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Krankenhausdrama

Krankenpfleger als Patientenmörder: Viel mehr Opfer als gedacht

Wegen sechs Todesfällen sitzt der ehemalige Krankenpfleger Niels H. bereits im Gefängnis. Eine Sonderkommission ermittelte weiter und bringt jetzt das erschreckende Ausmaß von über 100 Todesopfern zu Tage.

Pflege Krankenhaus (AP)

Eine Intensivstation wie diese war der Arbeitsplatz von Niels H. - dort verübte er aus Geltungssucht die zahlreichen Morde

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt mitteilten, ist der ehemalige Krankenpfleger Niels H. nach Abschluss aller toxikologischen Untersuchungen für 106 Todesfälle verantwortlich. Die Ermittler rechnen dem Täter weitere 62 Sterbefälle im Klinikum Delmenhorst sowie 38 Taten am Klinikum Oldenburg zu. Er muss nun mit einer weiteren Anklage bis spätestens Anfang 2018 rechnen.

Überraschendes Geständnis

Zwei Prozesse wurden zum Fall des ehemaligen Krankenpflegers schon geführt, verurteilt wurde er 2015 zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes an sechs Patienten. Der heute 40-Jährige hatte gestanden, den Kranken eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Damit wollte er sich vor Kollegen als heldenhafter Retter beweisen. Während des zweiten Prozesses gestand Niels H. überraschend von sich aus rund 30 Taten. Das rief die Sonderkommission Kardio auf den Plan. Eine umfangreiche Exhumierungsaktion begann.

Plädoyes im Prozess gegen ehemaligen Krankenpfleger (picture-alliance/dpa/C. Jaspersen)

Beim Prozess 2015 sprach Niels H. plötzlich von 30 Opfern

Mehr als 130 frühere Patienten der beiden Kliniken ließ die Soko Kardio in den vergangenen drei Jahren ausgraben und auf Rückstände von Medikamenten testen. Fest steht nach Ansicht der Ermittler, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können. Schon am Klinikum Oldenburg, wo er zunächst tätig war, gab es eine Statistik, die zeigte, dass während einer Schicht von Niels H. die Sterberate und die Zahl der Reanimationen stieg. Das Klinikum trennte sich von dem Pfleger und stellte ihm trotz des bestehenden Verdachts ein gutes Arbeitszeugnis aus. Eine Warnung an das Krankenhaus in Delmenhorst, das den Niels H. einstellte, blieb aus.

Mangelnde Kontrolle - immer noch

Von einem großen Versagen hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz gesprochen. Tätern werde es in Krankenhäusern und Pflegeheimen immer noch zu leicht gemacht. In vielen der bundesweit 2000 Einrichtungen seien die Kontrollmechanismen nicht verschärft worden.

fab/sti (dpa, afp)

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