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Afro.Deutschland

Krause Köpfe - krause Gedanken: das Onlinemagazin "KrauseLocke.de"

Für Afro-Deutsche gibt es kaum Möglichkeiten, etwas über ihr Haar und dessen Pflege zu erfahren. Deshalb hat Esther Donkor KrauseLocke.de ins Leben gerufen. In ihrem Onlinemagazin geht es aber nicht nur um Locken.

Esther Donkor, Betreiberin der Website KrauseLocke.de (Videostill: DW)

Esther Donkor

Vor Kurzem hatte Mena aus Herten noch lange glatte Haare, lila gefärbt. Das fiel auf in der Schule. Jetzt sind ihre Haare nur noch schulterlang und lockig. "Ich trage die Haare mal so, mal so", sagt sie. "Heute kann ich das selbst bestimmen." Früher waren es ihre Mutter und die Tanten, die ihr einfach die typisch afrikanischen Flechtfrisuren, die eng am Kopf liegen, gemacht haben.

Die schwarze Schülerin Menakuanzambi Vela steht vor einer Stellwand, die sie für ein Kunstprojekt der Rosa-Parks-Schule in Herten gestaltet hat (Foto: Renate Tellgmann)

Vorbilder, die Menakuanzambi Vela (Mena) für ein Kunstprojekt ihrer Schule gesucht hat. Darunter auch die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks.

"Als ich in die Pubertät kam, da habe ich gemerkt, dass manche Leute uns mit unserem natürlichen Haar nicht so angenommen haben", erklärt Mena. Deshalb würden sich viele Afro-Deutsche die Haare glätten und mit Haarverlängerungen arbeiten, meint sie.

Esther Donkor, die die Website "KrauseLocke.de" gegründet hat, weiß, wie es den Mädchen und Frauen geht. "Früher habe ich die Haare auch geglättet, mit Verbrennungen auf dem Kopf." Auch sie habe sich mit ihren Haaren unwohl gefühlt. "Ich wusste nicht, wie ich mit meinen Haaren umgehen sollte."

KrauseLocke.de für natürliches Haar  

2011 gründete Esther Donkor deshalb zusammen mit ihrer Freundin Barbara Mabanza KrauseLocke.de, eine Website für Menschen mit lockigem Haar. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien gab es bereits Internetseiten mit Haarpflegetipps für Menschen mit krausem Haar und mit Berichten zum Afro-Lifestyle. In ihrer Heimat Deutschland fanden die beiden Frauen jedoch nirgends eine Plattform für Schwarze. Es gebe zwar Vereine und Initiativen, die seien aber nicht so gut vernetzt, sagt Donkor.

KrauseLocke.de versteht sich als multikulturelles und urbanes Onlinemagazin und richtet sich an Menschen mit krausen Köpfen und mit "krausen Gedanken", wie es auf der Homepage heißt. Natürlich gibt es viele Beiträge rund um das Thema Locken und Beauty, doch die Webseite hilft nicht nur bei Haarproblemen.

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Esther Donkor von KrauseLocke.de

Eine Mutter wandte sich an KrauseLocke.de, nachdem ein Klassenkamerad ihren Sohn geschlagen hatte, weil er nicht weiß ist. Die Leute bitten wirklich um Hilfe, stellt Barbara Mabanza fest. Sie sind wütend und fragen: "Wie kann ich meiner Wut Ausdruck geben, und wie kann ich meinem Kind helfen?" Andere erzählen dann im Forum von ähnlichen Situationen - und wie sie damit umgegangen sind. "Die Leute sprechen nicht über Haare und Schönheit, sie reden über Rassismus, über Beziehungen, über Essen", so Esther Donkor.

Traditionelle Haarkunst bei "Zeebra Tropicana"

Einer der wenigen Salons, die sich auf "Haarkunst nach afrikanischer Tradition" spezialisiert haben, ist Zeebra Tropicana in Köln. In dem Laden prangen Perücken in vielen Farbtönen, an einer Wand stapeln sich Stylingprodukte wie beim Tetris-Spiel über- und nebeneinander: Haargel, -öle und Sprays.

