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Politik

Krieg der Medien

Die "Apokalyptischen Reiter" nennt Hugo Chávez die großen privaten Medienhäuser Venezuelas. Sie sind seine ärgsten Feinde. Denn hinter ihnen steht die Opposition. Sie sind Teil der politischen Polarisierung.

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Hugo Chávez gilt als eigensinniger Herrscher

Caracas, kurz vor dem Referendum. Das Volk soll am Sonntag (15.8.) entscheiden, ob der Populist Hugo Chávez weiter Präsident bleibt. Auf den Straßen stehen sich Chávez-Gegner und seine Befürworter gegenüber. Sie demonstrieren zum größten Teil friedlich. Die Schlachten finden woanders statt - nicht auf der Straße, sondern in den Medien. Je näher das Referendum rückt, desto direkter, angriffslustiger und brutaler wird die Sprache der Kommentatoren - besonders die der oppositionellen Medien. Sie betreiben eine aktiv gegen Chávez gerichtete Informationspolitik, eine Art "Kampfjournalismus".

Aufrufe zum "Tyrannenmord"

Vergleiche von Hugo Chávez mit Saddam Hussein sind noch harmlos. Das Privatfernsehen ruft offen zum Sturz gegen ihn auf, sogar vom "Tyrannenmord" ist die Rede. "In Deutschland wären die Programme längst wegen Beleidigung eines Staatsoberhauptes verboten worden", sagt Hilmar Ruminski, Lateinamerika-Experte der Friedrich-Ebert-Stiftung im Gespräch mit DW-WORLD.

Ebenso radikal wie das Fernsehprogramm ist auch der Ton in privaten Zeitungen. Die Zeitung "El Nacional" druckte ein Interview ab, in dem der ehemalige Präsident Carlos Andrés Pérez zur Ermordung Chávez' aufrief.

Venezuela im Wahlkampf

In Caracas gehen die Menschen für und gegen Chávez auf die Straße

Chávez wettert regelmäßig gegen die großen Medienhäuser. Sie seien unmoralisch, faschistisch und lügnerisch. "Aber gegen die Hasstiraden der Privaten sind die staatlichen Medien noch harmlos", so Ruminski. Die Opposition kritisiert die "diktatorische" Regierung Venezuelas, aber: "Sie selbst kann nicht behaupten, sie habe die Demokratie gepachtet. Von pluralistischer Meinungsbildung kann keine Rede sein", so Ruminski. "In Venezuela gibt es keine objektive Berichterstattung."

Alleinunterhalter Chávez

So gespannt wie jetzt war das Verhältnis zwischen Hugo Chávez und den Medien zuletzt vor zwei Jahren, als der Putschversuch gegen Chávez missglückte und Generalstreiks das Land lahm legten. Damals ließ Chávez die privaten Fernsehsender Globovisión, RCTV, Venevisión und Televén vom Netz nehmen. Er wollte sie daran hindern, über die Proteste gegen ihn zu berichten. Schon vorher hatte Chávez die Sender regelmäßig zu einer sogenannten "nationalen Kette" zusammengeschaltet, um seine stundenlangen Reden zu übertragen. Vor laufenden Kameras und Radiomikrofonen der staatlichen Medien entließ Chávez 2002 den gesamten streikenden Vorstand des staatlichen Erdölkonzerns. Er rief die Namen der Geschassten einzeln auf und trillerte dabei jedes Mal mit einer Pfeife.

Eigentlich ist Hugo Chávez selbst Medienstar und der geborene Alleinunterhalter. In seiner Sendung "Aló Presidente" zelebriert er sein Talent wöchentlich. Zwischen fünf und sechs Stunden lang preist er die Errungenschaften seiner "bolivarischen Revolution", reißt Witze und erzählt Anekdoten aus der Kindheit. Hin und wieder beantwortet er Anrufe aus dem Publikum und - wie sollte es anders sein - zieht über die Opposition her.

Treffen mit dem "Teufel"

Raul Escalona Oswaldo Cisneros

Gustavo Cisneros gilt als Rupert Murdoch Lateinamerikas

Hugo Chávez größter Feind heißt Gustavo Cisneros. Er besitzt eines der mächtigsten Medienimperien Lateinamerikas und ist auch an CNN und "Direct TV" beteiligt, dem drittgrößten spanischsprachigen Kanal in den USA. Er gilt als zweitreichster Mann des lateinamerikanischen Kontinents: Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf fünf Milliarden US-Dollar. Cisneros gilt als Drahtzieher des gescheiterten Staatsstreiches gegen Hugo Chávez im April 2002. Chávez wirft ihm vor, von seinen Sendern aus zum Putsch aufgerufen zu haben.

Immer wieder drohte Chávez damit, die Sender zu schließen und ihnen die Lizenzen zu entziehen. Ex-US-Präsident Jimmy Carter riet ihm jedoch, die Angriffe der Medien durchzustehen - im Namen der Meinungsfreiheit. Anfang Juni schaffte Carter das Unmögliche: Er organisierte ein Treffen zwischen den Erzfeinden Chávez und Cisneros. Genaueres drang nicht nach außen. Chávez Anhänger waren über das Treffen entsetzt, worauf Chávez gleich zu entkräften suchte: "Ich bin auch bereit, mich mit dem Teufel zu treffen, wenn es sein muss."

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