1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Krawalle in Athen gehen weiter

Trotz einer leichten Entspannung der Lage kam es in Griechenland den sechsten Tag in Folge zu Ausschreitungen. In der vergangenen Nacht hatte es in mehreren europäischen Städten Solidaritätsdemonstrationen gegeben.

Loch in Glasscheibe (Foto: AP)

Die Randalierer hinterlassen Spuren der Verwüstung

Griechenlands Hauptstadt ist auch am Donnerstag (11.12.2008) von Straßenschlachten und Plünderungen erschüttert worden. In mehreren Vierteln kam es nach Polizeiangaben zu Krawallen. Hunderte Jugendliche versammelten sich vor dem Korydallos-Gefängnis. Dorthin sollte der Polizist gebracht werden, durch dessen Schuss am Samstag ein 15-Jähriger getötet worden war.

Der Tod des Jugendlichen hatte die tagelangen Ausschreitungen in Athen und anderen griechischen Städten ausgelöst. Der 37-jährige Polizist wird des Totschlags und des "verbotenen Gebrauchs" seiner Dienstwaffe beschuldigt, seinem ebenfalls in Untersuchungshaft genommenen 31-jährigen Kollegen wird Beihilfe vorgeworfen.

Vergleichsweise entspannt

Plakat mit dem getöteten 15-jährigen Griechen (Foto: AP)

Solidarität mit dem getöteten 15-Jährigen

Vor der besetzten Fakultät für Agrarwissenschaft in der Hauptstadt lieferten sich junge Leute und Polizisten Straßenschlachten, wie die Polizei mitteilte. In den Vierteln Nea Smyrni und Galatsi hätten Jugendliche Geschäfte und öffentliche Einrichtungen geplündert. Außerdem brachten demnach Hunderte Schüler den Verkehr auf der wichtigsten Straße von Nea Smyrni zum Erliegen.

Auch aus Halandri im Norden und aus dem Hafen von Piräus wurden Zwischenfälle gemeldet. Mehrere Universitäts-Fakultäten und rund hundert Schulen in Athen und der zweitgrößten Stadt Thessaloniki blieben am Donnerstag geschlossen. Für Freitag kündigten mehrere Studentenvereinigungen eine Großdemonstration in Athen an.

Ungeachtet dieser Vorfälle wiurde die Lage im Zentrum Athens im Vergleich zu den Vortagen als vergleichsweise entspannt beschrieben. Straßenarbeiter begannen, Steine und Barrikaden wegzuräumen, die von den Straßenschlachten übrig geblieben waren. Sie schützten sich mit Gesichtsmasken und Schals vor möglichen Tränengasresten.

Solidarität mit griechischen Demonstranten

In der Nacht hatte es gewalttätige Solidaritätsdemonstrationen unter anderem in Spanien, Italien und Dänemark gegeben. In Madrid wurden neun Randalierer festgenommen, die im Zentrum der spanischen Hauptstadt gegen die Erschießung des jungen Griechen demonstriert hatten, Die Jugendlichen schlugen Scheiben eines Polizeireviers ein. Mehrere Beamte wurden nach Angaben der Behörden bei dem Angriff verletzt.

In Barcelona kamen etwa 300 junge Leute zu einer nicht angemeldeten Demonstration zusammen. Die Polizei löste die Kundgebung auf, nachdem Teilnehmer Steine gegen Geschäftsstellen von Banken geschleudert hatten. Die Beamten nahmen zwei Gewalttäter fest, darunter eine junge Griechin.

Auch in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen löste die Polizei am Mittwochabend eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 200 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland. 25 Demonstranten wurden festgenommen.

Proteste vor Botschaften

Krawalle in Athen (Foto: AP)

Krawalle in Athen

Zu Ausschreitungen kam es nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur ANSA auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten vor dem griechischen Generalkonsulat in Bologna wurden den Berichten zufolge fünf Polizisten verletzt.

Auch in anderen Städten weltweit gab es Protestaktionen vor diplomatischen Vertretungen Griechenlands. In New York schleuderte ein Passant einen Ziegelstein gegen das Konsulat, in Istanbul sprühten Unbekannte ein Anarchistenzeichen an die Hauswand der Vertretung. In Sofia hielten Demonstranten Plakate des von der Polizei erschossenen Alexandros Grigoropoulos hoch, in Bordeaux steckten Unbekannte vor dem griechischen Konsulat zwei Autos in Brand. Die Tür der Vertretung wurde beschädigt.

Der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis reiste trotz der Proteste zum EU-Gipfel nach Brüssel. Seine Regierung steckte schon vor den Krawallen in der Krise, die gewaltsamen Auseinandersetzungen erhöhten den Druck aber massiv. (gri)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema