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Aktuell Europa

Krawalle bei Räumung von Flüchtlingslager in Calais

Begleitet von Ausschreitungen haben die französischen Behörden damit begonnen, das provisorische Flüchtlingslager in Calais zu räumen. Die Polizei setzte Tränengas gegen Migranten und Aktivisten ein.

Ein Großaufgebot der Polizei hat damit begonnen, einen Teil des provisorischen Flüchtlingslagers von Calais zu räumen. Arbeiter rissen im südlichen Teil des sogenannten "Dschungels von Calais" zahlreiche von den Flüchtlingen errichtete Hütten ab. Dabei stießen Flüchtlinge und Aktivisten mit der Polizei zusammen. Ein Gericht hatte zuvor die Anordnung zur Räumung für zulässig erklärt.

Polizei sichert Abrissarbeiten

Die Polizei war mit mehr als 30 Einsatzfahrzeugen vor Ort, um die Abrissarbeiten abzusichern, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Rund 20 Mitarbeiter einer Baufirma rissen die leeren Hütten und Zelte ab und entsorgten das Baumaterial in Containern. Zum Einsatz kamen auch zwei Bulldozer. Lediglich Gemeinschaftsbereiche wie etwa eine Schule oder ein Theater sollten erhalten bleiben. Die Präfektur der nordfranzösischen Hafenstadt rechnet mit einer mehrwöchigen Dauer der Abrissarbeiten.

Während die Räumung zu Beginn ohne größere Zwischenfälle verlief, gab es später Auseinandersetzungen mit der Bereitschaftspolizei: Etwa 150 bis 200 Flüchtlinge und Aktivisten, die sich für die Abschaffung der Grenzen einsetzen, bewarfen die Ordnungskräfte mit Steinen und setzten drei behelfsmäßige Unterkünfte in Brand, wie ein Reuters-Fotograf berichtete. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas. Bereits zuvor war eine Aktivistin festgenommen worden.

Über den Eurotunnel weiter

Nach früheren Angaben des Innenministeriums sind vom Abriss etwa 800 bis 1000 Migranten betroffen. Unterstützer der Lagerbewohner sprechen jedoch von mindestens 3400 Menschen, darunter Frauen und kleine Kinder. Die Bewohner sollen auf andere Unterkünfte in Frankreich verteilt werden. Die meisten von ihnen wollen aber versuchen, illegal per Zügen oder Lkws über den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen.

Weil sich die Flüchtlinge in Großbritannien bessere Zukunftschancen versprechen, beantragen viele von ihnen kein Asyl in Frankreich. Sie haben dafür in Calais teils Slum-ähnliche Bedingungen in Kauf genommen.

wo/ml (dpa, rtr, afp)