1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Kreatives Multitalent: Pierre Cardin ist 95

Mit seinen 95 Jahren kann der berühmte Couturier Pierre Cardin auf ein höchst kreatives Lebenswerk zurückblicken. Sein Imperium hat ihn reich gemacht - und ihm einen Platz im Olymp der Pariser Modeschöpfer gesichert.

Als Modeschöpfer ist Pierre Cardin eine Legende – kreativ und äußerst elegant bis ins hohe Alter. Am 2. Juli 2017, seinem 95. Geburtstag, kann der berühmt Couturier zufrieden zurückblicken. Er ist nicht nur für seine futuristischen Entwürfe und zahllosen Modetrends berühmt geworden, die er selbstbewusst und innovativ gesetzt hat, sondern auch für seinen Geschäftssinn.

Das Geschäftsimperium der Marke "Pierre Cardin" erstreckt sich rund um den Erdball, auch in China und Russland gibt es Flagstores und Lizenzproduktionen. Mehr als 800 Fabriken und Lizenzen weltweit sind die stolze Bilanz nach 70 Jahren kreativer Schaffenszeit als Modemacher.

Deutschland Schaufenster mit Armbanduhren von Pierre Cardin (Imago/Müller-Stauffenberg)

Pierre Cardin Uhren in einem Schaufenster in Berlin

Unter seinem Label gibt es mittlerweile Haute Couture, Mode von der Stange, Schokolade, Champagnermarken, Porzellan, Uhren – die gerade sehr angesagt sind – und 19 Nobelrestaurants der Kette "Maxim". Die FAZ nannte ihn einmal den absoluten "Weltmeister des Imagetransfers".

Kreatives Ausnahmetalent

Geboren wurde Cardin als Pietro Cardini am 2. Juli 1922 im norditalienischen San Biagio di Callata, ganz in der Nähe von Venedig. Die Familie wanderte aus geschäftlichen Gründen nach Frankreich aus. Der Vater war Weinhändler und sah dort bessere Verdienstmöglichkeiten. Den Geschäftssinn hat Pierre, als Jüngster von sieben Geschwistern, offenbar geerbt.

Seine ersten Schritte in der Modebranche mache der junge Pietro in seiner Lehre als Herrenschneider in Vichy, das damals noch von den Nazis besetzt war. Nach der Befreiung ging der talentierte junge Mann 1945 voller Pläne und Ideen nach Paris – der Modemetropole, die ihm ganz andere Inspiration versprach. Im bekannten Modehaus Paquin und bei Schiaparelli heuerte er als Modezeichner an, und lernte dort auch die knallharte Geschäftswelt der Modebranche kennen.

Leben in Pariser Künstlerkreisen

Schnell fand Pierre Cardin, wie er sich jetzt nannte, Anschluss an die Pariser Künstler- und Intellektuellenszene. Er entwarf Bühnenkostüme, stattete zusammen mit Regisseur Jean Cocteau Filme und Schauspieler aus und machte sich schnell einen Namen als kreatives Ausnahmetalent. Dort lernte er auch Christian Dior kennen, und wurde dessen engster Mitarbeiter. 

Im Hause Dior entwarf Pierre Cardin 1947 den berühmten "New Look": ausgeprägte schmale Taille und runde Schulterpartie. Beides unterstrich die Weiblichkeit und wurde zum stilprägenden Modetrend dieser Zeit. Zahllose Modemacher kopierten den Cardin-Style. 1950 konnte sich Cardin schon mit einem eigenen Modehaus selbstständig machen – an feinster Pariser Adresse natürlich. Bis heute ist das sein Stammhaus und immer Heimathafen für den umtriebigen Cardin gewesen. Von dort aus hat er die Modebranche revolutioniert. Er war der erste, der Haute Couture als Mode von der Stange in einem Kaufhaus verkaufte. Und er hatte bald den Ruf, die besten und elegantesten Herrenanzüge und Schneiderkostüme für die Damenwelt anzufertigen.

Revolutionäre Entwürfe

Als er 1953 seine ersten beiden Boutiquen in Paris eröffnete, wurde das Label "Pierre Cardin" zum lukrativen Anziehungspunkt für gutbetuchte Modetouristen aus aller Welt. Hollywoodstars, Vertreter des europäischer Hochadels, bekannte Künstler und Schriftsteller, der gesamte Jet Set seiner Zeit, gab sich die Klinke in die Hand. Ein Cardin-Modell bei der Oscar-Verleihung war Gold wert für den Geschäftsmann Cardin.

Das Angebot, Nachfolger für den berühmten Couturier Christian Dior zu werden, schlug der erfolgreiche Modeschöpfer aus. Er hatte eigene Pläne.

Für seine sprudelnde Kreativität war die Welt der Laufstege und Haute-Couture-Präsentationen viel zu klein. Er begann Möbel zu entwerfen, künstlerisches Interieur und sogar Architektur. Sein Pariser "Ideen-Laboratorium" scheint bis heute unerschöpflich: vom Plattenspieler bis zum exklusiven Auto-Interieur ist alles zu haben, was gut und teuer ist.

Geschäftsimperium ohne Erben

Einen Nachfolger hat der kinderlose Cardin allerdings bisher nicht gefunden. Pierre Cardin ist mit seinen 95 Jahren ein Veteran der Modebranche, aber die Sorge um seine Nachfolge lässt ihm keine Ruhe. Frieden findet der Modezar, der privat mehrere Villen, ein Schloss und ein halbes Dorf besitzt, vermutlich erst, wenn sein Imperium in guten Händen ist. Bis dahin ist an Ruhestand nicht zu denken.

 

Die Redaktion empfiehlt