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Wirtschaft

KraussMaffei wird chinesisch

Es ist der bisher teuerste chinesische Einkauf in Deutschland: Für rund eine Milliarde Euro übernehmen Chinesen den deutschen Maschinenbauer KraussMaffei. Mit dem gleichnamigen Rüstungskonzern hat das aber nichts zu tun.

Die staatliche chinesische National Chemical Corporation (ChemChina) kauft das Münchener Unternehmen vom kanadischen Konzern Onex für 925 Millionen Euro - es ist damit die bisher teuerste Übernahme eines chinesischen Unternehmens in Deutschland.

Onex hatte 2011 für den Hersteller von Spritzgießmaschinen zur Kunststoff-Produktion 568 Millionen Euro gezahlt. Schon damals hatte ChemChina Interesse gezeigt. Auf Sicht von zwölf Monaten kam KraussMaffei nach Angaben von Onex zuletzt auf einen operativen Gewinn (Ebitda) von 140 Millionen Euro. Mit 925 Millionen Euro würde der Traditionskonzern gemessen am Ebitda in etwa so hoch bewertet wie börsennotierte Konkurrenten.

Der größte Chemiekonzern Chinas kündigte am Montag in München an, dass die Standorte der Gruppe erhalten bleiben. Zudem sollen Stellen geschaffen werden. Arbeitnehmervertreter und IG Metall begrüßten daher den Eigentümerwechsel.

"Wir legen großen Wert darauf, dass die KraussMaffei Gruppe ihre Identität und Selbstständigkeit behält", erklärte Jianxin Ren, Chairman von ChemChina. Vor allem durch die fortschreitende Automatisierung in der Automobil-Produktion und den Trend zu Leichtbau-Materialien sieht er gute Geschäftschancen im Bereich Spritzgießtechnik.

"Mit ChemChina gewinnen wir einen strategischen und langfristig orientierten Investor, der sich seit vielen Jahren für unsere Unternehmen interessiert", sagt Frank Stieler, CEO der KrausMaffei Gruppe.

Viele Eigentümerwechsel im Laufe der Firmengeschichte

KraussMaffei ist nach eigenen Angaben weltweit führend beim Bau von Maschinen zur Produktion und Verarbeitung von Gummi und Kunststoff. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt 4500 Mitarbeiter - davon 2800 in Deutschland. Der Umsatz hatte 2014 zirka 1,1 Milliarden Euro betragen und dürfte im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent gestiegen sein.

KraussMaffei hat eine bewegte Geschichte. 1839 als Hersteller von Lokomotiven gegründet, baute das Unternehmen ab den 1930er Jahren auch Panzer, später kamen Zentrifugen, Maschinen für den Fleischereibedarf und Vorläufer von Kunststoffmaschinen hinzu.

Hier Panzer, dort Spezialmaschinen

Die Rüstungssparte ist inzwischen in der Firma Kraus-Maffei Wegmann (KMW) aufgegangen. Der Maschinenbauer gehörte von 1989 an zu Mannesmann, nach deren Aufspaltung zunächst zu Siemens. 2002 stieg der Finanzinvestor KKR ein, der später an den Rivalen Madison verkaufte.

ChemChina gehört mit rund 140.000 Mitarbeitern zu Chinas größten Chemiekonzernen und hat 2015 einen Umsatz von rund 37 Milliarden Euro erwirtschaftet. Rund 45.000 der Mitarbeiter arbeiten außerhalb Chinas. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren an diversen Unternehmen in Singapur, Frankreich, Norwegen, Großbritannien und Italien beteiligt - darunter vor kurzem an dem traditionsreichen Reifenhersteller Pirelli.

iw/bea (rtr, dpa, KraussMaffei)