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Fokus Osteuropa

Kreml baut seine Energie-Macht weiter aus

Der Kauf des russischen privaten Ölförderers TNK-BP bringt dem russischen Staatskonzern Rosneft Vorteile. Der Deal eröffnet aber auch der britischen BP neue Perspektiven im Ölgeschäft, meinen Beobachter.

Mit der Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens TNK-BP steigt Rosneft in die Spitzengruppe der großen Ölkonzerne auf. Der staatliche russische Konzern wird sogar zum größten börsennotierten Ölförderer der Welt. Nach dem Kauf wird Rosneft 45 Prozent der Ölproduktion in Russland kontrollieren. Somit gewinnt der Kreml erneut großen Einfluss auf den Ölsektor.

Das Firmenschild der russischen Erdölfirma Rosneft (Foto: dpa)

Rosneft übernimmt TNK-BP und steigt dadurch in die Spitzengruppe der großen Ölkonzerne auf

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Rosneft vom britischen Energieriesen BP sowie vom russischen Oligarchenkonsortium AAR jeweils 50 Prozent an TNK-BP erwirbt. Das Geschäft in Höhe von insgesamt 61 Milliarden US-Dollar (46,76 Milliarden Euro) wird vom Kreml unterstützt. Für seinen Anteil an TNK-BP erhält BP 17,1 Milliarden Dollar sowie 12,84 Prozent an Rosneft. Zusätzlich erwirbt BP für 4,8 Milliarden Dollar weitere 5,66 Prozent an Rosneft. Damit steigt der Anteil von BP an Rosneft auf fast 20 Prozent an.

Ölvorkommen in der Arktis im Blick

Portrait von Josef Auer (Foto: Josef Auer)

Josef Auer sieht Westeuropas Energiesicherheit nicht gefährdet

Befürchtungen, Rosneft könnte künftig an der Preisschraube drehen, halten deutsche Experten für unbegründet. "Das Zusammenspiel von BP und Rosneft ist nicht groß genug, um die Weltmarktpreise nachhaltig zu beeinflussen", sagte Josef Auer der DW. Auer ist Energie-Experte von Deutsche Bank-Research mit Sitz in Frankfurt am Main. Der Wettbewerb auf dem Weltmarkt sei viel zu groß und die Ölfördermengen von Rosneft würden nicht ausreichen, um die Preise nach oben zu treiben. Der Experte ist aber überzeugt, dass mittel- und langfristig der Ölpreis auf dem Weltmarkt 200 US-Dollar pro Barrel erreichen könnte. Dann würden Ölprojekte beispielsweise in der Arktis wirtschaftlich attraktiver werden. "Indem man BP in den Beteiligungskreis von Rosneft aufnimmt, hat man auch Zugang zu westlicher Technologie. Das kann von Vorteil sein, wenn man die arktischen Vorräte erschließen will", so Auer.

Ihm zufolge haben die Westeuropäer von der Zusammenarbeit der Ölkonzerne nichts zu befürchten. "Sicherlich ist das Geschäft mit den Russen nie einfach. Auf der anderen Seite haben wir mittlerweile viele westeuropäisch-russische Gemeinschaftsprojekte, die mit großem Wohlwollen gesehen werden, was die Energiesicherheit in Westeuropa betrifft", meint Auer. Die Übernahme von TNK-BP durch Rosneft folge Trends in der globalen Energiewirtschaft. Große Unternehmen würden noch größer und wüchsen international zusammen. Dennoch, so Auer, komme der Deal zum jetzigen Zeitpunkt überraschend. Denn Russland sei dabei, sich im Gasmarkt weiter zu internationalisieren. Gleichzeitig auch das Ölgeschäft international auszurichten, erfordere erhebliche finanzielle Mittel.

Rosneft könnte herabgestuft werden

Portrait von Andreas Männicke (Foto: Andreas Männicke)

Andreas Männicke glaubt, dass Rosneft sich durch den Kauf von TNK-BP hoch verschuldet

Um den Megadeal zu finanzieren, und an neues Kapital und Kreditlinien zu kommen, müsse sich Rosneft hoch verschulden - davon ist Andreas Männicke, einer der führenden deutschen Kenner des russischen Aktienmarktes überzeugt. Das werde eine Herabstufung im Kreditrating nach sich ziehen, erklärt der Herausgeber des Osteuropa-Börsenbriefs East Stock Trends. Männike ist trotzdem davon überzeugt, dass der Deal für Rosneft langfristig gut ist. "TNK-BP war immer einer der profitabelsten Teile von BP", sagte er im Gespräch mit der DW. Allerdings habe BP Probleme mit den russischen Oligarchen gehabt. Diese hätten sich dagegen gestemmt, dass BP sich an Rosneft beteilige", betont der Osteuropa-Experte.

Männicke weist darauf hin, dass der Kreml mit der Übernahme von TNK-BP durch Rosneft seine Energie-Macht weiter ausbaue. Im Westen werde dies negativ betrachtet. "Der Staatskonzern Gazprom hat ja schon eine große Macht im Gassektor. Nun wird die Macht möglicherweise von Rosneft global auch größer", so der Börsenexperte. Männicke schließt aber nicht aus, dass nach der jetzigen faktischen Verstaatlichung der privaten Ölgesellschaft TNK-BP die russische Regierung in Zukunft den Konzern Rosneft wieder zum Teil privatisieren könnte.

Russland braucht dringend Investitionen

Portrait von Hans-Henning Schröder (Foto: Hans-Henning Schröder)

Hans-Henning Schröder rechnet mit einer Reprivatisierung von Rosneft

Dass er seine Anteile an Rosneft in Zukunft wieder verkaufen werde, das habe der russische Staat sogar angekündigt, betont Hans-Henning Schröder von der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Rosneft hat sich mit der Zusammenarbeit mit BP jetzt attraktiver aufgestellt, auch mit Chancen auf dem internationalen Markt", so der Berliner Experte. Das Unternehmen könne später tatsächlich wieder zum Teil privatisiert werden. "Wenn sich Rosneft gemeinsam mit BP neue Ölfelder erschließt, ist es hoch attraktiv. Dann kann man in großem Maßstab durch Privatisierung Geld hereinholen", erläutert Schröder. Ziel sei es auch, auf diese Weise Investoren zu gewinnen. "Russland braucht in hohem Maße Investitionen und es hat nicht viele attraktive Filetstücke, mit denen man sie anlocken kann". Aus diesem Grund rechnet Schröder damit, dass zumindest ein Teil von Rosneft reprivatisiert wird.

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