1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Kreml-Kritiker und Ex-Spion Litwinenko in London gestorben

Drei Wochen nach dem mutmaßlichen Giftanschlag ist der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko gestorben. Kurz vor seinem Tod beschuldigte er den Kreml. Präsident Putin will die Beschuldigung nicht kommentieren.

Alexander Litwinenko (Archivbild von 2002)

Alexander Litwinenko (Archivbild)

Alexander Litwinenko starb am späten Donnerstagabend (23.11.2006) auf der Intensivstation der Londoner Universitätsklinik an einem Herzversagen, wie das Krankenhaus mitteilte. Die Mediziner hätten alles getan, um sein Leben zu retten. Litwinenkos Vertrauter Alex Goldfarb sprach im britischen Sender BBC von einem plötzlichen Blutdruckabfall und einem möglichen Herzstillstand. Litwinenkos Gesundheitszustand hatte sich zuvor dramatisch verschlechtert.

Litwinenko hatte bereits in der Nacht zum Mittwoch einen Herzinfarkt erlitten, am Donnerstag verschlechterten sich seine Werte laut Klinik weiter rapide. Der 43-Jährige sei bei "klarem Bewusstsein" und mit "reinem Herzen und in Würde" gestorben, sagte sein Vertrauter Goldfarb der BBC. Litwinenko habe gewusst, was ihm bevorstehe und darauf vertraut, dass die Polizei seinen Fall aufkläre.

War es der russische Geheimdienst?

Litwinenko, der im Krankenhaus streng bewacht wurde, war früher für den russischen Geheimdienst FSB tätig, der aus dem KGB hervorging. Ein früherer KGB-Offizier sagte nach dem Tod des Ex-Spions, es bestehe "kein Zweifel", dass der russische Geheimdienst verantwortlich sei. Litwinenko sei durch ein in KGB-Laboren hergestelltes Gift umgebracht worden, sagte der Überläufer Oleg Gordiewsky der BBC. Gordiewsky hatte in den 1980er Jahren die Seiten gewechselt.

Moskau bestreitet, hinter dem mutmaßlichen Giftanschlag zu stehen. In Helsinki, wo der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag am EU-Russland-Gipfel teilnehmen wird, sagte ein Mitglied der russischen Delegation, der Tod des russischen Ex-Spions sei "natürlich eine menschliche Tragödie". "Aber die Beschuldigungen gegen den Kreml sind so unglaublich, so unsinnig, so albern, dass der Präsident sie nicht kommentieren kann."

Die britische Polizei geht von einem "ungeklärten Tod" aus

Die britische Polizei teilte mit, der Fall werde als "ungeklärter Tod" und nicht als Mord untersucht. Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte Litwinenko am 1. November zwei russische Landsleute in einem Hotel in der Londoner Innenstadt getroffen. Laut der Zeitung "The Times" sagte Litwinenko aus, er sei mit einem guten Bekannten verabredet gewesen. Stattdessen habe er einen Fremden angetroffen, der sich ihm als "Wladimir" vorgestellt habe. Verdächtig kam Litwinenko demnach vor, dass der Unbekannte seine Identität nicht preisgeben wollte. Auch sei nicht klar gewesen, warum nicht die Bekannten zu dem Treffen erschienen seien. "Wladimir" habe aber nicht locker gelassen, und schließlich habe Litwinenko mit ihm eine Tasse Tee getrunken, berichtete die Zeitung ohne Angabe von Quellen.

Litwinenkos behandelnder Arzt Geoff Bellingan widersprach Berichten, wonach Litwinenko mit radioaktivem Thallium vergiftet worden sein soll. Die Ärzte seien sich sicher, dass das Schwermetall nicht die Ursache für die Erkrankung sei, sagte Bellingan. Auch eine radioaktive Verstrahlung sei unwahrscheinlich.

2000 nach Großbritannien abgesetzt

Litwinenko hatte sich 2000 nach Großbritannien abgesetzt und nach Angaben von Freunden Morddrohungen erhalten. Im Laufe der Jahre wandelte er sich immer mehr zum erbitterten Kreml-Gegner. So erklärte der ehemalige FSB-Spion 1998, er habe einen Auftrag zur Ermordung des umstrittenen Geschäftsmanns und vormaligen Kreml-Vertrauten Boris Beresowski erhalten. Zuletzt recherchierte er den Mord an der regierungskritischen russischen Journalistin Anna Politkowskaja. (kap)

Die Redaktion empfiehlt