zivilisten. Diese neue Situation verändert die Strategien von Armeen, aber auch die Aktionen von Gruppierungen von Hisbollah bis El Kaida, die sich exzessiv der neuen Technologien bedienen.

Putsch per SMS

Eröffnet wird die Konferenz an diesem Mittwoch mit einem Vortrag des Internetvordenkers Howard Rheingold, der sich seit Jahren damit beschäftigt, wie moderne Medien in großem Tempo und in beachtlichen Größenordnungen gemeinsame Aktionen ermöglichen. Solche per SMS koordinierte Aktionen führten zum Beispiel im Jahr 2001 zum Sturz des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada. In Bonn wird Rheingold darüber sprechen, wie sich dieses Potenzial zur Konfliktprävention einsetzen lässt.

Ein weiterer Aspekt ist die Pressefreiheit. "Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist das Herz einer gerechten Entwicklung", sagte Weltbankpräsident James D. Wolfensohn einst, doch sie braucht gerade in Konfliktregionen einen verantwortlichen Journalismus, der diese Konflikte nicht noch weiter anheizt, sondern im Idealfall zur ihrer Lösung beiträgt.

Konfliktsensibler Journalismus

Hier setzt das Konzept des sogenannten konfliktsensiblen Journalismus an. Dabei gehe es natürlich um die Einhaltung der üblichen professionellen Kriterien, wie etwa gründliche Recherche, Analyse von mehreren Quellen und Sorgfaltspflicht, erklärt der Journalist und ehemalige Moderator der Schweizer Tagesschau, Hansjoerg Enz. Er ist seit einem Jahr für den internationalen Friedensdienst EIRENE im Kongo tätig. Dort bildet er Journalisten bei dem unabhängigen Radio Maendeleo in Bukavu aus und versucht, die Idee des konfliktsensitiven Journalismus vor Ort umzusetzen. Seine Aufgabe: Verständnis zu schaffen für die andere Partei: "Friedensjournalismus ist vor allem verantwortlicher Journalismus", sagt er.

Und es gehe um lösungsorientiertes Arbeiten, sagt Martin Zint, Koordinator des "Peace and Conflict Journalism Network" (PECOJON): "Was hebe ich in meinem Bericht hevor?", fragt er. "Lösungswege für einen Konflikt oder bleibe ich, wie viele Kollegen, auf der deskriptiven Ebene und berichte allein über die Gewalt statt über deren Hintergründe?" Er glaubt, dass Medienförderung immer zum erfolgreichen Aufbau von neuen Gesellschaften nach einem Krieg oder Konflikt gehören, darum müsse Entwicklungszusammenarbeit auch immer in Medienförderung investieren, fordert er. Doch kritischer Journalismus ist in vielen Konfliktgebieten unerwünscht. Und weil Entwicklungszusammenarbeit immer auch zwischen Regierungen stattfindet, könnte das als unfreundlicher Akt empfunden werden, sagt er: "Wenn man Wadenbeißer im eigenen Lande fördert, ist das politisch nicht unbedingt opportun."

Weiteres Thema des "Deutsche Welle Global Media Forums" sind jene Computerspiele, die nach jedem Amoklauf an Schulen erneut in Verdacht geraten, Minderjährige zu Gewalttaten zu ermuntern. Unter dem Stichwort "Militainment" lässt sich eine Tendenz beobachten, wonach die Entwickler dieser Spiele nicht mehr nur Kämpfer aus virtuellen Phantasiewelten gegeneinander antreten lassen, sondern reale politisch-militärische Konflikte nachstellen und so rassistischen Feindbildern Vorschub leisten. (ina/wa/DW/dpa)

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