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Nahost

Kratzer in der Glitzerwelt: Dubai und die Krise

Dubai, die Glitzermetropole am Golf, steckt in der Krise. Das zumindest liest man täglich in der Zeitung. Doch von all dem merkt man in Dubai selbst so ziemlich nichts. Oder doch? Auf der Suche nach der Krise am Golf.

Mann im arabischen Gewand vor der Skyline (Foto: Anna Kuhn-Osius)

Zwischen Tradition und Moderne: Die Vereinigten Arabischen Emirate

"Welche Krise meinst du?" Abdullah grinst breit und rückt sich seine Sonnenbrille zurecht. Dubai habe keine Probleme, sagt der junge Araber selbstbewusst - und steuert seinen dicken Geländewagen in das Parkhaus der Dubai-Mall, eines der größten Einkaufszentren der Stadt. Abdullah geht shoppen. Von wegen Krise!

Eislaufen bei 35 Grad im Schatten

Konsum statt Krise in einem der größten Einkaufszentren der Welt (Foto: ako)

Konsum statt Krise in einem der größten Einkaufszentren der Welt

Die Dubai Mall: Luxus, Kaufrausch und Konsumtempel auf zig Etagen. Designer neben Massenmode, arabische Gewänder neben bauchfreien Tops. Eine Frau in Burka isst Burger. Menschen aller Nationen schieben sich durch die Gänge mit dem Marmorfußboden. Ein kleiner arabischer Junge starrt begeistert auf die Haie im riesigen Aquarium. Ein paar Araber üben sich im Eislaufen auf der Schlittschuhbahn. Dubai hat Geld für all das, was eigentlich niemand braucht. Immer noch.

Mohammed aus dem Libanon ist verwundert. "Ich dachte hier ist Krise", sagt er. "Davon reden im Ausland doch alle. Aber die Malls sind ja voll – und die Leute offensichtlich glücklich…"

Keine Schlange mehr vor dem Louis Vuitton

In der Dubai Mall (Foto: ako)

In der Dubai Mall

Antoinetta widerspricht. Sie steht mit Ehemann und Kleinkind vor dem H&M und sortiert die Einkaufstaschen. "Die Malls sehen zwar voll aus, aber die Leute machen doch nur Window-Shopping", sagt sie. "Vor allem die teuren Läden sind längst nicht mehr so gut besucht. Eigentlich war immer eine lange Schlange vor dem Louis Vuitton, das ist jetzt vorbei."

So gesehen würde die Krise in Dubai das Leben ein bisschen leichter machen: Keine Warteschlangen mehr vor den Designershops, weniger Staus auf den Strassen. Vielleicht hat auch die Skihalle bei 35 Grad im Schatten ein paar weniger Gäste. Auch so kann Krise aussehen.

Doch es gibt wirklich Kratzer in der Glitzerwelt. Natürlich nicht erwünscht, natürlich nicht offiziell. Nur halblaut räumt der Verkäufer im Herren-Ausstatter-Laden ein: "Vorher haben wir am Tag umgerechnet rund 5000 Euro eingenommen. Jetzt ist es nur noch die Hälfte. Das ist schon schwierig."

Abu Dhabi kennt keine Krise

Schild in Dubai (Foto: ako)

Ein bisschen verrückt ist Dubai an vielen Stellen schon

Nur topgestylte Araberin aus Abu D lächelt: Die Krise ist zwar hier in der Wirtschaft, aber nicht generell bei den Menschen in den Emiraten", ruft sie und verschwindet in der Menge. "Ich geh jedenfalls mehr shoppen als vorher!"

Kein Wunder: Das große Nachbaremirat Abu Dhabi kennt keine Krise. Abu Dhabi hat Ölreserven für noch mindestens 100 Jahre. Dubai hat kein Öl mehr. Abu Dhabi hat Geld. Dubai ist pleite. Abu Dhabi hat die Macht. Dubai braucht Hilfe. Gerade hat Abu Dhabi dem krisengeschüttelten Dubai mit 10 Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen. Die Gegenleitung ist klar: Mehr Einfluss für Abu Dhabi! Das Emirat gilt schon lange als der großen Wüsten-Bruder, der in den letzten Jahren immer ein wenig eifersüchtig auf die kleine berühmte und überaus agile Schwester Dubai geschielt hat.

"Dubai hat vor 20 Jahren die Entwicklung für die ganze Region vorgegeben und hat sei Potenzial großartig ausgeschöpft", erklärt Rainer Herrmann, FAZ-Korrespondent in Abu Dhabi. "Aber Abu Dhabi hat mehr Ressourcen und jetzt auch den Willen, die Führungsrolle in der Region zu übernehmen. Abu Dhabi wird die Entwicklung in der Region vorgeben."

Nachhaltigkeit versus Protz?

Autobahn von Dubai nach Abu Dhabi (Foto:ako)

Autobahn von Dubai nach Abu Dhabi

Wer auf der Autobahn von Dubai nach Abu D unterwegs ist, merkt die Grenze zwischen den beiden Emiraten sofort: Schlagartig verwandelt sich die Wüstenlandschaft in einen Palmenhain. Abu D setzt auf grün, auf neue Energien, hat nachhaltiger geplant, vorsichtiger gewirtschaftet, weniger spekuliert. Dubais Strategie ist stattdessen seit Jahrzehnten immer gleich: Höher-schneller-weiter.

Groß-Baustelle am Golf

Krise hin oder her: Eigentlich scheint Dubai nach wie vor zu boomen. Die ganze Stadt ist eine Baustelle. 20 Jahre alte Häuser werden wieder abgerissen, weil sie zu alt wirken - ersetzt durch immer höhere Glasbauten. In wenigen Tagen wird Bursh Duabi eröffnet, das höchste Hochhaus der Welt.

Das höchste Hochhaus der Welt, der Bursh Dubai (Foto: ako)

Das höchste Hochhaus der Welt, der Bursh Dubai, wird im Januar 2010 eröffnet

Dubai wirkt wie ein gigantisches Glas-Raumschiff, gestrandet in der Wüste, schillernd, blendend, künstlich. Hinter der Fassade ist nichts. Hotels mit Dekorationen aus reinem Gold, künstliche Inseln, auf denen komplette Viertel entstehen. Alles ist groß, gläsern und grell. Das einzige, was Dubai nicht hat bei all den Mega-Bauten, ist Substanz, sagt Architekt Uwe Fogber: "Städtebaulich ist Dubai eine Katastrophe. Die Gebäude, die wir in Dubai bewundern dürfen, sind sicherlich mit einer kurzen Halbwertszeit ausgestattet, das heißt, wir werden sicherlich in der nächsten Zeit auch wieder Abrisse erleben in Dubai."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, in welcher Krise Dubai wirklich steckt.