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Aktuell Europa

Krawalle bei nächtlichen Protesten in Paris

Trotz immer neuer Zugeständnisse der französischen Regierung gehen die Proteste gegen die geplante Arbeitsmarktreform weiter. Aktivisten schlagen sich sogar die Nacht um die Ohren.

Am Rande von Protesten der Bewegung "Nuit debout" ("Aufrecht durch die Nacht" oder "Die Nacht über wach") in Paris ist es zu Ausschreitungen gekommen. Demonstranten hätten an der Place de la République eine Barrikade errichtet und Wurfgeschosse auf eingreifende Polizisten geschleudert, teilten die Behörden mit. "Nuit debout" protestiert seit knapp zwei Wochen mit nächtlichen Aktionen gegen die von der sozialistischen Regierung von Präsident Francois Hollande geplante Arbeitsmarktreform.

Demonstranten bauen Barrikade

Die Polizei hatte am Montagmorgen das Protestcamp auf dem Platz in der Pariser Innenstadt geräumt, nachdem eine Versammlungserlaubnis erloschen war. Die Aktivisten meldeten aber umgehend eine neue Demonstration an - und so versammelten sich am Montagabend erneut zahlreiche Menschen auf der Place de la République. Nach Polizeiangaben zogen dann gegen Mitternacht rund 400 Menschen in kleinen Gruppen in Richtung eines Bezirksrathauses und warfen dabei Mülleimer um. Bei ihrer Rückkehr hätten die Gruppen dann auf dem Platz eine Barrikade errichtet.

Demonstranten bauen an einer Barrikade

Demonstranten bauen an einer Barrikade

Daraufhin sei es zu den Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Behörden in der französischen Hauptstadt riefen die Verantwortlichen von "Nuit debout" auf, "ihrer Verantwortung gerecht zu werden", um neue Zwischenfälle zu verhindern. Schon seit einigen Tagen fürchten die Aktivisten, dass sich Randalierer unter die friedlichen Demonstranten mischen könnten.

Seit Wochen Proteste

In Frankreich gibt es seit Wochen Demonstrationen gegen die geplanten Gesetze, die unter anderem eine Lockerung der 35-Stunden-Woche und vereinfachte Regeln für betriebsbedingte Kündigungen vorsehen. Die Regierung verspricht sich dadurch eine Belebung des Arbeitsmarktes. Reformgegner befürchten die Zunahme von Billigjobs und einen Verlust an sozialer Sicherheit. Im Zuge der Demonstrationen ist "Nuit debout" entstanden. Inzwischen gibt es Ableger in zahlreichen französischen Städten.

Die Bewegung beschränkt sich nicht auf das Thema Arbeitsmarkt. Französische Medien ziehen Parallelen zu den Protestbewegungen "Occupy Wall Street" in New York und den "Indignados" in Madrid, die als Reaktion auf soziale Ungleichheit und Bankenspekulationen beziehungsweise den Sparkurs der spanischen Regierung entstanden waren.

An der Spitze der Proteste gegen die Liberalisierung der Arbeitsmarktes stehen neben den Gewerkschaften Studenten- und Schülerorganisationen. Diesen hatte Ministerpräsident Manuel Valls erst am Montag weitere Zugeständnisse gemacht. So soll es neue Finanzhilfen für junge Menschen beim Start ins Berufsleben geben. Außerdem sollen befristete Arbeitsverträge mit höheren Abgaben belegt werden.

Weitere Aktionen angekündigt

Die Regierung erhofft sich davon mehr unbefristete Arbeitsverhältnisse. Auszubildende sollen künftig höhere Gehälter und mehr Rechte erhalten, Stipendien für Schüler sollen erhöht werden. Die Regierung beziffert die Kosten für die Maßnahmen auf jährlich 400 bis 500 Millionen Euro. Nach einem Treffen mit Valls hatte sich Frankreichs größte Studentenorganisation Unef zufrieden mit den Zusagen gezeigt, zugleich aber weiteren Widerstand gegen die geplante Arbeitsrechtsreform angekündigt.

wl/mak (afp, dpa)