Vor 40 Jahren zog Baaba Yankah-Oduah, die Inhaberin, von Ghana nach Bonn. Damals arbeitete sie bei der ghanaischen Botschaft. Sie und ihre Kolleginnen hatten große Probleme, Produkte und Stylisten für ihre Haare zu finden, erzählt Baaba Yankah-Oduah. Sie seien nach London gefahren und hätten dort genug eingekauft, um ihren Jahresbedarf abzudecken, erinnert sie sich, während sie einer Kundin das Haar wäscht. Schließlich zog sie nach London und machte dort eine Ausbildung zur Haarstylistin. Vor 24 Jahren eröffnete die Ghanaerin den ersten Afro-Haarsalon Kölns. Auch heute noch bestellt sie Produkte im Ausland.

Afrohaare frisieren will gelernt sein

Baaba Yankah-Oduah, Inhaberin des Afro-Salons Zeebra Tropicana (Foto: Lori Herber)

Baaba aus Ghana betreibt den Afro-Salon Zeebra Tropicana

Afrohaare seien anders, meint Baaba Yankah-Oduah. Europäische Friseure wüssten nicht so recht, wie sie mit krausem Haar umgehen sollen, da es nicht zu ihrer Ausbildung gehöre. Sie versuchten eher, das Haar zu "zähmen", indem sie es ausdünnten, so die Stylistin. "Jede Locke ist ein S", erklärt sie. Man müsse aufpassen, das S nicht in der Mitte zu durchschneiden - damit wäre es zerstört. "Man muss die Locke schneiden, wo sich ein neues S formt."

Manche Frauen unterziehen ihr Haar einem chemischen Prozess, um es zu glätten. Dabei wird nicht nur das Haar angegriffen, warnt Barbara Mabanza. Europäische Haare als Schönheitsideal - das sei auch nicht gut für das Selbstbewusstsein, meint sie. Mena hat schon in ihrer Kindheit Glättungscremes, sogenannte "Relaxer", in die Haare bekommen. Das war in ihrer Familie, die aus Angola kommt, üblich. "Diese Mittel zerstören die Haarstruktur", sagt Mena, "Ich wusste lange nicht, wie meine Haare von der Struktur her wirklich sind."

Die natürliche Haarpracht annehmen

Esther Donkor hat längst aufgehört, ihrer Haare chemisch zu behandeln. Das habe auch ihre Persönlichkeit verändert, sagt die Journalistin. "Ich glaube, dieser Weg zu natürlichen Haaren, wenn man sie sich vorher relaxt hat oder immer versteckt hat unter Perücken, das ist auch ein Weg zu dir selbst."

Baaba Yankah-Oduah, Inhaberin des Afro-Salons Zeebra Tropicana, hält einen großen Kamm in der Hand (Foto: Lori Herber)

Ein starker Kamm für starke Frisuren

Barbara Mabanza hofft, dass KrauseLocke.de immer mehr Frauen mit krausem Haar hilft, ihre natürliche Haarpracht anzunehmen. Wenn man mehr Leute mit schwarzen krausen Haaren sehe, schaffe das eine gewisse Normalität in der Gesellschaft. "Damit keiner mehr fragt, 'Darf ich Dein Haar berühren?' oder es einfach anfasst, ohne zu fragen", erklärt Mabanza. Das komme immer wieder vor, sagen die beiden Gründerinnen von KrauseLocke.de. "Manchmal streicheln mir Leute über den Kopf, als sei ich ein Haustier", erzählt Esther Donkor. "Das mag ich nicht."

Noch hätten krause Haare einfach nicht den Stellenwert in unserer Gesellschaft, meint Donkor. "Schau dir mal Beyoncé an, sie ist eine schwarze Frau, steht auf der Bühne, aber sie trägt immer eine glatte blonde 'Weave'. Man sieht sie nie mit ihrem 'natural hair'." Donkor findet das schade. Dafür gäbe es aber auch Menschen mit glatten Haaren, die sich ihr Haar kraus machen ließen. "Ich finde  das total super, und ich glaube, das kommt. Wir lassen noch ein bisschen Zeit vergehen, und dann ist das ganz normal."

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