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Wirtschaft

Kreative Taschenwirtschaft

Eine gute Idee, ungewöhnliches Material, ein pfiffiges Design: Zutaten für ein erfolgreiches Label. Zwei Brüder haben aus schlichten Lkw-Planen eine Designikone gemacht. Angefangen haben sie ganz klein.

Freitag Tasche F14 DEXTER (Foto: Peter Würmli)

Der Prototyp entstand vor 16 Jahren. An der Wohnung von Markus und Daniel Freitag brausten damals täglich hunderte Lastwagen vorbei. Was andere Leute nervt, hat die Brüder inspiriert. Aus einer gebrauchten Lkw-Plane und einem alten Sicherheitsgut wurde zu Hause auf dem Küchentisch die erste Tasche geschneidert. Praktisch, wasserabweisend, schlicht und unverwüstlich wie diese Ur-Tasche sind auch die nachfolgenden geblieben.

Brenda und Fritz

Heute heißen die Modelle "Brenda" oder "Miranda", "Horst" oder "Fritz", "Dallas" oder "Denver". Sie sehen ziemlich bunt aus, sind rechteckig oder trapezförmig - und sie riechen ein wenig nach PVC. Markus und Daniel haben innerhalb weniger Jahre aus ihrem Familiennamen ein Label gemacht. Ihre Einkauf-, Fahrrad-, Umhänge- und Sporttaschen aus Recyclingmaterial werden in die ganze Welt exportiert. Gefertigt wird in Zürich, mittlerweile rund 200.000 Stück jährlich: Neben Taschen auch Geldbeutel und Behälter für iPods oder iPhones. Gebrauchte Lastwagenplanen müssen dafür inzwischen in ganz Europa eingekauft werden.

Schlichte Formen, klare Farben

Markus und Daniel Freitag (Foto: Daniel Küenzi)

Markus und Daniel Freitag

Für die kreativen Brüder - beide haben Grafikdesign studiert - ist all dies kein Grund, sich auf dem Erfolg auszuruhen. "Noch heute habe ich das Gefühl, dass ich schon einen Haufen gute Taschen entwickelt habe, aber so die ganz gute, die wirklich richtig gute, die möchte ich natürlich noch umsetzen", sagt Markus Freitag.

Die älteste Tasche - inzwischen natürlich etwas angeschrammt - ist trotz ihrer 16 Jahre immer noch in Gebrauch. Manchmal sieht Markus sie mit ihrem Besitzer auf der Straße in der Stadt. "Ich freu mich jedes Mal." Schlichte Formen, klare Farben - so einfach wie möglich, lautet die Devise der beiden Designer. Oder - im modischen Sprachgebrauch der Branche - "reduced to the max", maximal reduziert und so kostengünstig wie es nur geht produziert. Am Ende aber darf die Tasche nicht billig aussehen.

Waschen, trocknen, zuschneiden

Besuch in der Freitag-Fabrik. Eine riesige Halle mit Regalen und Containern, in denen gut 200 Tonnen Material aller Art lagern. Die Planen kommen völlig verschmutzt hier an - vor der Weiterverarbeitung steht also erst einmal eine gründliche Reinigung in riesigen Waschmaschinen. "Jedes Jahr stehen da ein, zwei Waschmaschinen mehr, weil die Kapazität auch steigt", sagt Markus. Nach dem Waschen und Trocknen werden die Materialien fotografiert, damit Einkäufer, Planer und Schneider später wissen, was in den Regalen vorrätig ist. Auf großen Tischen werden die Planen ausgelegt, ausgerollt und zugeschnitten.

Nur ausgewählte Verkäufer

Freitag-Shop in Zürich (Foto: Tobias Madörin)

Der Shop in Zürich

Autogurte als Tragriemen, ausgemusterte Fahrradschläuche für die Kanten-Einfassungen gehören als typische Komponenten der Freitag-Taschen unbedingt dazu. Genäht wird übrigens nicht in der Halle in Zürich, sondern in sieben Firmen etwas außerhalb. Verkauft wird das Ganze dann über das Internet, im hauseigenen Shop - einem etwas bizarren Gebilde aus 17 über- und nebeneinander gestapelten alten Frachtcontainern -, in einer Boutique in Davos, die wie eine riesige Sauna gestaltet ist, und an vielen anderen Orten der Welt. Freitag-Taschen sind zu einem Exportschlager geworden. Man beliefert indes bewusst keine Großkunden, sondern vorrangig kleine Läden.

Klein, aber fein? Geht nicht!

"Die ersten zwei Koffer voll Freitag-Taschen haben wir mit dem Nachtzug nach Berlin geschmuggelt und dann da in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte in einem Hinterhofladen verkauft." Heute geht das Ganze natürlich deutlich professioneller. Jetzt werden ganze Paletten voll nach Japan, Italien, Frankreich oder in die USA geliefert - eigentlich, wie Markus Freitag sagt, in aller Herren Länder.

Wachstum gehört zum Geschäft. Früher haben die Freitags mal geglaubt, das Unternehmen könne fein und klein bleiben - eine Illusion, wie sich herausstellte. Auch in der "Lifestyle-Konsumgüterbranche" braucht man Entwicklung. "Ja, wir wachsen - so zwischen 20 und 30 Prozent jährlich. 'Freitag' hat noch einen Haufen Potenzial und das macht uns auch zu schaffen. Wir können nicht einfach sagen, jetzt läuft es, so machen wir jetzt weiter. Die Umsätze werden größer, die Probleme werden größer - es ist immer eine Herausforderung."

Im Design-Olymp

Markus Freitag ist dennoch bescheiden geblieben, ein Auto hat er nicht, zur Arbeit fährt er mit dem Fahrrad. Aber stolz ist er schon. Besonders auf den künstlerischen Erfolg seines vielfach prämierten Unternehmens. Die Ur-Freitag-Tasche steht in einer monumentalen Glasvitrine im Design-Museum Zürich, ein weiteres Modell im Museum of Modern Art in New York. Die Freitag-Brüder finden es schön, dass ihr noch relativ junges Produkt nach so kurzer Zeit in den Design-Olymp erhoben wurde. Und dort neben den weltberühmten Klassikern durchaus bestehen kann.

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Julia Elvers-Guyot