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Welt

Krieg gegen das eigene Volk

Mögen die USA, die Türkei und andere Länder noch so heftig protestieren, das Regime des syrischen Machthabers Assad zeigt sich davon unbeeindruckt. Die Opposition wird weiter bekämpft - auch von Kriegsschiffen aus.

Die syrische Hafenstadt Latakia

Der Hafen von Latakia

Syrien hat auch am Montag (15.08.2011) den Beschuss von Wohnvierteln der Hafenstadt Latakia fortgesetzt. Im Stadtteil Al Ramel und nahegelegenen Gebieten waren laute Explosionen und Artilleriefeuer zu hören. Auch in der zentral gelegenen Stadt Hula nahe der Protesthochburg Homs seien am Morgen Truppen mit Panzern eingerückt, teilte das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit. Soldaten hätten dort Häuser durchsucht und Zivilisten festgenommen.

Schon am Sonntag waren nach Berichten von Augenzeugen und Menschenrechtsgruppen neben Panzern auch Kriegsschiffe eingesetzt worden. Nach Angaben der Syrischen Nationalen Organisation für Menschenrechte wurden dabei mindestens 26 Zivilisten getötet. In anderslautenden Agenturberichten ist von mindestens 19 Toten die Rede.

Seit dem Beginn des Fastenmonats Ramadan am 1. August hat Präsident Baschar al-Assad die Offensive gegen die Regimegegner verstärken lassen. Täglich wagen sich dennoch immer wieder Menschen aus Protest gegen Assad auf die Straße. Sie fordern dessen politisches Ende. Assads Familie führt das Land seit 41 Jahren.

Demonstrationen in Syrien (Foto: EPA)

Trotz der Gewalt gehen die Demonstranten weiter auf die Straße

Augenzeugen berichteten, das Vorgehen der Marine gegen Latakia sei einer der schlimmsten Vorgänge seit Beginn des Aufstandes. "Jeder, der den Kopf aus dem Fenster hält, riskiert, erschossen zu werden", sagte ein Anwohner. Vom Meer aus würden die beiden Wohnviertel der Mittelmeerstadt angegriffen. In der Stadt sind seit drei Monaten auch Panzer aufgezogen, um Demonstrationen gegen Assad niederzuschlagen.

Staatliche Stellen dementieren

Die staatliche Nachrichtenagentur Syriens widersprach den Berichten, dass Latakia vom Meer aus angegriffen worden sei. Deren Meldungen zufolge kamen zwei Polizisten sowie vier nicht identifizierte, bewaffnete Männer ums Leben. Staatschef Assad hat wiederholt von aus dem Ausland gesteuerten Verschwörungen gesprochen, die das syrische Volk spalten sollten. Die Behörden geben Terroristengruppen die Schuld an dem Blutvergießen. Da ausländische Journalisten des Landes verwiesen wurden, ist es nicht möglich, die Angaben nachzuvollziehen.

Proteste in syrien (Foto: dpa)

Wie viele Menschen genau starben, ist unbekannt

Erst am Freitag sollen bei Protestmärschen landesweit 20 Menschen erschossen worden sein. Nach Informationen der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Volksaufstands mindestens 2000 Menschen getötet. US-Präsident Barack Obama und der saudiarabische König Abdullah hatten am Samstag ihre Forderungen nach einem Ende der Gewalt wiederholt. Doch Assad macht weiter, als wäre nichts gewesen.

Autor: Marko Langer (mit afp, dapd, rtr, dpa)
Redaktion: Christian Walz / Marion Linnenbrink

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