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Wirtschaft

Kreditkarten-Ausfälle steigen

In den USA können immer mehr Menschen ihre Kreditkarten-Rechnungen wegen steigender Arbeitslosigkeit nicht mehr bezahlen. American Express legt rote Zahlen vor – jeder zehnte verdiente Dollar muss abgeschrieben werden.

Unterschiedliche Kreditkarten wie ein Kartenspiel in einer Frauenhand (Foto: AP)

Tägliche Verlockung: Leben mit Kreditkarten

Während die Konkurrenten Visa und Mastercard mit 1,7 Milliarden bzw. knapp 960 Millionen ausgegebener Kreditkarten in den ersten beiden Quartalen des Jahres gute Gewinne machten, sieht die Lage bei American Express weitaus schlechter aus. Der Gewinneinbruch betrug im zweiten Quartal 84 Prozent. Schlimmer noch: Im Gegensatz zu Visa und Mastercard steht das Kreditunternehmen selbst für das Risiko gerade, das durch ausbleibende Rückzahlungen entsteht. Bei Visa und Mastercard übernehmen dieses Risiko die Banken, die die Karten an ihre Kunden ausgeben.

American Express für Besserverdienende

Ein Geschäft in New York akzeptiert die Zahlung mit Kreditkarten von Visa, Discover, MasterCard und American Express (Foto:dpa)

Geschäft in den USA: Bezahlen mit Plastikgeld

Die rund 56 Millionen Inhaber von Amex-Kreditkarten gelten als solvent. Sie setzen durchschnittlich mehr um als die Nutzer anderer Karten. Anders als bei den übrigen Anbietern ist bei American Express ein Mindesteinkommen notwendig - die "Goldcard" erhält man beispielsweise erst ab einem Jahreseinkommen von mindestens 40.000 Euro. Dafür ist die umfangreiche Angebotspalette genau auf jene "Besserverdiener" abgestimmt: globale Hilfsdienste, Versicherungen oder Reisebuchungs-Service rund um die Uhr.

Eine Amerikanerin blättert in Büchern über Jobvermittlung (Foto: AP)

Eine von vielen Arbeitslosen in den USA auf Jobsuche

Aber dieses Premium-Angebot schützt nicht vor wirtschaftlichen Turbulenzen, in die viele Kreditkarten-Inhaber von American Express offensichtlich geraten sind. Da immer mehr Menschen in den USA arbeitslos werden, können sie ihre Rückzahlungen nicht oder nicht mehr in vollem Umfang leisten. Anders als in Europa, wo am Ende des Monats die Gesamtsumme der Umsätze bezahlt werden muss, sind die meisten Umsätze in den USA regelrechte Kredite, was in dieser Krisensituation dramatische Folgen nach sich zieht.

"Revolving cards"

In den USA finanzieren die Nutzer von Kreditkarten einen Großteil ihres täglichen Bedarfs durch Teilzahlungsvereinbarungen. Abgesehen von einer rund sieben prozentigen Tilgung wird der Schuldenrest auf den nächsten Monat "weitergedreht". Experten bezeichnen das als "revolving cards". Der Konsument zahlt also nur sieben Prozent dessen, was er mit der American Express-Karte kauft, innerhalb eines Monats. Den Rest "verschiebt" er in die Zukunft. Aber der Slogan "Heute kaufen - nächstes Jahr bezahlen!" funktioniert nicht mehr.

Mehrere Personen stehen an Bankschaltern und werden bedient (Foto: bilderbox)

In Europa werden Überziehungskredite über Banken abgewickelt

In Deutschland ist diese Praxis die Ausnahme. Im Normalfall werden die Käufe monatlich abgerechnet und über ein Lastschriftverfahren zurückgezahlt. Deshalb sehen die deutschen Kreditkarten-Betreiber die Entwicklung in den USA relativ gelassen. Laufende Überziehungskredite werden in Deutschland nämlich nicht über Kreditkarten, sondern über Girokonten abgewickelt.

Wirtschaftskrise schlägt durch

In den USA hatte American Express im Juni 2009 eine Ausfallrate von 10,76 Prozent. Experten warnen davor, dass diese Zahl bis Mitte 2010 auf 13 Prozent steigen könnte. Aber das ist nur der eine Teil der Schwierigkeiten, mit denen die einst wertvollste Kreditkarten-Marke der Welt zu kämpfen hat.

In einem Geschäft in Hollywood/Los Angeles zeigt der Besitzer, welche Kreditkarten er akzeptiert, um sein Geschäft anzukurbeln (Foto: AP)

Schöne neue Welt in Hollywood: Jetzt kaufen, irgendwann bezahlen

Im Gefolge der Wirtschaftskrise verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz oder müssen mit sinkenden Löhnen auskommen. Damit erfüllen sie die Voraussetzungen für eine American Express-Karte nicht mehr. Deshalb werden weniger neue Karten ausgegeben als bisher. Die Folge ist ein geringerer Umsatz. Er fiel im zweiten Quartal 2009 um 18 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar.

Die Geschäftsführung will der negativen Entwicklung mit der Streichung von rund 11.000 Jobs und die Einsparung von insgesamt 800 Millionen Dollar begegnen. Gleichzeitig müssen Staatshilfen zurück gezahlt werden, die das 1850 gegründete Unternehmen im vergangenen Jahr in Anspruch nehmen musste, um nicht im Strudel der US-Finanzmarkt-Krise unterzugehen. (hel/je/dpa/rtr)

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