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Politik

Krawalle halten Griechenland weiter in Atem

In Athen und anderen Städten gerieten Demonstranten und die Polizei wieder aneinander; auch in Hamburg kam es zu Krawallen. In Griechenland wird inzwischen mit einer Regierungsumbildung gerechnet.

Mehrere Demonstranten und Polizisten geraten in der Nacht vor einem Haus aneinander. Quelle: AP

Neue Ausschreitungen in Athen

Die Lage in der griechischen Hauptstadt ist auch zwei Wochen nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel weiter explosiv. Bereits am Samstagnachmittag (20.12.2008) begannen die Spannungen: Am Rande eines Protestmarschs gegen die verschärften Asylregelungen in der EU, gerieten Jugendliche und Polizisten im Zentrum Athens aneinander.

Die Beamten schützten einen 18-Meter hohen künstlichen Tannenbaum auf dem Syntagma-Platz davor, von den etwa 200 jugendlichen Krawallmachern angezündet zu werden. Diese bewarfen den Baum und die Bereitschaftspolizisten daraufhin mit Müll.

Beleuchteter Tannenbaum mit einem Stern auf der Spitze, davor Feuer und ein Polizist. Quelle: AP

Er sollte wieder angezündet werden: Der Weihnachtsbaum im Zentrum Athens

Die Polizisten setzten Tränengas ein und nahmen sechs Menschen fest. Der erste Weihnachtsbaum auf dem Platz war bereits am 8. Dezember, zwei Tage nach dem Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos, in Flammen aufgegangen.

Gezielte Planung für Randale

Eine Mahnwache für Grigoropoulos an der Stelle, an der er am 6. Dezember von einer Polizeikugel getötet worden war, führte dann am Abend zu massiven Krawallen, die bis in den frühen Sonntagmorgen andauerten. Aus der Mahnwache hatten sich etwa 200 Krawallmacher herausgelöst und waren zur Technischen Universität gezogen.

Diese wurde als Planungsbasis für die folgenden Angriffe genutzt. Sicherheitskräfte dürfen den Campus laut einem Gesetz nur betreten, wenn sie von der Universitätsverwaltung ausdrücklich dazu aufgefordert werden.

Im Viertel Exarchia lieferten sich Hunderte Randalierer mehrstündige Straßenschlachten mit der Polizei. Mülleimer wurden angezündet. Im westlichen Vorort Nea Filadelfia bewarfen Jugendliche eine Polizeistation mit Molotow-Cocktails und zündeten Kleintransporter an. Randale wurde auch aus dem Stadtviertel Petralona und aus der Hafenstadt Piräus gemeldet.

Auch aus anderen Städten wurden Proteste gemeldet. In der Hafenstadt Thessaloniki besetzten rund 40 Demonstranten ein Kino und einen Stand, an dem Bürgermeister Vassilis Papageorgopoulos Kuchen und Süßigkeiten an kranke Kinder verteilte. Er und einer seiner Stellvertreter wurden von Demonstranten mit dem Gebäck beworfen. Landesweit wurden lokale Radiostationen für kurze Zeit besetzt, um Botschaften abzusetzen. Darin wurden die Polizei, die Konsumgesellschaft und Vetternwirtschaft angeprangert.

Proteste auch in Hamburg

Protestmasch in Hamburg, vorne zwei Banner, in der Menge mehrere rote Flaggen. Quelle: AP

Der Protestmarsch in Hamburg verlief zunächst ruhig

In Hamburg geriet am Samstag ein Solidaritätsmarsch von etwa 1000 Teilnehmern gegen die Polizeigewalt in Griechenland außer Kontrolle. Vermummte Autonome lösten sich aus der Menge und bewarfen Polizisten mit Flaschen und Knallkörpern. Nach Polizeiangaben wurden mindestens vier Beamte verletzt; mindestens 14 Menschen seien festgenommen worden.

Wegen der Ausschreitungen stoppte die Polizeieinsatzleitung die Demonstration und ordnete eine Änderung der angemeldeten Marschroute zum griechischen Generalkonsulat an. Die Versammlungsleiterin akzeptierte diese Auflage nicht und erklärte den Marsch für beendet. Kleinere Gruppen zogen daraufhin in die Innenstadt und randalierten. Ohne Zwischenfälle verlief eine Kundgebung in der Nähe des Generalkonsulats, an der etwa 250 Menschen teilnahmen. Wegen der Demonstration waren etwa 1300 Polizisten im Einsatz.

Druck auf Regierung wächst

Griechenland wird seit dem Tod des 15-Jährigen vor zwei Wochen von den heftigsten Unruhen seit Jahrzehnten erschüttert. Mit fast täglichen Protesten machen sich Jugendliche inzwischen verstärkt Luft - auch über die eigene Situation. Noch immer sind hunderte Schulen und mehrere Universitäten im ganzen Land besetzt.

Karamanlis, dahinter eine Frau. Quelle: AP

Karamanlis denkt offenbar über eine umfangreiche Kabinettsumbildung nach.

Die Jugendlichen sind wie immer mehr Griechen mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Kostas Karamanlis unzufrieden. Umfragen deuten auf eine nachlassende Unterstützung für ihn und seine Partei Nea Dimokratia hin. Die konservative Zeitung "Kathimerini" veröffentlichte in ihrer Sonntagsausgabe eine repräsentative Befragung, nach der im Falle von Neuwahlen die oppositionellen Sozialisten unter Giorgos Papandreou 38,5 Prozent der Stimmen erhalten würden. Die Nea Dimokratia würde danach nur auf 32,5 Prozent kommen.

Bei der Befragung wurde deutlich, dass sich die Bürger parteiübergreifend Sorgen über den politischen Kurs des Landes machen. 86 Prozent waren der Meinung, es gehe "in die falsche Richtung". In Athen wird inzwischen mit einer umfangreichen Regierungsumbildung gerechnet. (hy)

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