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Politik

"Krieg der Rassen"

Sie haben mal wieder etwas neues, die Amerikaner: Eine neue, verschärfte Variante von Reality TV: "Survivor" - inoffiziell auch "Krieg der Rassen" genannt.

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In groben Zügen geschildert sollen die Teilnehmer folgendes Szenario überleben: Vier Teams - ein afro-amerikanisches, ein lateinamerikanisches, ein asiatisches und ein weißes - werden auf den Cook Inseln ausgesetzt und treten gegeneinander an, indem sie Aufgaben erfüllen. Nacheinander werden die einzelnen Teilnehmer aus der Show herausgewählt. Die letzten “Überlebenden” bilden dann ein neues, gemischtrassiges Team, das so lange zusammen arbeiten muss, bis nur ein Einziger als Gewinner übrig bleibt. Dessen Mühsal wird dann durch den Gewinn von einer Million Dollar gemildert.

“Survivor Cook Island” hat bereits 12 “Survivor”-Vorgänger in den USA. Diese hatten aber alle ein Konzept, das den ethnischen Hintergrund der Teilnehmer außer Acht ließ. Als das Konzept dieser 13. Folge bekannt wurde, reagierten die Produzenten der Show auf die anschwellenden Proteste in der Öffentlichkeit erstaunt. Sie gaben an, mit dem neuen Konzept nur auf Kritik reagiert zu haben, die Show sei ethnisch nicht gemischt genug.

Proteste und Erfolg

Ist das also so zu verstehen, dass die Produzenten von CBS die Show als eine soziale Wohltat betrachten? Wenn ja, standen sie zuerst mit dieser Meinung allein auf weiter Flur. Die Proteste hagelten von allen Seiten. So kommentierte beispielsweise der Pfarrer der Canaan Baptisten Kirche in New York, dieses Event als Spiel zu verkaufen fördere die dunkle Seite der amerikanischen Seele. Und die Tratsch-und-Klatsch-Seite im Internet - defamer.com - schlug vor, das nächste Mal könne man ja gleich Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit aufeinander loslassen.

All die vielen Stimmen moralischen Mahnens werden aber gedämpft durch ein sehr viel weniger gedämpftes Zuschauerinteresse. Die seit drei Wochen laufende Show lag bei ihrer letzten Ausstrahlung mit 17,4 Millionen Zuschauer auf Platz Acht der amerikanischen Fernsehcharts. CBS ist einer der führenden TV-Sender der USA. Im Verlauf der vorangegangenen 12 Folgen von “Survivor” fielen die Zuschauerzahlen von ursprünglich circa 20 Millionen Zuschauern auf 16,8 Millionen.

Krieg der Rassen auf Sylt?

Der “Krieg der Rassen” fesselt nun die Meute wieder vor den Fernseher. Und das vermutlich nicht nur in den USA. Denn irgendwann kommt ja alles nach Deutschland. Vermutlich aber in der Sparversion. Die Cook Inseln im Südpazifik - zu viel Glamour für Deutschland.

Aber was wäre einzuwenden gegen ein kleines Spektakel auf einer Nordseeinsel? Alle interreligiösen Missverständnisse der letzten Zeit würden ordentlich durchgeschüttelt und aufgearbeitet durch eine einzige, winzig kleine Expedition nach Sylt. Am Ende hätten wir uns - geeinigt durch die unberechenbare Gewalt ungezähmter Natur - sehr, sehr lieb.

Amerikanisches Fernsehen. Das ist es, was uns fehlt.