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Nahost

Krieg bis zum Sommer?

Mit massiven Bombenangriffen auf Bagdad und andere Ziele im Irak haben die amerikanisch-britischen Streitkräfte ihre Invasion fortgesetzt. Weiterhin Unklarheit herrscht über den Status der Bodenoffensive.

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Britische Panzer am Stadtrand von Basra

Bagdad stand auch am elften Kriegstag (30.03.) rund um die Uhr unter massivem Beschuss. In unregelmäßigen Abständen erschütterten heftige Explosionen die Metropole. In der Nähe eines Wohnkomplexes stiegen riesige Rauchwolken in den Himmel. In dem bombardierten Stadtteil sollen vorwiegend Regierungsbeamte wohnen. Südlich der irakischen Hauptstadt flogen die Alliierten Luftangriffe auf Stellungen der Republikanischen Garden, die dort einen Verteidigungsring bilden.

Britische Streitkräfte verstärkten am Wochenende ihre Angriffe auf die regierungstreuen Truppen in Basra. Der Kommandeur der dort eingesetzten "Wüstenratten"-Division, Brigadegeneral Graham Binns, sagte aber, dass er vorerst keine Einnahme der belagerten Millionenstadt plane. "Ich werde mich nicht nach Basra hineinziehen lassen und für ein neues Stalingrad oder Grosny sorgen", sagte er dem "Sunday Telegraph".

"Beachtliche Fortschritte"

Britischer Panzer

Pause auf dem Schlachtfeld

Unklarheit herrscht weiterhin über den Fortgang der Bodenoffensive in Richtung Bagdad. Nach britischen Angaben kam die Offensive wegen einer "Neuordnung auf dem Schlachtfeld" ins Stocken. In den letzten Tagen gab es zahlreiche Medienberichte über zunehmende Nachschubprobleme bei den alliierten Bodentruppen wegen der langen Versorgungslinie. Dagegen sprach US-Oberbefehlshaber Tommy Franks in Katar von "beachtlichen Fortschritten". Die Invasionstruppen seien bis auf 96 Kilometer auf die Hauptstadt vorgerückt. Er schloss aber nicht aus, dass sich der Krieg "bis zum Sommer" hinziehen könnte.

Der frühere britische Außenminister Cook kritisierte Premierminister Tony Blair in ungewöhnlich scharfer Form. Die USA und Großbritannien seien gerade dabei, die gesamte muslimische Welt gegen sich aufzubringen, warnte Cook. Sie riskierten ein "langfristiges Erbe des Hasses auf den Westen", schrieb er in einem Beitrag für die Zeitung "Sunday Mirror". Ein Sprecher Blairs wies Cooks Forderung nach einem Truppenabzug umgehend zurück: Der Krieg werde bis zum Ende durchgezogen, sagte er.

Irak will von "sämtlichen Mitteln" Gebrauch machen

Kämpfe wurden am Sonntag auch aus Mosul und Kalak im Nordirak, der zentralirakischen Stadt Nadschaf und weiter südlich aus Nassirija gemeldet. Bei Nadschaf hatte sich am Samstag (29.03.) ein Iraker in die Luft gesprengt und vier US-Soldaten mit in den Tod gerissen. Der Attentäter wurde posthum von Saddam Hussein mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet. Der irakische Vizepräsident Taha Jassin Ramadan kündigte weitere Aktionen dieser Art an. Irak werde von "sämtlichen Mitteln" Gebrauch machen, "um den Feind zu töten", sagte er. Alle Iraker und die arabische Welt seien dazu aufgerufen, "den Feind bis in seine Heimat zu verfolgen".

Ein Lastwagenfahrer ist am Sonntag in Kuwait absichtlich in eine Gruppe von US-Soldaten gefahren und hat mindestens zehn von ihnen verletzt. Wie ein US-Militärsprecher weiter mitteilte, hatten die Soldaten vor einem Geschäft im El-Udairi-Militärcamp in der kuwaitischen Wüste gewartet. Bei dem Mitarbeiter handelte es sich den Angaben zufolge nicht um einen US-Bürger.

Türkei schließt Besetzung Nordiraks aus

Nord-Irak

Kurdischer Milizionär in Nord-Irak

Die Türkei erwägt einen "begrenzten" Einmarsch in Nordirak für den Fall, dass die Kriegsituation dort außer Kontrolle gerät. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sagte der "Bild am Sonntag", die sei mit den USA abgesprochen. Eine Besetzung Nordiraks schloss Erdogan aber aus: "Die Türkei hat keine derartigen Ambitionen. Deutschland und Belgien hatten gedroht, den NATO-Einsatz zum Schutz des Landes abzubrechen, wenn die Türkei in den Krieg im Irak eingreifen würde.

Weltweit protestierten auch am Sonntag wieder hunderttausende Menschen gegen den Irak-Krieg. Allein in der indonesischen Hauptstadt Jakarta folgten mindestens 200.000 Demonstranten einem Protest-Aufruf moslemischer Gruppen. In Peshawar, einer Islamisten-Hochburg im Nordwesten Pakistans, versammelten sich rund 300.000 Menschen zu Anti-Kriegs-Protesten. Mehrere hunderttausende Menschen auch in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Sie warfen der Arabischen Liga Untätigkeit vor. China erlaubte erstmals kleinere Anti-Kriegs-Kundgebungen. Eine etwas größere Demonstration gegen den Irak-Krieg wurde aber in letzter Minute vereitelt. Die Führung in Peking betrachtet jede Demonstration als Gefahr für die Stabilität.


Hinweis: Angaben zu Truppenbewegungen, Opfern und Schäden basieren zumeist auf Informationen der Kriegsparteien und können in der Regel nicht unabhängig überprüft werden.